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Thema: Arbeitgeber kürzt Lohn wegen Kündigung des Arbeitnehmers

  1. #1
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    Standard Arbeitgeber kürzt Lohn wegen Kündigung des Arbeitnehmers

    Hallo zusammen,

    habe zur zeit ein gewaltiges Problem.

    Nach gut 10 Jahren habe ich bei meinem derzeitigen Arbeitgeber gekündigt da ich ein Angebot bekommen habe was ich nicht ausschlagen konnte. Deutlich mehr Brutto plus ein 13. Gehalt bei deutlich weniger Arbeitszeit.

    Zur Zeit bin ich bei einer Spedition als Kraftfahrer im Fernverkehr angestellt, fange jetzt jedoch bei einer großen Chemiefirma an, auch als Fahrer aber im Nahverkehr mit geregelten 9 Stunden Tag. Da ich auch nicht jünger werde halte ich diesen Schritt als nachvollziehbar.

    Jetzt das Problem.
    Ich habe vor einiger Zeit mir die Zähne machen lassen "müssen" was mit erheblichen kosten verbunden war. Da ich ja in der Insolvenz bin war mit Bankkredit oder Ratenzahlung nichts zu machen, mein Arbeitgeber bot mir dann an ein Firmenkredit zu gewähren. Summe war 3500€. Diese wurde monatlich mit 100€ vom Lohn einbehalten. Es wurde auch nichts vertraglich festgehalten sonder lief unter der Rubrik "Vorschuss".

    Als ich vor einigen Wochen meinem Arbeitgeber darlegte das ich die Absicht hätte zu kündigen wurde vereinbart das ich aufgrund der langen Firmenzugehörigkeit und des guten Verhältnisses zum Chef es weiter so handhaben könne das ich monatlich die 100€ entweder überweise oder in Bar übergebe.

    Jetzt allerdings hat mein jetziger Arbeitgeber erfahren das ich bei einem Kunden unserer Firma anfange und war extrem pikiert und angefressen. Hab ihm dann versucht zu erklären das er mir diese Konditionen die ich dort bekomme niemals bieten könne und er mich doch verstehen müsste. Was er verneinte. Naja, jetzt kam der Lohn für Februar auf mein Konto.....was soll ich sagen.......überwiesen wurden knapp 950€. Darauf angesprochen sagte der Arbeitgeber das er den restlichen "Vorschuss" über 2 Monate mit jeweils 1050€ vom Lohn einbehalte. Darauf angesprochen das ich ein Unterhaltspflichtiges Kind habe wurde lapidar gesagt das hätte ich mir vorher überlegen müssen. Klasse

    Bedeutet jetzt für mich 2 Monate wo ich knapp 1000€ bekomme und davon noch aktuell 305€ Unterhalt zahlen muss.

    ist das Rechtens? Gilt auch für den Arbeitgeber nicht die Pfändungsgrenze? Wenn ich den Unterhalt bezahlt habe bleiben knapp 700€..davon 415€ Miete...Strom...Heizung....wovon soll ich Leben?

    Hatte zum Glück jetzt etwas Geld liegen so das ich den Monat jetzt überbrückt bekomme, aber für nächsten Monat sieht es dann ganz düster aus.

    Darum die bitte an euch, gibt es da irgendwas was ich unternehmen könnte? Er soll sein Geld ja bekommen, pünklich regelmäßig usw...aber doch net so....

  2. #2
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    Der Arbeitgeber darf nicht seine eigene Forderung ( Deinen Arbeitnehmerkredit ) so verrechnen, dass du unterhalb der Pfändungsfreigrenze rutschst. Er kann höchstens bis zur Pfändungsfreigrenze verrechnen. Schaue in der Pfändungstabelle nach wieviel dir bei einer Unterhaltspflicht verbleiben muss und setzte deinen Arbeitgeber in Verzug.

    S. https://dejure.org/gesetze/BGB/394.html

  3. #3
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    Danke erstmal für die Antwort. Wie gehe ich da am besten vor? Einfach Mahnschreiben aufsetzen mit dem Hinweis der Pfändungsfreigrenze? Da wäre der eigentliche Nettolohn schon zu niedrig, dazu gesellen sich noch Spesen und 2 Prämien.

  4. #4
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    Zitat Zitat von kartoffelsalatmitpilze Beitrag anzeigen
    Danke erstmal für die Antwort. Wie gehe ich da am besten vor? Einfach Mahnschreiben aufsetzen mit dem Hinweis der Pfändungsfreigrenze? Da wäre der eigentliche Nettolohn schon zu niedrig, dazu gesellen sich noch Spesen und 2 Prämien.

    Moin

    Ich würde hier einmal deutlich hinschreiben (lassen) und dann ohne weiteres vor dem Arbeitsgericht klagen. Anders wirst Du hier zu keiner befriedigenden Situation kommen

  5. #5
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    Angesichts der Zeit kannst du eigentlich nichts machen ausser mit deinem AG reden, oder die Zähne zusammenzubeisen. Du hast dort jetzt noch 6 Wochen vor dir - richtig? Alleine eine Klage beim Arbeitsgericht in dieser Zeit durchzuziehen ist nahe an unmöglich. Wenn du dann dein Urteil hast musst du auch noch vollstrecken - das alles dauert doch mind. 3 Monate (also von Klageeinreichung bis Vollstreckung). Mit Klageeinreichung wird die Arbeit bei dem geschilderten Verhältnis mit großer Wahrscheinlichkeit unerträglich.

    Du kannst deinem AG ja im Gespräch mal mitteilen das du dich auch gerade nicht so fit fühlst und es sich nach einer längeren Krankheit anfühlt.

    Ansonsten - wenn dein AG deinen neuen Arbeitgeber kennt ist es evtl. nicht so geschickt irgendwie zu "zicken" - den beim neuen AG hast du eine Probezeit (aber das musst du alles beurteilen).

    Und denke daran vor dem Arbeitsgericht trägt jede Partei die eigenen Kosten in der ersten Instanz - daher kannst du dir dort nur einen Rechtsanwalt leisten wenn du versichert bist oder jemand anders (z.B. die Gewerkschaft) für die Kosten aufkommt - sonst wird das evtl. noch ein Zusatzgeschäft für dich.

  6. #6
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    Äh,

    das Arbeitsverhältnis ist bereits kaputt. Der AG behält unberechtigt Gehalt ein und wird es ja auch nicht am Ende der Beschäftigung zahlen - ob nun krank oder gesundf. Jedes warten ist Zeitverschwendung. Im Fall von traiflichen Ausschlussfristen riskiert er höchstens, dass er verspätet klagt.

    Die Prozessdauer vor dem Arbeitsgerichten in der ersten Instanz ist bei den allermeisten Gerichten extrem kurz. An "meinem" Arbeitsgericht ist der Gütetermin immer innerhalb von drei Wochen. Vollstreckung ist normalerweise nicht nötig.

    Ja, den RA muss er selber zahlen (Hinweis: Werbungskosten in der Einkommenssteuer) oder PKH oder Rechtsschutz oder er macht es mit Hilfe der Rechtsantragsstelle alleine. Lohneinbehalt unter der Pfändungsgrenze kann er gar nicht verlieren.

    Grüße
    fsb hildesheim auch Fachanwalt für Arbeitsrecht

  7. #7
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    Zitat Zitat von fsb hildesheim Beitrag anzeigen
    Äh,

    das Arbeitsverhältnis ist bereits kaputt.
    Du hast den Punkt nicht verstanden, der alte Arbeitgeber hat (gute) Kontakte zum neuen Arbeitgeber - und da kann der alte Arbeitgeber Stimmung machen.

    Im übrigen mal ein wenig die Agro Nummer überdenken - ohne den alten Arbeitgeber hätte der TE Probleme gehabt seine Zahnarzt Rechnung zu zahlen - manchmal hilft reden.

    Und auch bei einem Gütetermin in drei Wochen hast du ein vollstreckbares Urteil frühestens in 8 Wochen (und das auch nur wenn der alte AG sich dämlich anstellt - wenn der ein wenig gerissen ist gibt es ein Urteil in 6 Monaten oder später). Da es hier nicht um Kündigung geht sondern "nur" um Geld und der TE auch nicht arbeitslos ist wird das Arbeitsgericht keine so hohe Priorität.

    Als ich das letzte mal als Arbeitgeber vor Gericht stand hat es 18 Monate gedauert bevor das Urteil gab.

    Ich habe nicht geschrieben das man auf eine Klage verzichten soll, nur das reden in der aktuellen Situation effektiver sein könnte. Und unabhängig davon das er den Prozess gewinnt, er muss ja trotzdem das "Darlehen" (den Vorschuss) an den AG zurückzahlen.
    Geändert von Inso? (15.03.2019 um 19:56 Uhr)

  8. #8
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    Erstens arbeitet der TE bei einem Kunden. Der aktuelle AG wird sich gut überlrgen, ob er dort seine Probleme mit Arbeitnehmern auslebt. Tatsächlich mag sowas vorkommen, ist aber selten.

    Was häufiger vorkommt ist, dass Menschen auf Ihr Gehalt tatsächlich regelmäßig und pünktlich angewiesen sind und nicht nur einen Bruchteil davon irgendwann bis gar nicht.

    Der AG hat mal geholfen und ist nun pissig und bringt der TE in absolute Not. Das geht einfach nicht. Klar, erst anschreiben/reden und wenn er dabei bleibt, muss der TE sich wehren. Das ist keine Agro-Nummer, sondern das einzige was bleibt.

    Und ja, er muss weiter die Raten an den AG zahlen. Das kann er ja auch.

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