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Thema: Insolvenzverfahren mit Nullplan bei Krebserkrankung und Erwerbsobliegenheitspflicht

  1. #1
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    Standard Insolvenzverfahren mit Nullplan bei Krebserkrankung und Erwerbsobliegenheitspflicht

    Kann mir jemand Rat geben?

    Mein Mann ist unheilbar an Krebs erkrankt. Er ist schon einige Jahre nicht mehr erwerbstätig, offiziell Hausmann. Mal abgesehen davon, dass er mit dieser Erkrankung von niemandem eingestellt würde ( außer er verschweigt es ) ist für ihn wichtig, dass er ruhig und leidlich zufrieden seine Tage verbringen kann, das ist lebensverlängernd.

    Er ist nicht bettlägerig und fühlt sich Gott sei Dank auch noch einigermaßen.

    In sechs Jahren würde er in Rente gehen, die Rente liegt unter dem Pfändungsfreibetrag.

    Er hat drei Gläubiger, die er -außer es regnet Geld- niemals wird bedienen können.

    Wie ist das unter diesen Umständen mit der Erwerbsobliegenheitspflicht, wenn er ins Insolvenzverfahren gehen würde ? Im Moment gibt er alle zwei Jahre die VA ab, aktuell nun wieder.

    Und müsste ich als Ehefrau für die Kosten des Verfahrens aufkommen? Falls ja, wieviel wäre das?

    Es geht um ca. 18.000,00 €.

    Danke schon mal.

  2. #2
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    Dein Mann ist unter der Pfändungsfreigrenze, ich stelle mir die Frage: Was ist der Vorteil, wenn er die Insolvenz durchlaufen würde? Entschuldige meine Taktlosigkeit - wird er das Ende der Insolvenz voraussichtlich erreichen?

    Die Erwerbsobliegenheit besagt, dass sich der Insolvenzler um eine angemessene Arbeit kümmern muss. Angemessen im Bezug auf Ausbildungsstand, Alter, Wohnort und nicht zuletzt dem Gesundheitsstand. Dieses "angemessen" ist jedoch ein ziemlich weites Spektrum.
    Sollte ein Gläubiger auf die Idee kommen, dass er einen Versagensantrag stellt, weil sich dein Mann nicht um eine Arbeitsstelle bemüht, dann ist der Stress vorprogrammiert. Dein Mann ist dann in der Pflicht nachzuweisen, dass er es eben doch gemacht hat oder dass er aus Grund XY (mit Nachweis vom Arzt o.Ä.) nicht arbeiten KANN.
    Ich lese jedoch heraus, dass dein Mann noch arbeiten könnte, wenn er wöllte - heißt also: Er muss sich bewerben und jede einzelne Bewerbung fein säuberlich aufschreiben, die Absagen abheften und im Fall des Falles nachweisen können. Dabei kommt es nicht darauf an ob er über die Pfändungsfreigrenze verdienen WÜRDE, sondern nur auf den Umstand, dass er sich um eine angemessene Arbeitsstelle bewerben muss.

    Ich persönlich würde mir überlegen, ob ich mir das noch antun würde.
    Wie du selbst schreibst: Es ist wichtig für ihn, dass er ruhig und zufrieden seine Tage verbringen kann - denn das ist lebensverlängernd.

    Und alle 2 Jahre die VA abgeben - nunja, ehrlich gesagt: Es gibt schlimmeres.

    Ich hoffe, dass er noch eine lange lange Zeit hat!

  3. #3
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    Mal eine andere Frage nebenbei: wenn mein Partner mit Schulden verstirbt, kann ich dann das Erbe ausschlagen?
    Müsste ja gehen. Das andere stimmt. Wenn ich jetzt nicht weiß, ob ich das Ende der PI erleben werde (sind ja immerhin einige Jahre , dann würde ich die restliche Zeit halt die VA abgeben und gut ist (und alle Bekannten und evtl.
    Erbberechtigten zu Lebzeiten darüber aufklären wieviel Schulden ich habe und anraten das Erbe auszuschlagen
    Evtl. Gegenstände würde ich dann ggf. zu Lebzeiten verschenken.

    grüße und noch angenehme und hoffentlich schmerzfreie zeit, katie.

  4. #4
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    Zitat Zitat von immernochda Beitrag anzeigen
    Und müsste ich als Ehefrau für die Kosten des Verfahrens aufkommen? Falls ja, wieviel wäre das?
    Ja, müsstest Du sehr wahrscheinlich. Es handelt sich um ca. 2000 Euro bei einem Standardverfahren ohne Extras. Ob Du aber tatsächlich für die Kosten aufkommen müsstest hängt davon ob Du es kannst (Deinem Einkommen eben).
    Ansonsten gibt es lediglich die Möglichkeit dies zu umgehen, in dem man sehr anschaulich darlegen kann, dass die Schulden des Ehepartners aus einer Zeit stammen in der man noch überhaupt nichts miteinander zu tun hatte.

    Ganz allgemein würde ich bei der dargelegten Situation auch eher zum "nichts tun" und irgendwann mal Erbe ausschlagen raten (zut Not Nachlassinsolvenz wenn jemand die Frist verpassen sollte) da alles andere einfach deutlich wahrscheinlicher mit höheren Kosten und erhöhtem Aufwand zu tun hätte.
    Ich hatte aber auch schon ähnliche Fälle bei mir sitzen denen es eine echte Herzensangelegenheit war mit den Schulden abzuschließen - obschon es eigentlich keinen harten Grund gab sich (noch) groß damit zu beschäftigen.

    Vielleicht wäre ja auch der Versuch eines Einmalvergleichs mit geringer Quote eine Möglichkeit. Je nachdem wie alt die Schulden so sind und welche Gläubiger es sind kann man so vielleicht was machen. Bei solchen Geschichten kann man da schon mit etwas Glück ab und an erstaunliche Quten erzielen. Mit den ca. 2000 Euro z.b. (vielleicht sogar mit weniger) die ein Verfahren kosten würde könnte man bei einem außergerichtlichen Einigungsversuch (falls vorhanden) vielleicht schon einiges anfangen.

    Zitat Zitat von katie32 Beitrag anzeigen
    wenn mein Partner mit Schulden verstirbt, kann ich dann das Erbe ausschlagen?
    Ja sicher.
    Geändert von Caffery (04.07.2018 um 18:21 Uhr)

  5. #5
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    Ich würde die Privatinsolvenz anstreben, ist wesentlich stressfreier.
    Das gleiche Problem wie Dein Mann hatte ich vor 8 Jahren auch.
    Ich habe aber gleich bei der Schuldnerberatung die Karten mit meiner Krankheit auf den Tisch gelegt.
    Bei Insolvenzeröffnung und meinem ersten Gespräch mit dem Insovenzverwalter habe ich meine Arztbefunde mitgebracht und ihm die Problematik erklärt.
    Seit 1,5 Jahren bin ich schuldenfrei und auch die Kosten des Verfahrens wurden mir gestundet. Das Insolvenzverfahren selbst war sehr stressfrei,
    1 mal im Jahr den Treuhänder über das Einkommen informieren und bei Änderungen der Einkommensverhältnisse.

    Warum stellt Dein Mann eigentlich keinen Antrag auf Erwerbsunfähigkeitsrente?
    Habe ich auch damals gemacht und war kein Problem.

    Ich hoffe ihr findet den richtigen Weg und drücke die Daumen.

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