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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ehefrau in der Baufinanzierung



Angrosch
19.08.2005, 10:38
Moin!
Mal eine fachliche Herausforderung:

Meine Klientin, Baujahr 1943, kam mit Betreuer und zwei offenen Forderungen (insg. 64.000 €) zu mir. Soweit alles klar, denn die Gläubiger waren verhandlungsbereit. Es gibt eine Vereinbarung, die aber noch nicht zur Durchführung kam.
Jetzt tauchte eine "neue" Forderung auf, 1500,- € Teilbetrag sollen gezahlt werden.
Antwort auf mein Anschreiben:
Es geht um ein Baudarlehen über 128.000 €, fällig geworden 1988.
Sie hat (dummerweise) ihrem Ehemann eine notariell beglaubigte Vollmacht unterschrieben und er hat sie damit für seine Firma in die gesamtschuldnerische Haftung genommen.
Den Ehemann gibts nicht mehr (erst abgesetzt, inzwischen wohl verstorben).
Sie hat nie im Leben einen Job ausgeübt, der so ein Darlehen bezahlbar gemacht hätte usw.
Nach meiner Auffassung ist die Sache Sittnwidrig bzw. ihr Mann hat sie kräftig über den Tisch gezogen.

Frage: Sind notarielle Urkunden angreifbar? Wie geht man da vor?

Einen langen und schmutzigen Rechtsstreit wird sie psychisch nicht verkraften (in Betreuung).

Stehe gerne Rede und Antwort und bin für Hinweise immer dankbar.

mfg aus Oldenburg

Nicolas
19.08.2005, 12:15
Ich 'glaube' es kommt hierbei nicht auf die notarielle Urkunde an, sondern darauf ob die Bank die Bonität der Bürgin/Mitdarlehensnehmerin geprüft hat. D.h. das ich sittenwidrigkeit schon prüfen würde.

Die ganze Geschichte mit einem Prozeß wäre m.E. kein Problem, da dies ja ganz allein auf dem Tisch des Betreuers liegen sollte und nicht auf ihrem. Er bräuchte sie damit überhaupt nicht belasten.

Das mit der Bonität scheint mir aber doch eine Frage. Sie scheint jetzt ja in der Lage zus ein, den Gläubigern ein Angebot gemacht zu haben, zur Tilgung von 64.000 €. Das macht man zumindest mit Grundsicherung nicht so einfach.
Wie sah denn das Einkommen zum Zeitpunkt der Vertragsschließung aus?

Gruß.Nicolas

Heiko
22.08.2005, 09:08
hallo,

es mag auch noch zu prüfen sein, ob das eigentum auf beide eheleute ging, oder nur auf den mann etc.

gruß

heiko

MdC
22.08.2005, 13:52
Hallo,
Ergänzung noch zu Nicolas:

Normalerweise kann der Betreuer die Sache regeln. Aber nur, wenn er auch genau diesen Aufgabenkreis innehat (üblicherweise mit "Rechts-Antrags- und Behördenangel.") im Beschluss benannt. Sofern der Betreuer nur Gesundheitsfürsorge oder so etwas macht, dann kann er natürlich (noch) nichts ausrichten. Sofern Gefahr für die Gesundheit im Falle eines Prozesses besteht, so beantragt der Betreuer in diesem Fall einfach die Erweiterung seines Aufgabenkreises beim Vormundschaftsgericht. Aber das sollte der Betreuer auch wissen.

Gruss aus Nds,
mdc

Angrosch
23.08.2005, 08:24
Die beiden ersten Gläubger gaben sich mit dem pfändbaren Anteil ihrer (Witwen-)Rente zufrieden (~170 €). Der Betreuer hat soweit alle nötigen Vollmachten.
Sie war mal Verwaltungsangestellte o.ä. mit einem entsprechend niedrige Einkommen. (Was kriegt denn eure Schreibkraft ;-) )

Meine Ideen bisher:
1.
Díe Forderung war in der Schufa nicht (mehr?) aufgeführt. Ein mir vom Gläubiger zugestelltes Anschreiben an die Eheleute stammt aus 1988. EIne Forderungsübersicht habe ich nicht bekommen, da man "kulanterweise auf die weitere Berechnung von Kosten und Zinsen verzichtet".
Mir stellt sich damit z.B. die Frage der Verwirkung.

2. Die Frage nach der Bonitätsprüfung greife ich gerne auf und werde sie schmerzarm an den Gläubiger (mit dem Hinweis auf den Verdacht der Sittenwidrigkeit) weiterleiten.

Heiko: Wer der Nutznießer der Finanzierung war, geht aus den Unterlagen nicht hervor und ist ihr selber auch nicht mehr bekannt. Ich könnte böses vermuten, aber belegen kann ich es nicht. Ihr Mann war Bauunternehmer und wird in den Unterlagen auch so aufgeführt. Vermutlich ging das Darlehen in die Firma. (die gibts natürlich nicht mehr).

mfg aus Oldenburg

orlando
06.09.2005, 23:59
hm, wie wäre es - ganz simpel - mit einem inso-verfahren; nach 5 jarhen ist schluss und gut ..... (solange es noch kostenstundung gibt ...=
außnahmsweise mal unjurisitsch

mfg
orlando

Nicolas
07.09.2005, 21:07
ausnahmsweise mal korrigierend:
Deine '5 jarhen' müssen wohl '6 Jahren' sein, oder Du hast die Altfall-Regelung wieder eingeführt.:-)
Aber Du warst wahrscheinlich eher schon etwas müde, so spät am Abend.
Gruß.Nicolas

orlando
12.09.2005, 21:41
Hallo Nicolas,
:D klar, Du hast völlig recht, das war ein lapsus; vielen Dank für die Richtigstellung.

PS: sorry, für die wenig freundlich an Dich formulierte Antwort von neulich, sie war selbstverständlich nicht unhöflich gemeint, aber sie ist es leider. Hoffe, das bei Gelegenheit durch einen helfenden Beitrag wieder gut zu machen.

grüsse
orlando

Nicolas
14.09.2005, 21:23
Ich habe keine unfreundliche Antwort gelesen:confused:, zumindest nichts, was mich irgendwie beunruhigt hätte.
Gruß.Nicolas

orlando
15.09.2005, 21:16
Hallo Nicolas;
ich meinte meine antwort auf " Dispo-Bank behält Auslöse ein", hab vergessen, es dazu zu schreiben :D.
mfg
orlando