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Thema: Einarbeitung in SchuBe / Standards?

  1. #1
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    Standard Einarbeitung in SchuBe / Standards?

    Liebe Kolleg/innen,

    ich bin jetzt seit einigen Monaten mit einem geringen Anteil meiner Arbeitszeit in der Schuldnerberatung tätig. Trotz einiger Fortbildungsblöcke (insgesamt 8 mit je 3 Tagen) habe ich das Gefühl, kaum die Bohne zu wissen. Ich finde das sehr belastend, da ratsuchende Klienten schließlich eine Fachkraft mit fundiertem Fachwissen erwarten können und man mit der Beratung auch eine Menge Verantwortung übernimmt. Mich würde daher interessieren, wie intensiv ihr euch vor euren ersten "Fällen" einarbeiten konntet, welche Begleitung ihr durch erfahrene Kolleg/innen erhalten habt und was ihr schätzt, mit wie vielen Wochenstunden man mindestens in der SchuBe tätig sein muss, um gute Arbeit leisten zu können.

    Danke und Gruß
    Dina

  2. #2
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    Standard Einführung in die praktische InsO Arbeit

    Guten Morgen Dina,

    es gibt leider wenig Material
    dass, als Arbeitshilfe geeignest ist.

    Aus Erfahrung kann ich empfehlen:

    1) Bindermann "Handbuch Verbraucherkonkurs" NOMOS-Verlag,

    2) Grote/Weinhold "Arbeitshilfe InsO (Ein Praxishandbuch für Beratung und Vertretung im Entschuldungsverfahren) herausgegeben von der Verbraucherzentrale NRW e.V. Düsseldorf.

    3) Auf der Site
    www.Verbraucherinsolvenzberater.de
    unter dem Link
    "so werde ich die verdammten Schulden los"
    habe ich versucht die Abwicklung eines Verbraucherinsolvenzverfahrens
    praxisnah darzustellen.

    4) Das Wichtigste und Beste aber ist, dass Du Kollegen anrufen kannst,
    die Dir auf Deine konkreten Fragen aus den eigenen Ergfahrungen weiterhelfen. Und das wird sicher jeder Kollege gerne tuen.

    Und schließlich gibt es ja das Forum.


    Mit besten Wünschen und Grüßen vom Niederrhein




    Viktor
    Geändert von Viktor (21.10.2004 um 12:55 Uhr)

  3. #3
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    Blinzeln

    Hallo Dina,

    ich habe vor beginn meiner Tätigkeit als Schuldnerberater 2 semesterbegleitende Praktika ( 1 Jahr, einen Tag in der Woche) in der Schuldnerberatung gemacht. Parallel diesen Schwerpunkt im Studium gewählt.
    Danach habe ich mit 20 Stunden auf einer neu geschaffen Stelle in dieser Beratungsstelle angefangen. Da ich keine laufenden Fälle übernehmen musste, hatte ich für die ersten Fälle auch sehr viel Zeit zur Bearbeitung. Häufig musste ich in der Anfangszeit den Klienten auch einen kurzfristig 2. Termin geben 2-3 Tage später, da ich den Fall erst mit meinen beiden Kollegen besprechen musste. Hierbei bin ich insbesondere meiner Kollegin dankbar, die sich in den ersten 3 Monaten jeden Morgen 1 Stunde für Fragen freigehalten hatte.

    Inzwischen arbeite ich Vollzeit und stoße auch jetzt immer wieder auf Fragen, die ich klären muß. Die meisten Klienten habe dafür Verständnis und wollen lieber eine kompetente Antwort als ein "Möglicherweise ...". Meine Kollegen, beide Volljuristen und seit über 10 Jahren in der Schuldnerberatung wissen auch nicht immer alles. Auch in ihren Beratungen müssen ab und zu Dinge nachgelesen oder im Team besprochen werden.

    Dein Anspruch an Dich selber sollte daher auch nicht zu hoch sein. Sage in der Beratung den Klienten, dass was Du sicher weißt und biete an die anderen Fragen zu klären. Dies kostet sicher Zeit. Hilfreich sind darüber hinaus Arbeitskreise die sich regelmäßig treffen um sich auszutauschen, insbesondere dann, wenn man als Berater "Einzelkämpfer" und kein Team zum Austausch hat.

    Regelmäßige Fortbildung sollten sowohl in der Anfangsphase wie auch im weitern Beraterleben zum Standart gehören.

    Um auf dem aktuellen Rechtsstand ist bei einer Teilzeitstelle der gleiche Zeitaufwand erforderlich wie bei einer Vollzeitstelle. Aufgrund der Komplexität Gebietes denke ich, dass es nicht sinnvoll ist unter eine 1/2 Stelle zu gehen.

    Grüße

    Dom

  4. #4
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    Standard

    Zitat Zitat von Dina
    Mich würde daher interessieren, wie intensiv ihr euch vor euren ersten "Fällen" einarbeiten konntet, welche Begleitung ihr durch erfahrene Kolleg/innen erhalten habt und was ihr schätzt, mit wie vielen Wochenstunden man mindestens in der SchuBe tätig sein muss, um gute Arbeit leisten zu können.
    Hallo Dina,

    vor über vier Jahren wurde bei uns die Stelle des SB ausgeschrieben. Die Beratungsstelle war 8 Monaten geschlossen, da der Kollege wegen Problemen mit dem Alkohol entlassen wurde.

    Ich kam fachlich aus einer ganz anderen Richtung (Ordnungs- und Verwaltungsrecht) und bin nur mit meinen eigenen Vorstelllungen in die Beratung gegangen. Dies habe ich meinen ersten Klienten auch erklärt. Eine "Vorbereitung" gab es da nicht sondern es ging sofort voll los. Die Leute haben aber verstanden, wenn ich Ihnen erklärt habe das ich bei einigen Schuldverhältnissen (z.B. Immodarlehen usw.) nicht helfen konnte.

    Da es eine ein-Mann Beratungsstelle ist konnte mich auch niemand einarbeiten. Eine Zusammenarbeit oder Unterstützung mit Kollegen der benachbarten Beratungsstellen gab es kaum. Da ich nicht aus der "sozial-pädagogischen" Ecke kam gab es da viel Vorbehalte.

    Da mein Arbeitgeber die Beratungsstelle überdurchnittlich gut ausgestattet hat (Technik, Literatur, Internet usw.) konnte ich mir viel Wissen aneignen.

    Meine erste Schulung war nach drei Monaten. Die drei Tage in Berlin haben erste Grundlagen vermittelt. Einen großen Schritt nach vorn hat mich die grundhafte Ausbildung in Frankfurt bei Claus Triebiger gebracht.

    Deine Frage wieviel Stunden man in der Beratung arbeiten müsste um gute Arbeit zu leisten lässt sich leider so nicht beantworten. Aus Sicht der Klienten müssten es mindestens 80 Stunden die Woche sein. Aus meiner Sicht sollten es schon 30 - 40 Stunden sein.

    Pettersson

  5. #5
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    Standard aus leidiger Erfahrung ...

    Ich hatte selbst die Ehre, die SchuBe von Null aufbauen zu dürfen (bin immer noch dabei).
    Zwischenzeitlich mußte ich von halb (1/2 Stelle) auf viertel reduzieren, und ich kann nur sagen: DAS REICHT NICHT!
    Sicher kann man auch mit weniger als halb sinnvoll arbeiten, aber das reicht streng genommen nur für Einzelfälle. Fachliche Unterstützung /Einarbeitung gabs in dem Sinne auch nicht,weil sich außer mir keiner bei uns mit Inso auskennt. Fehler passieren, in der Regel kriegt man das aber ausgebügelt.

    Fortbildung ist toll, und drei Tage (Wochenende?) ist besser als gestückelt. Viel mehr ist in diesem Fall aber viel besser. Meine Ausbildung bestand aus Wochenblöcken und da gabs Zeit satt um auch mal was zu wiederholen, mal Fachmenschen "von der anderen Seite" (Gerichtsvollzieher etc.) einzuladen und für Fallbeispiele. Ist nach meiner Einschätzung KEIN rausgeschmissenes Geld.
    Trotdem gibt es immer wieder Fragen, die ich ad hoc nicht befriedigend beantworten kann. Dafür sollte man sich also tunlichst Netzwerke aufbauen, aus denen man Infos beziehen kann, am besten natürlich für umsonst (z.B. befreundete RAe oder Versicherungsprofis)

    "Und schließlich gibt es ja das Forum."

    Viel Glück weiterhin.

  6. #6
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    Standard

    Hallo Dina,

    in den Anfängen des Fachgebietes 'Schuldnerberatung' wurde von den spezialisierten und integrierten Beratungsstellen gesprochen. Den integrierten Beratungsstellen war es wichtig, Schuldnerebratung als Teil der gesammten Arbeit zu verstehen. Diese Kollegen konnten aber nicht den gesamten Überblick über das Themenfeld der Schuldnerberatung haben. Das gilt insbesondere für heute. Wir haben haben jetzt das Insolvenzverfahren, das doch gute Spezialkenntnisse erfordert. Jeder, der sich Schuldnerberater nennt und dessen Beratungsstelle anerkannt ist, sollte dieses Instrument beherrschen.

    Was will ich sagen: Selbstverständlich kann Schuldnerberatung auch low level geschehen, d.h. auf Basis der wichtigsten Kenntnisse, die Dir sicher in Deiner Fortbildung vermittelt wurden. In vielen Bereichen(Betriebssozialarbeit, Berufsschulsozialarbeiter, allgemeine soziale Beratung ...) sollte jeder Sozialarbeiter Grundkenntnisse im Schulden-Recht/Haushaltsplanung haben.

    In Rahmen einer geringen Beschäftigung dürfen aber weder die Klienten noch Du erwarten, dass in der Beratung auch komplizierte Sachverhalte aufgearbeitet werden können. Eher auf die eigenen Grenzen aufmerksam machen und bei juristischen Fragen zum Anwalt schicken.

    Die andere Frage ist die der Methodik. Z.B. Gesprächsführung und Fallmanagement sind nicht spezifisch für Schuldnerberatung und doch hier auch sehr wesentlich. Sofern Du hier qualifiziert bist, hast du schon die Hälfte der notwendigen Qualifikation.

    Achte auf Deine Grenzen:
    Nichts ist so gemein wie eine schlechte Beratung .

    'Und schließlich gibt ja dieses Forum'

    Gruß.Nicolas

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