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Thema: Schuldenwitze

  1. #141
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    @Ingo

    Sorry, irgendwie verstehe ich den Witz nicht... Gibt es Rechtsprechung, die ich verpasst habe und die die 30jährige Verjährungsfrist mittlerweile aushebelt?

  2. #142
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    Zitat Zitat von Olaf K Beitrag anzeigen
    Gibt es Rechtsprechung, die ich verpasst habe und die die 30jährige Verjährungsfrist mittlerweile aushebelt?
    Es geht Ingo hier wohl um den Klassiker, dass Inkassos bei Verjährungseinreden (in Bezug auf Zinsen) einfach mal so mit dem Verbraucherdarlehensargument kommen um pauschal zu erklären, dass eine Verjährung (auch in Bezug auf die Zinsen) per se nicht in Betracht komme.

    Einen schönen "Praxiswitz" schenkte mir eine riesen Inkassobude aus Verl die (wie immer) auf eine taufrische Kleinforderung eine 1,3er RVG-Gebühr für das erste Inkassoanschreiben berechnete. Der Fall und meine Tageslaune gab es her, sie einfach mal dazu aufzufordern den Posten auf eine 0,5er Gebühr zu korrigieren - mit einigen höflichen Erklärungen zum Verhältnis von Aufwand und Berechnungsgrundlage dieser Gebühren. Außerdem forderte ich sie auf zwei weitere "Fantasie"posten zu streichen. Deren Antwort verblüffte mich erheblich - ich zitiere:

    "Eine 1,3er RVG Gebühr ist hier gerechtfertigt weil der Gläubiger nämlich in aller Regel nicht weiß warum der Schuldner nicht zahlt. Insbesondere muss ein Gläubiger nicht davon ausgehen, dass mit einem einfachen Schreiben die Sache erledigt ist. Er muss vielmehr davon ausgehen, dass der Schuldner Einwendungen erheben wird und dass weitere Korrespondenz zu führen ist."

    Der Brüller oder? Der Inbegriff der selbst erfüllenden Prophezeiung. Nach dem Motto "Wir schreiben so viel Gedönse in unsere Aufstellungen - da ist doch zu erwarten, dass der Schuldner Einwendungen erhebt! Von daher ist natürlich mit Mehraufwand zu rechnen weswegen eine 1,3er Gebühr selbstverständlich klar geht!"

    Der Schuldner hat dann dennoch die Hauptforderung und eine 0,5er Gebühr zweckgebunden gezahlt und den Rest bestritten. Den Versuch und die lustige Antwort waren mir den Aufwand wert...
    Geändert von Caffery (27.03.2018 um 13:24 Uhr)

  3. #143
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    Hi,
    Zitat Zitat von Caffery Beitrag anzeigen
    Es geht Ingo hier wohl um den Klassiker, dass Inkassos bei Verjährungseinreden (in Bezug auf Zinsen) einfach mal so mit dem Verbraucherdarlehensargument kommen um pauschal zu erklären, dass eine Verjährung (auch in Bezug auf die Zinsen) per se nicht in Betracht komme.
    gut erkannt. Weil die Verjährung von Verbaucherdarlehn 10 Jahre gehemmt ist, argumentiert das Inkasso, dass deswegen auch 20 Jahre alte nicht titulierte Zinsen trotz Verjährungseinrede geltend gemacht werden könnten.

    Zitat Zitat von Caffery Beitrag anzeigen
    "Eine 1,3er RVG Gebühr ist hier gerechtfertigt weil der Gläubiger nämlich in aller Regel nicht weiß warum der Schuldner nicht zahlt. Insbesondere muss ein Gläubiger nicht davon ausgehen, dass mit einem einfachen Schreiben die Sache erledigt ist. Er muss vielmehr davon ausgehen, dass der Schuldner Einwendungen erheben wird und dass weitere Korrespondenz zu führen ist."

    Der Brüller oder?
    Aber sicher. Man schickt ein einfaches Schreiben und verlangt eine Gebühr für noch gar nicht angefallene Tätigkeiten.

    Gruß
    Ingo

  4. #144
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    Zitat Zitat von Ingo Beitrag anzeigen
    Aber sicher. Man schickt ein einfaches Schreiben und verlangt eine Gebühr für noch gar nicht angefallene Tätigkeiten.
    Das wirklich magische an der Gebühr ist ja sogar, dass sie sich aus sich selbst heraus erklärt. Man erhebt eine deutlich zu hohe Gebühr weil zu erwarten ist, dass der Schuldner Einwände gegen die zu hohe Gebühr erheben wird - was die hohe Gebühr rechtfertigt. Einfach herrlich!

  5. #145
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    Zitat Zitat von Ingo Beitrag anzeigen
    gut erkannt. Weil die Verjährung von Verbaucherdarlehn 10 Jahre gehemmt ist, argumentiert das Inkasso, dass deswegen auch 20 Jahre alte nicht titulierte Zinsen trotz Verjährungseinrede geltend gemacht werden könnten.
    Ich muss da jetzt nochmal - analog zu dem Praktiker-Thread von Olaf - einen mehr oder weniger (eher weniger) fachlichen Kommentar zu abgeben.

    Die verdrießliche (und juristisch erschreckend einleuchtende) Einschätzung der Fachleute dort hat mich doch etwas missgestimmt, weswegen ich jetzt ein wenig *mimimi* machen will Zunächst einmal: Ich habe das so wirklich nicht gewusst - und das nicht nur aus dem Grund weil ich es nicht wissen wollte. Sogar erinnere ich mich deutlich an lebhafte Fortbildungs-Diskussionen über die Frage ob für Verzugszinsen von geküdigten Verbraucherdarlehen überhaupt die 10 Jahre Hemmung gelten - und nicht nur für die Zinsen aus dem betreffenden Darlehen, was allen Anwesenden zwar logisch erschien aber dennoch eher als "nicht vorherrschende Auffassung - aber kann man mal versuchen" galt.

    Von der 30-Jahres Nummer in Bezug auf titulierte Zinsen habe ich noch nie gehört - und werde es wohl auch in Zukunft derart ignorant halten wie Klaus es im Praktiker Forum äußerte.

    Wenn ich nicht völlig daneben liege, dann ist doch die Begründung für die 10 Jahre Hemmung frei formuliert etwa diese: Ein Darlehensvertrag hat nicht selten eine längere Laufzeit als die Regelverjährung von drei Jahren, weswegen eine rechtliche Grundlage geschaffen werden musste um zu verhindern, dass Zinsen verjähren können bevor sie in einem längerfristigen Darlehen überhaupt getilgt werden würden. Das kann ich ja auch nachvollziehen.

    Aber aus dieser Überlegung heraus (die bei Dispokrediten, Kurzkrediten oder Kreditkarten ohnehin schon fragwürdig ist) eine 30 Jahre Verjährung auf laufende titulierte Darlehens-Verzugs(?)-Zinsen durch einen Nebensatz ins Gesetz zu zimmern ist ja schon irgendwie schwer logisch zu erklären.

    Obwohl ich den § 497 Abs. 3 Satz 4 natürlich schon vorher kannte, habe ich den immer auf die Zinsen aus dem Darlehensvertrag bezogen und nicht auf die Verzugzinsen nach Kündigung - weil alles andere in meinen Augen auch der oben genannten Erklärung eingedenk aus meiner Sicht überhaupt keinen Sinn macht.

    Ich bin da jetzt einfach mal zickig und werde diese Auffassung einfach mal ignoranter Weise weiter vertreten...*püh*
    ... zumal diese (ganz offenbar nicht ganz astreine Rechtsauffassung) bislang auch schon ein paar mal Erfolg hatte. Der Einrede-Textbaustein den ich dazu mal vor ein paar Jahren gezimmert habe, hatte nämlich schon das ein oder andere mal Erfolg und Inkassos strichen daraufhin durchaus auch vereinzelt mal wesentliche Zinsen von titulierten Uraltdarlehensforderungen. Aus dem Grunde war ich mir auch spontan sicher, Ingos Ironie verstanden zu haben.
    Geändert von Caffery (06.04.2018 um 21:49 Uhr)

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