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Thema: Vermögensverschwendung - Antwort auf Elektro

  1. #1
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    Standard Vermögensverschwendung - Antwort auf Elektro

    Hallo lieber Elektro-Kollege!

    Da dieses Forum schon seit langer Zeit kaputt ist und ich nebenbei auch nie drum gebeten hatte, bin ich hier nicht als "Praktiker" gelistet - bin aber dennoch einer. Auf jeden Fall kann ich nicht im Praktikerforum schreiben - daher hier.

    Zunächst mal: Hut ab! Dein Text lässt tief blicken, was den inhaltlichen und gedankllichen Aufwand betrifft, der hier bereits geleistet wurde. Das ist wirklich aller Ehren wert.

    Inhaltlich fange ich mal mit meiner finalen Meinung an: Ich würde den Antrag nicht vor Juli 2020 stellen.

    Zur Frage ob eine Vermögensverschwendung analog § 290 Abs. 1 Nr. 4 InsO vorliegt, gibt es einiges an Einzelrechtsprechung. Es sind also wenn man so will Einzelfallentscheidungen. Ich würde mal vermuten, dass der dargelegte Sachverhalt als eine solche ausgelegt werden könnte.
    Natürlich haben wir es hier mit einer Risikoabwägung zu tun, die auch sehr speziell mit dem Einzelfall zu tun hat. Man könnte sich natürlich fragen, ob der genannte Sachverhalt nun wirklich darauf zutreffen könnte und wie wahrscheinlich es ist, dass A: Ein Verwalter sich bemüßigt sehen wird den Verbleib des Geldes zu erforschen (m.E. eher wahrscheinlich) B: Ein Gläubiger sich motiviert fühlt aus dem Zusammenhang einen Versagungsantrag zu stricken (m.E. eher mäßig wahrscheinlich) C: Ob ein Richter der Argumentation des Gläubigers folgen würde (bei aller Vorsicht: m.E. wahrscheinlich eher weniger wahrscheinlich).

    Aber unterm Strich steht wie so häufig die Frage: Können wir das ausschließen? Aktuell Nein! Wie können wir das am besten erreichen? Die betreffende Frist abwarten!
    Von daher kann man den Ratsuchenden nur so ausführlich und ehrlich über die Risiken informieren und ihn entscheiden lassen. Meines Erachtens sinkt das Risiko gegen Null wenn man einfach nur bis Juli 2020 wartet. Von daher würde meine Empfehlung auch so lauten. Was dann der Ratsuchende damit anfängt, bliebe dann seine Entscheidung.

    Zum Ende noch eine Erfahrung aus meiner Praxis: Ich hatte hier vor Jahren mal einen Fall den ich nicht ins Verfahren brachte sondern irgendwer anders 2-3 Jahre zuvor. Der Mann kam einfach nur zu mir weil ihm sein Verfahren um die Ohren flog und er verstehen wollte warum genau.
    Was war passiert? Erfolgreicher Versagungsantrag wegen Vermögensverschwendung. Der Mann hatte bei einem sehr großen Automobilkonzern hier in der Gegend gearbeitet, wurde durch eine Werksschließung (riesig und ging durch die Presse) wie hunderte weitere quasi in aller Öffentlichkeit gekündigt - inkl. einer höheren fünfstelligen Abfindung. Auch die Abfindungen gingen z.T. sogar in Summe durch die Presse. Er stellte seinen Insolvenzantrag etwa 2 Jahre danach. Durch den Verlust der Arbeit war er sozial und gesundheitlich abgerutscht - inkl. Suchtproblematik. Die Abfindung fiel dem zum Opfer - und noch einiges mehr (Schulden).
    Der Verwalter sah scheinbar nur seinen letzten Arbeitgeber und wusste (aus der Presse) schon wo der Hase läuft. Er sagte dem Mann (lange bevor er zu mir kam), er sollte darlegen was mit dem Geld geschehen sei. Er antwortete wohl mehr oder weniger so wie oben dargestellt - also wahrheitsgemäß. Darauf stellte ein Gläubiger einen Versagungsantrag mit Bezug auf § 290 Abs. 1 Nr. 4 InsO. Der Richter stimmte dem zu. Der Löffel war gelutscht - schon als der Mann bei mir einrückte.

    Viel Erfolg weiterhin!

    Caffery
    Geändert von Caffery (27.09.2019 um 15:40 Uhr)
    Neuanmeldungen sind in diesem Forum aufgrund technischer Probleme derzeit nicht möglich. Damit ihr trotzdem um Rat ersuchen könnt, hat der feiernswerte Nutzer Tidus82 ein Ausweichforum zur Welt gebracht.

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    Meldet euch dort an wenn euch Fragen auf dem Herzen liegen. In der Zwischenzeit hoffen wir inniglich, dass dieses Mutterforum in Kürze auch wieder in der Lage sein wird neuen Nutzern eine Heimat für ihre Fragen zu bieten.

  2. #2
    Registriert seit
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    Standard

    Noch eine kleine Ergänzung zu meiner Praxiserfahrung da sie für den Zusammenhang meines Wissens relevant ist:

    Den Versagungsantrag stellte ein Gläubiger den es zum Zeitpunkt der Abfindung schon gab. Damals allerdings noch in Form eines nicht geplatzten Verbraucherdarlehens. Die Platzung folgte erst später als sein Leben, gesundheitlich und wirtschaftlich, in die Brüche ging.
    Neuanmeldungen sind in diesem Forum aufgrund technischer Probleme derzeit nicht möglich. Damit ihr trotzdem um Rat ersuchen könnt, hat der feiernswerte Nutzer Tidus82 ein Ausweichforum zur Welt gebracht.

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