Ergebnis 1 bis 6 von 6

Thema: Schule oder Privatinsolvenz

  1. #1
    Registriert seit
    15.08.2017
    Beiträge
    2

    Standard Schule oder Privatinsolvenz

    (Da mir das Gefühl kam dass ich ursprünglich im falschen Forum gepostet habe, mach ich es hier nochmal, da ich keine Option gefunden hab den Thread zu verschieben )

    Hallihallo,

    kurz zu mir: 20 Jahre alt, Hauptschulabschluss, keine Ausbildung, starke Fußbehinderung, Schulden ca. 10.000€ (ich weiß, nicht gerade wenig für 20 Jahre aber ich habe aus den Fehlern gelernt), kein Einkommen, keine Pfändbare Sachen geschweige denn Vermögen und wohne noch bei meinen Eltern.

    Hatte im November 2017 lange überlegt was ich machen soll und bin zu einer Schuldnerberatung gegangen und mir ein Blick über meine Schulden zu machen. Da ich damals auch kein Einkommen hatte blieb mir, nach meiner Ansicht nach, kein anderer Weg als die Privatinsolvenz um irgendwann schuldenfrei zu sein.
    Als ungelernter Hauptschüler hat man es nicht sehr leicht auf dem Arbeitsmarkt, was ich auch immer wieder gemerkt habe. Ich hatte dann mehrere Termine beim Schuldnerberater der das alles in Gang gesetzt hat, sprich Forderungsaufstellung, versagter Null-Plan und und und. Für mich war alles soweit im Lot, da ich Ende Januar 2018 ein Angebot gekriegt hatte eine Ausbildung anzufangen, wo auch auf meine Behinderung Rücksicht genommen wurde. Für mich schien alles passend, da in der Privatinsolvenz jede zumutbare Arbeit angenommen werden muss und die Ausbildung ja eine wäre.
    Nun bekam ich Mitte Februar eine Mitteilung von der Firma, 1 Woche vor vereinbarten Termin zur Vertragsunterzeichung, dass der Ausbildungsplatz andersweitig vergeben wurde. Für mich brach natürlich eine Welt zusammen. Ich habe mich dann mit meiner Freundin und 2 sehr enge Freunde zusammengesetzt und denen alles erzählt. Sie rieten mir, da mich der Bereich Wirtschaft und Verwaltung interessiert, mein Mittleren Schulabschluss im Bereich Wirtschaft nachzuholen um wenigstens eine Chance für eine Ausbildung zu haben, da Sie der Meinung waren das für mich Schule und eine richtige Ausbildung und guter Schulabschluss wichtiger sei als meine Schulden.

    Jetzt habe ich von mehreren Schulen, wo ich mich nach den Ratschlägen von den dreien beworben hatte, Zusagen gekriegt. Nun stellt sich für mich aber die Frage was ich jetzt machen soll. Ist die Schule wichtiger als meine Schulden? Wäre ein Schulbesuch mit Ziel Mittlere Reife ein Versagungsgrund für die RSB? Ich möchte ja nicht wieder am Anfang stehen falls es versagt wird. Ich wollte auch nach der Mittleren Reife weiter zur Schule gehen und meine 2 jährige schulische Ausbildung zum Kaufmännischen Assistenten inkl. Fachhochschulreife machen.

    Was wäre eurer Rat?

    Achja P.S.: Antrag ist noch nicht ans Gericht gegangen. Ich habe am Mittwoch ein Termin beim Schuldnerberater und da soll der Antrag fertiggemacht werden.

    LG

  2. #2
    Registriert seit
    06.03.2018
    Beiträge
    52

    Standard

    Mach deinen Schulabschluss, alles andere ist nebensächlich.

  3. #3
    Registriert seit
    11.09.2007
    Beiträge
    727

    Standard

    Theoretisch ist es möglich, dass du doch noch einen Ausbildungsplatz findest und im Idealfall damit etwa zur Halbzeit der Inso eventuell pfändbares Einkommen erzielen könntest. Es kann aber auch sein, dass du als Hauptschüler mit Körperbehinderung keinen Ausbildungsplatz findest. Oder selbst wenn, dass du hinterher keinen Arbeitsplatz findest.

    Wenn du eine z.B. zweijährige Schule vorschaltest und gleich anschließend eine Ausbildung machen könntest, könnte vielleicht danach ein Jahr lang pfändbares Einkommen entstehen, das dann wahrscheinlich aber höher als im Fall 1. Allerdings wäre auch das wieder nur ein Idealfall.

    Pfändbares Einkommen wäre bei beiden Optionenn ein Glücksfall, eher ist es wahrscheinlich, dass die Gläubiger leer ausgehen werden. Und in sofern würde ich dir raten das zu tun, bei dem du langfristig die besseren Zukunftsaussichten hast.

    Wichtig wäre z.B., die vergeblichen Bemühungen um einen Ausbildungsplatz dokumentieren zu können.

  4. #4
    Registriert seit
    20.07.2017
    Beiträge
    2.063

    Standard

    Na dann senfe ich auch mal ein paar rein persönliche Gedanken ab. Zunächst mal möchte ich vorschieben, dass diese Meinung natürlich verallgemeinert da ich Dich und Deine Lebenssituation, lieber TE mit kryptischem Namen, nicht kenne.

    Zunächst: Deine Ausbildung bzw. Dein Schulabschluss hat absolute Priorität.

    Ich selber versuche in aller Regel derart junge Menschen mit einer derartigen Überschuldung zunächst vom Insolvenzgedanken abzubringen. Deine Schulden können im Prinzip ja nur in den letzten 2 Jahren entstanden sein. Sehr wahrscheinlich sind auch ziemlich aktuelle Sachen dabei.
    Ich lege sehr viel Wert auf den Nachhaltigkeitsaspekt und bin der Meinung, dass Menschen mit unübersichtlicher Überschuldung zunächst eine gewisse Zeit gelernt haben sollten mit ihrem Geld hauszuhalten ohne neue Schulden zu machen. Bei Dir sprechen da die sehr wahrscheinlich relativ "frischen Schulden" sowie das Lebensalter dagegen.

    Aus meiner Sicht sollte ein Insolvenzverfahren für ein Leben eine einmalige Veranstaltung sein. Deswegen sollte man diese einmalige zweite Chance in einer Lebenssituation wählen in der man sich so sicher wie möglich ist, dass diese Fehler der Vergangenheit angehören.
    Nach meiner Erfahrung fehlt es einem 20-jährigen in aller Regel einfach noch an der praktischen Lebenserfahrung um wirklich so sicher wie möglich sagen zu können: "Das passiert mir nie wieder!"

    Dazu kommt aus meiner persönlichen Sicht noch der pädagogische Lerneffekt. Man kann sich natürlich fragen was ein junger Mensch daraus lernt der erst kürzlich viele Schulden gemacht hat - dann geht er zum netten Sozialonkel, der die wunderbaren Worte "Simsalabim, Insolvent ich bin!" spricht - und alles wird wieder gut.

    Wie gesagt: Da ist jetzt einiges an Spekulation dabei. Ich vermute einfach mal, dass die "übliche" junge Leute Verschuldung vorliegt. Warenlieferungen von sinnlosem BlingBling, Telefongedöns, vielleicht eine Kreditkarte etc.

    Ein paar ganz allgemeine Gedanken:
    Ich hatte schon unzählige junge Leute bei mir sitzen, die quasi schon 2 Wochen nach der Volljährigkeit genug Schulden für drei Insolvenzverfahren gezüchtet hatten.
    Nach meinem Eindruck erhöht sich die Anzahl von jungen Leuten auf die eine oben beschriebene Überschuldung zutrifft in beängstigendem Ausmaß.
    Konsumdruck, Werbung - quasi eine von Gesellschaft und Wirtschaft aberzogene Bedürfnisregulierung. Ich werde ja nicht müde zu wünschen, dass diese Entwicklung dringend beachtet werden und aktiv bekämpft werden muss. Auch werde ich den Eindruck nicht los, dass genau dies aber scheinbar nicht gewünscht ist. Okay, ich schweife ab...

    Im Endeffekt ist es Deine Entscheidung. Ich persönlich würde aber wie gesagt wahrscheinlich eher dazu raten mit einem Insolvenzverfahren zu warten und erstmal Dein Leben auf eine stabile Bahn zu bringen.
    Geändert von Caffery (12.03.2018 um 10:25 Uhr)

  5. #5
    Registriert seit
    15.08.2017
    Beiträge
    2

    Standard

    Vielen Dank euch bei beiden für die Antworten.
    Ich werde aber leider trotzdem nicht so wirklich schlau, ob ein 2-Jähriger Schulbesuch um die Mittlere Reife nachzuholen ein Versagungsgrund darstellt oder nicht. Mein Schuldenberater ist leider krankgeworden und ich warte noch auf seine Antwort auf meiner E-Mail. Der Schulbesuch wäre ja nur 2 Jahre und danach würde ich mich um eine Ausbildungsstelle bemühen. Mit Hauptschulabschluss kriege ich einfach nichts und wenn, dann sind es Berufe, die ich mit meiner Fußbehinderung nicht ausüben kann.
    Meine Freundin rät mir zur PI, damit ich endlich Ruhe vor den ganzen Briefen habe, was auch nachvollziehbar ist.

  6. #6
    Registriert seit
    11.09.2007
    Beiträge
    727

    Standard

    Niemand kann dir eine sichere Auskunft geben. Es gibt nur wahrscheinliche Aussagen. Die Wahrscheinlichkeit, dass du wegen der Erwerbsobliegenheit Probleme bekommen solltest, schätze ich für weniger hoch ein. Wenn du nichts in Richtung Höherqualifizierung tust, dann wird es m.E. ziemlich unwahrscheinlich, dass du in absehbarer pfändbares Einkommen erzielen können wirst. Somit entfällt der Aspekt der Gläubigerbenachteiligung.

    Ob es ein Recht auf Erstausbildung gibt, wie ich manchmal lese, weiß ich leider nicht. Die Schule wäre jedenfalls eine Vorbereitung darauf.

    Vielleicht musst du dich auch daran gewöhnen, deine Behinderung mit dem Fuß ein bisschen nach vorne zu stellen. Man könnte ja damit argumentieren, dass ein Beruf mit voller körperlicher Fitnes damit ein Problem wäre und Büroberufe für Hauptschüler auch nicht gerade weit verbreitet sind.

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •