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Thema: Zweite Ausbildung in der Wohlverhaltensphase

  1. #1
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    Standard Zweite Ausbildung in der Wohlverhaltensphase

    Hallo,

    ich habe bereits eine Ausbildung als Verkäufer abgeschlossen, aber ohne Berufserfahrung. Aufgrund meiner Qualifikation werde ich nicht über die Pfändungsgrenze kommen.

    Nun strebe ich gleichzeitig die Privatinsolvenz an und einen Karrieresprung. Ich möchte gerne eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker anfangen, diese dauert 3,5 Jahre. Würde auch gerne die Privatinsolvenz auf 5 Jahre verkürzen. Somit bleiben mir 1,5 Jahre in denen ich das pfändbare Einkommen an die Gläubiger zahlen kann.

    Nun die Privatinsolvenz ist noch nicht beantragt, sondern ist derzeit nur ein Luftschloss von mir. So wie ich mich informiert habe, könnte es zu Problemen kommen und die Restschuldbefreiung versagt werden.

    Muss ich mich jetzt entscheiden für Ausbildung oder Privatinsolvenz?
    Im Falle einer Insolvenz werde ich wahrscheinlich nie einen Cent an die Gläubiger zahlen können, mit meiner derzeitigen Ausbildung.
    Wie sieht es im Einzelfall aus?

  2. #2
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    Du hast während der Insolvenz und Wohlverhaltensphase die Obliegenheit, dass du dich um einen Beruf bemühst, der deinem Ausbildungsstand, deinem Alter, deiner körperlichen Verfassung (Krankheit etc.) entspricht um Einkünfte zu erwirtschaften. Und wenn man als ausgebildeter Verkäufer etwas verdienen kann, was über der Pfändungsfreigrenze liegt, dann bist du auch angehalten dies zu tun.
    Einen Versagensantrag kann aber nur ein Gläubiger stellen.

    Wenn du dir ganz sicher bist, dass du grundsätzlich keine Masse aufgrund deiner aktuellen Berufserfahrung generierst (auch wenn du dich woanders bewerben würdest), dann wird voraussichtlich keiner etwas sagen, wenn du den Job wechselst um eine Ausbildung zu beginnen, die später eventuell doch etwas "abwirft". Aber einhundertprozentig kann dir das hier niemand sagen - denn wir können leider nicht in die Köpfe der Gläubiger schauen.

    Ich würde die Privatinsolvenz ansteuern und dann das Gespräch mit dem Insolvenzverwalter suchen - vielleicht lässt sich ja die Ausbildung beginnen und du führst aus deinem Unpfändbaren dann einen Betrag X ab.

    Die Insolvenz & Wohlverhaltensphase ist nicht dafür da, dass du langfristig im Beruf Erfolg hast, sondern dafür da um die Gläubiger bestmöglichst zu befriedigen um dir danach die Restschuldbefreiung zu erteilen.

  3. #3
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    Zitat Zitat von tidus82 Beitrag anzeigen
    Einen Versagensantrag kann aber nur ein Gläubiger stellen.
    Das Insolvenzgericht kann aber auch bei Verletzung der Erwerbsobliegenheit die Verfahrenskostenstundung aufheben (§ 4c Nr. 4 InsO). Das kann, sofern man dann nicht in der Lage ist, die Verfahrenskosten zu leisten, die Restschuldbefreiung verhindern. Hierzu braucht es keinen Gläubigerantrag.

  4. #4
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    Gibt es Unterhaltspflichten?

  5. #5
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    Zitat Zitat von Citral Beitrag anzeigen
    ich habe bereits eine Ausbildung als Verkäufer abgeschlossen, aber ohne Berufserfahrung. Aufgrund meiner Qualifikation werde ich nicht über die Pfändungsgrenze kommen.
    Ich denke, dass insbesondere von Bedeutung sein wird, dass auch die Gläubiger durch die Karriereplanung nicht benachteiligt sind bzw. einen wirtschaftlichen Vorteil haben. Bestehen denn Unterhaltspflichten, dass die Pfändungsgrenze tatsächlich so unerreichbar weit weg ist?

    Um das konkrete Risiko etwas besser abschätzen zu können, müsste man auch ein Auge auf die Gläubiger haben (gibt es persönlich emotional betroffene Gläubiger oder nur große Konzerne mit Masseninkasso). Je nach Region können Amtsgerichte und Insolvenzverwalter mehr oder weniger streng in der Auslegung der Erwerbsobliegenheit sein (müsste die Schuldnerberatung vor Ort eigentlich einschätzen können).

    Ich persönlich hätte ein auch etwas besseres Gefühl, wenn die Ausbildung bei Insolvenzeröffnung schon einige Zeit laufen würde.

  6. #6
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    ich bezweifle ganz stark dass man mit einer abgeschlossenen Ausbildung als Verkäufer kein pfändbares Einkommen erzielt. In Vollzeit.

    Ok, das sieht anders aus wenn es Unterhaltsberechtigte gibt, aber ansonsten spricht ja nichts gegen eine Vollzeitstelle und notfalls Zusatzqualifiktionen in diesen Bereich.

    Mir erscheint das alles ein wenig wie ein Luftschloss, Inso, bitte in fünf Jahren (wovon in Ausbildung ??) dazu Wunsch-Ausbildung und auf keinen Fall im erlernten Beruf arbeiten.
    Gibt es denn da schon Schritte in die Richtung?
    Ausbildungsstellen als Kfz-Mechatroniker sind heiss begehrt, könnte da realistisch überhaupt eine Ausbildungsstelle ergattert werden?

  7. #7
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    Hallo,

    also ihr habt wahrscheinlich recht, dass ich als Verkäufer auf Maximal 1.417,35 € kommen könnte und über die Pfändungsgrenze kommen würde (ledig, keine Kinder).
    Dies ist allerdings in optimalbedingungen wenn ich in den Discountern LIDL oder Aldi arbeiten kann (die übertariflich zahlen) und das in Vollzeit. Diese nehmen in der Regel allerdings Teilzeitkräfte.

    in einem anderem Geschäft mit einem geschätztem Einstiegsgehalt von ca 9,5€ die stunde bekäme ich ca 1.176,53 Netto bei raus und würde knapp diese Grenze überschreiten.

    Ich kann das Insolvenzrecht gut nachvollziehen, aber das kollidiert mit meinem persönlichen Interessen. Ich meine um ca 30 € im Monat abtreten zu können, kann ich 6 Jahre lang mich nicht weiter oder ausbilden lassen, dass finde ich unverhältnissmäßig. Ich würde auch diesen fiktiven Betrag den ich verdienen würde von meinem Pfändungsfreien Betrag bezahlen, um da die Ausbildung zu machen.

    Ich bin bald 28 Jahre alt und wenn ich jetzt 6 Jahre nix machen kann, um nochmal einen Sprung in irgendeine Richtung zu machen, dann wird es mit Mitte 30 fast unmöglich für mich einen Beruf mit Zukunftsperspektive zu finden. Wer weiß wie meine Familienlage dann noch ist... Also ich wäre erst dann mit 40 mit einer weiteren Ausbildung fertig.

    Und ja ich habe Chancen auf die Ausbildung zum Mechatroniker dank Vitamin B. Das Geld für die Prozesskosten könnte ich von meinen Eltern, Freundin leihen.

  8. #8
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    Zitat Zitat von Citral Beitrag anzeigen
    Ich kann das Insolvenzrecht gut nachvollziehen, aber das kollidiert mit meinem persönlichen Interessen.
    Niemand zwingt Dich eine Insolvenz anzumelden. Ganz im Gegenteil hätten wir alle natürlich das Interesse, dass Du deine Schulden bezahlst.

    Kann ja schließlich auch niemand was dafür, dass Du es mit 28 Jahren zwar zu einem (beträchtlichen) Schuldenberg aber keinerlei Berufserfahrung gebracht hast....

  9. #9
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    Unter den Umständen halte ich dein Vorhaben auch für zu risikoreich.

    Die Überlegungen finde ich allerdings nachvollziehbar und würde als Reihenfolge der Planung eher an einen Aufschub der Insolvenz denken. Die Schulden laufen ja nicht weg, die kann man auch noch nach der Ausbildung (ggf. sogar schon gegen Ende der Ausbildung) in die Insolvenz tragen. Wenn dann gutes Einkommen erzielt wird, haben sogar die Gläubiger was davon.

    Man braucht halt ein etwas dickeres Fell / Nervenkostüm im Umgang mit Gläubigerpost und muss mit Gerichtsvollzieher und Abgabe der Vermögensauskunft rechnen.

  10. #10
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    Naja, in 4-5 Jahren bist du ja voraussichtlich nicht mehr bei deinem Einstiegsgehalt. Und ob du nach deiner Ausbildung tatsächlich auch in dem Beruf einen Job findest und dann Masse generierst steht halt auch in den Sternen.
    Jedoch generierst du JETZT aktuell Masse - zukünftig mit der Ausbildung nicht mehr.
    Ich verstehe die persönlichen Interessen durchaus - vielleicht versteht das auch der IV bzw. Treuhänder - jedoch kann niemand garantieren, dass nicht vielleicht doch ein Versagensantrag gestellt wird.

    Vielleicht hilft das Gespräch mit dem IV tatsächlich und er gibt sich mit einem Betrag X aus dem Unpfändbaren zufrieden - 100% sicher ist das jedoch auch nicht.

    Olaf hat vorhin schon geschrieben, dass es eventuell auch Sinn machen könnte, wenn du die Ausbildung schon einige Zeit machst, und dann erst den Insolvenzantrag stellst?!?

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