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Thema: Insolvenzantrag und Analphabet

  1. #1
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    Standard Insolvenzantrag und Analphabet

    Hallo,

    ich habe eine Frage, die wohl eher an die Praktiker gerichtet ist. Ein SGB II Empfänger, 60 Jahre alt, ist hoch verschuldet. An sich wäre die Einleitung des Insolvenzverfahrens kein Problem, wäre der Schuldner nicht Analphabet. Eine gesetzliche Betreuung besteht nicht. Allein die Benennung der Gläubiger stellt für Ihn eine Hürde dar, da er gar nicht weiß wo er überall Schulden hat und Unterlagen vernichtet hat. Letztlich ist die Frage, ob ein Insolvenzverfahren überhaupt Sinn macht, wenn er die Post vom Gericht / Verwalter gar nicht lesen kann.

    Was meint Ihr?

  2. #2
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    Das ist doch ein Paradefall für eine Betreuung. Da reicht eine ohne Einwilligungsvorbehalt und vielleicht nur Vertretung gegenüber Behörden. Ansonsten auch Vermögenssorge. Anders wird man das nicht händeln können.

  3. #3
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    Danke für den Hinweis. Ich hatte gelesen, dass Analphabetismus allein kein Grund für eine Betreung ist. Dann aber Wohl die Gefahr einer weiteren Verschuldung?

  4. #4
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    Hi,
    ich habe auch Analphabeten und Ausländer, die kaum Deutsch lesen können, in der Insolvenz begleitet bzw. mache das noch. Viele Kollegen in karitativen Beratungsstellen unterstützen die Klienten auch über die Antragstellung hinaus. Manche lassen sich sogar als Verfahrensbevollmächtigte eintragen.

    Vor einer gesetzlichen Betreuung würde ich zunächst mal bei den Beratungsstellen nachfragen, wie weit die Betreuung geht. Wenn die Beratungsstelle wie in vielen Bundesländern üblich auch über das Jobcenter (mit-)finanziert wird, sollte das eigentlich möglich sein - wobei eine Verfahrensbevollmächtigung gar nicht nötig ist und es auch schon ausreicht, die Schreiben kurzfristig vorzulegen.

    Gruß
    Ingo

  5. #5
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    Danke, Ingo, für deine Hinweise. Sehr hilfreich deine Antwort. Eine praktische Frage habe ich dennoch. Theoretisch müsste dann der gesammte Insolvenzantrag und sämtlicher Schriftkram vom AG / Insolvenzverwalter dem Klienten vorgelesen werden, oder? Gibt es keine haftungsrechtlichen Bedenken, wenn man das (meinetwegen als zugelassene Stelle) so ganz ohne rechtlichen Betreuer macht?

  6. #6
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    @Ingo: wird das bei Euch oft gemacht? Bei uns und in den Bezirken, die ich kenne, ist eine Prozessvollmacht der Schuldnerberatungsstellen absolut nur vereinzelt. Obwohl mittlerweile die Möglichkeit besteht. Aber ich weiß von einigen Schuldnerberatungsstellen, dass die wohl tatsächlich auch in solchen Fälle die Vertretung übernehmen würden.

    @MinnieS: haftungsrechtlich ist das wirklich ein Problem. Wie soll man im Gericht mit einem Schreiben des Schuldners umgehen, dass er unterschrieben hat, obwohl man weiß, dass der Schuldner Analphabet ist? Ich hätte damit meine Probleme. Aber möglicherweise läuft das auch so durch. Ist ja immer die Frage, ob das Gericht überhaupt diese Schwäche mitbekommt. Allerdings wird das der InsoVerwalter sicherlich in seinem ersten Bericht aufführen.

  7. #7
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    Hi,
    wegen der Haftung machen wir uns keine Sorgen. Schließlich bescheinigen wir in Anlage 2 unsere Beteiligung am AEV; vor allem aber bestimmt § 13 InsVV ja, dass sich die Verfahrenskosten um 200 € verringern, wenn wir den Insolvenzantrag erstellt haben - also dürfen wir das auch. Und wenn wir bei dem weiteren Schriftverkehr helfen, sehe ich erst recht keine Probleme.

    Als Verfahrensbevollmächtigte lassen sich Kollegen in der Tat nur äußerst selten bestellen. Den Hauptgrund dafür sehe ich aber eher im erforderlichen Fristenkalender und Vertretungsregelungen. Wenn z.B. ein Schreiben an mich in der Beratungsstelle adressiert ist und ich 3 Wochen in Urlaub bin, darf das Schreiben nicht geöffnet werden und eine Frist kann versäumt werden.

    Was Unterschriften betrifft: Rechtlich absichern könnte man sich über den Zusatz "vorgelesen und genehmigt" - machen wir aber nicht. Wichtig ist nur, dass zu erkennen ist, dass versucht wurde, den Familiennamen zu schreiben; den kann ein Analphabet auch abmalen - nur der Vorname reicht allerdings nicht.

    Gruß
    Ingo

  8. #8
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    Ah ok, interessant. Haftung ist ja auch ein weites Wort. Letztlich gehts ja darum, ob das geschriebene das ist, was der Schuldner von sich gibt. Und stimmt: vorgelesen und genehmigt wäre eine Möglichkeit.

  9. #9
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    Zitat Zitat von Ingo Beitrag anzeigen
    Hi,
    ich habe auch Analphabeten und Ausländer, die kaum Deutsch lesen können, in der Insolvenz begleitet bzw. mache das noch.
    Ich persönlich mache das so ohne weiteres nicht, bzw. ich berate entsprechende Leute eindringlich in die Richtung selbst einen Verfahrensbevollmächtigten (Familie, Freunde, Betreuer, Familienhilfe etc.) zu ernennen, der in der Lage ist die Post zu lesen und zu verstehen. Andernfalls wäre mir das Risiko einfach viel zu hoch der Welt (und dem Ratsuchenden) mit dem Antrag keinen Gefallen zu tun.
    (Natürlich würde ich den Antrag trotzdem ohne VB stellen, wenn der Ratsuchende entgegen meiner ausdrücklichen Empfehlung darauf besteht - dazu kam es aber noch nie)

    Wir selber dürfen zwar auch Verfahrensbevollmächtigungen übernehmen, machen das aber nur in absoluten Ausnahmefällen da es dafür keinerlei Finanzierung gibt und wir entsprechend dafür (leider) praktisch keine Zeit haben.
    Neuanmeldungen sind in diesem Forum aufgrund technischer Probleme derzeit nicht möglich. Damit ihr trotzdem um Rat ersuchen könnt, hat der feiernswerte Nutzer Tidus82 ein Ausweichforum zur Welt gebracht.

    http://schuldner-community.de

    Meldet euch dort an wenn euch Fragen auf dem Herzen liegen. In der Zwischenzeit hoffen wir inniglich, dass dieses Mutterforum in Kürze auch wieder in der Lage sein wird neuen Nutzern eine Heimat für ihre Fragen zu bieten.

  10. #10
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    Hi,
    Zitat Zitat von Caffery Beitrag anzeigen
    ich berate entsprechende Leute eindringlich in die Richtung selbst einen Verfahrensbevollmächtigten (Familie, Freunde, Betreuer, Familienhilfe etc.) zu ernennen, der in der Lage ist die Post zu lesen und zu verstehen.
    Du meinst zustellungsberechtigt? Oder lässt "Euer" Gericht Laien (außer Betreuern) als Verfahrensbevollmächtigte zu?

    Gruß
    Ingo

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