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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Hat der Gläubiger hier Pech gehabt ?????



Pettersson
20.09.2005, 06:46
Hallo....,

Das Verfahren (IK) einer Klientin wurde Nov./2003 eröffnet. Schulden ca. 20.000,- € bei 8 Gläubigern. Der Treuhänder hat anfangs alle Forderungen in die Tabelle aufgenommen. Da etwas Masse da war wurde der Abtretungsläubiger Bank A bedient. Kurz vor dem Schlusstermin änderte der Treuhänder die Tabelle und bestritt die Forderung der Bank A (18.000,- €).

Der Schlusstermin war im Juli/2005. Die Bank A hat keine Einwände gegen das Schlussverzeichnis eingelegt. Es lässt sich jedoch nicht genau nachvollziehen ob der Treuhänder die Bank A über die Änderung der Tabelle informiert hat.

Auf die Veröffentlichung zur Schlussverteilung hat die Bank A ebenfalls nicht reagiert. dort wurde bekanntgegeben, das Insolvenzforderungen in Höhe von 1.200,- € vorliegen und 1.000,- € zur Verteilung zur Verfügung stehen.

Zwischenzeitlich sind alle Einspruchsfristen abgelaufen. Das Gericht müsste eigentlich Restschuldbefreiung ankündigen und wenn die Schuldnerin den Restbetrag noch zahlt eigentlich RSB erklären und das Verfahren beenden.

Das Gericht hat jetzt Bauchschmerzen da nicht nachvollziebar ist warum der Treuhänder die Forderung der Bank A bestritten hat und jetzt eine Klage des Gläubiger fürchtet.

Wir stehen auf dem Standpunkt, dass der Gläubiger hier Pflichten zur Überwachung des Verfahrens hatte. Wenn veröffentlicht wird das nur 1.200,- € Insolvenzforderungen bestehen und meine 18.000,- € nicht mehr erwähnt werden dann muss ich mich doch regen. Wie oben bereits gesagt sind alle Fristen abgelaufen und damit hat der Gläubiger Pech gehabt und das Gericht muss die RSB ankündigen.


Wie seht Ihr das?



Pettersson

Kerstin
20.09.2005, 11:56
Hallo,

ich sehe es tatsächlich so, dass Deine Klietin aus der Sache raus ist. Die Tabelle stellt die Forderungen mit Höhe gegen Deine Klientin fest.

Aber die Bank hat möglicherweise einen Schadenersatzanspruch gegen Treuhänder. Was hat der den zu seinen Entscheidungsgründen zu sagen?

Gruß Kerstin

Pettersson
20.09.2005, 12:26
Der TH wurde für nächste Woche zu Gericht bestellt. wir werden sehen was er dort von sich gibt.



Pettersson

Claus Triebiger
21.09.2005, 14:44
Hallo,

sehe das auch so, Deine Klientin ist fein raus, der Treuhänder wird sich wahrscheinlich mit Schadensersatzansprüchen konfrontiert sehen.

Gruß
Claus

orlando
22.09.2005, 20:44
Hallo Pettersson,

sorry, wenn ich nun ein wenig pedantisch werde:
die forderungen werden zunächst in die tabelle eingetragen, dies sagt noch nichts über die berechtigung der forderungen aus. Im prüfungstermin werden die forderungen geprüft - oder treffender: protokolliert, ob ein widerspruch gegen die forderungsfeststellung erhoben wurde oder nicht (in letzterem fall wäre die betr. forderung "festgestellt"). Ein nachträgliches "ändern" der tabelle ist grds. nicht möglich (außer im falle einer tabellenberichtigung infolge falschberurkundung). Ich gehe einmal davon aus, dass die forderung vom verwalter bestritten wurde - vermutlich in einem nachträglichen prüfungstermin ... (der allerdings vor dem schlußtermin gelegen haben dürfte .... - sonst hätte das gericht ein prob)

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der verwalter bestreitet dann die forderung, wenn er sie für unberechtigt hält. Ist die forderung an sich berechtigt, hält der gläubiger aber noch eine sicherheit und verzichtet er nicht auf diese (hier in gestalt der zession), wird normalerweise die forderung unter ausfallbeschränkung anerkannt (hierzu noch sogleich).

Eine vom treuhänder bestrittene oder nur unter ausfallbeschränkung anerkannte forderung ist nicht in das schlußverzeichnis aufzunehmen; diese forderungen würden auch nicht an einer verteilung teilnehmen.
Der gläubiger hat einzig noch die möglichkeit, dem verwalter in der frist des § 189 bzw. § 190 zu reagieren und ggfls. die änderung des schlußverzeichnisses zu erzwingen. Versäumt er dies, ist er draußen !

Vorliegend wurde eine zession gezogen, diese war - 2 jahre ab eröffnung (§ 114 InsO n.F !) zu beachten, mithin bis einschließlich 31.3.2005.
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so: nun kurz zum thema:

bin auch der auffassung, dass vorbehaltlich der begleichung der restsumme (Kosten sowie die gläubigerforderungen laut schlußverzeichnis) die RSB direkt zu erteilen ist.
Die gerichtlichen bauchschmerzen kann ich da nicht nachvollziehen; einen anspruch gegen den treuhänder kann ich auch nicht entdecken, da der gläubiger ja seine rechte (wie oben dargestellt) hätte wahrnehmen können.


mfg
orlando (dermalwiederzurausführlichkeitneigte)