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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Immobilie in der Insolvenz



Angrosch
14.04.2005, 14:29
Zur Person:
Klient ist verheiratet, 7 Kinder, pfändbares Einkommen (ca. 264 € werden über Abtretung abgezogen).
Das Ehepaar hat 1994 ein Haus gebaut, beide haben den Kreditvertrag bei der Bank unterschrieben, aber nur sie ist als Eigentümerin im Grundbuch eingetragen. Die Hausbank ist ebenfall der einzige Verwertungsberechtigte Gläubiger.

Es bestehen noch weitere, nicht bezahlbare Schulden (ca. 65.000 ohne die Hausbank), deswegen ist Insolvenz bei uns ein Thema. Abgesehen von einem weiteren Gläubger hat sie nichts sonst unterschieben, stünde bei einem Verfahren also ziemlich abseits des Geschehens.

Jetzt die Frage:
Ist es möglich, die Immobilie in der Insolvenz zu erhalten?

Nur eine Bank ist verwertungsberechtigt und diese kann (theoretisch) von der Ehefrau aus dem Familieneinkommen bedient werden. Abgesehen davon ist es nicht sein Haus, wäre also auch nicht durch einen Treuhänder zu verwerten (hoffe ich).
Lassen sich Banken auf so was ein?
Was gäbe es zu beachten?
Hat jemand Ideen dazu?

mfg
Kai

MdC
15.04.2005, 11:06
Wenn ich es richtig verstanden habe soll nur der Mann in die Insolvenz.

Selbstverständlich kommt der TH nicht an das Haus, da er kein Eigentümer ist.

Daher kommt nur die Konstellation in Frage, dass die Bank den Kredit kündigt ( da der Mann mit der pers. Haftung rausfällt und Begründung auf die fehlende Sicherheit abgestellt werden kann; sollte das tatsächlich geschehen kann ich Dir mal nen AUszug von Reifners Kommentar zukommen lassen - oder besser gleich ein paar Euro investieren und beim IFF in Hamburg beraten lassen).

Die Rechtsprechung zur möglichen Kreditkündigung ist m.W. (Reifner, Handbuch Kreditrecht) unterschiedlich.

Ich hatte diese Fälle allerdings schon in der Praxis. Mit ein wenig Geschick lässt die Bank bereits im Vorfeld erkennen, dass der Kredit nur mit einer Person fortgesetzt wird. Denn wenn Kredit gekündigt ist bleibt (i.d.R.!) nur die ZV - mit ziemlich miserablen Aussichten für die Bank.
Und der Schuldner hat dann noch einige taktische Möglichkeiten mit der ZV umzugehen.

Weitere Möglichkeit wär bspw. die Umschuldung und Ablösung des Kredits bei der Hausbank. Sofern das Haus bereits mehr Wert hat als die Restforderung könnte so was auch klappen.

Soweit die ersten Gedanken dazu,

Gruss

mdc

Angrosch
15.04.2005, 12:18
Soweit richtig verstanden. Die Frau hat zwar ebenfalls Schulden, wir hoffen aber, dies anderweitig in den Griff zu kriegen.
Umschuldung ist leider nicht drin. Dies wurde in der Vergangenheit von ihm schon mit anderen Banken probiert und ist gescheitert. Neben einigen "Kleinigkeiten" machen Kredite den Löwenanteil der Verschuldung aus.

Iris
17.04.2005, 16:39
Hallo , ich frage mich, wie es bei 7 Kindern zu einem pfändbaren Einkommen kommt? Da müsste der Schuldner ein Nettoeinkommen von über 3.000 Euro haben!?
Gruß Iris

Angrosch
18.04.2005, 08:15
Ganz kurz:
Nur 5 Unterhaltsverpflichtungen werden berücksichtigt, und da gehts "schon" bei 2070,- € los.
Wir haben noch keine Änderung des unpfändbaren Betrages versucht, da uns im Moment die Abtretung lieber ist als eine Pfändung. Der Abtretungsgläubiger hätte ohnehin Anrecht auf das Geld für einen laufenden Vertrag.
Großer Teil des Einkommens geht für Tilgungen drauf, sonst wäre es auch nicht so dramatisch.

Angrosch
22.04.2005, 08:02
Vorgespräch mit der Finanzierungsbank war wenig erfolgreich.
"Die Eröffnung einer Insolvenz ist auf jeden Fall ein Kündigungsgrund und führt zur Fälligstellung der Darlehenssumme." Damit kann auch seine Frau das Darlehen nicht weiterführen.
Klient hat lt. Bank die Wahl zwischen Verkauf und (Zwangs)versteigerung...

Heiko
22.04.2005, 08:24
Hallo,

ich habe es jetzt schon mehrfach erlebt, dass die bank (immobilienfinanzierende) sich damit einverstanden erklärt hat, dass das haus nicht verwertet wurde und der kreditvertrag bestehen blieb.

bei einer konkreten anfrage, ob die bank nicht lieber vorher eine umschreibung des darlehenantrag nur auf sie vornehmen würde, (er ggf.als bürge) haben sie dieses abgelehnt, weil es eh auf das gleiche rauskommt.

in einem anderen fall, hat die commerzbank ihr heil in er kündigung des darlehenvertrages gesucht. damit steht sie jetzt selber ziemlich belämmert da, weil sie jetzt vor erheblichen verlusten nicht geschützt ist. möglicherweise werden nun freunde (gut betucht) der familie das haus günstig ersteigern und an die eheleute zurück vermieten. wenn die restschuldbefreiung durch ist, kann wieder zu günstigeren konditionen zurückgekauft werden. .....

meine vorgehensweise in diesem fall,

kontakt mit der bank aufnehmen, diese davon überzeugen, welchen verlust sie bei einer zwangsverwertung machen würden und es im sinne aller wäre, die angelegenheiten wie gehabt weiter zu führen.

MdC
22.04.2005, 17:53
würde ich genau wie Heiko sehen. Vorab vielleicht noch einmal Reifner beim iff
kontaktieren.

Und dann noch einmal Gespräch mit der Bank, folgende Zielsetzung:

Kredit nur mit 1 Person fortsetzen.

Argumentation: Sofern die eine Person nicht weiter zahlen kann, dann kann Bank ja noch immer ZV beantragen - und hat bis dahin noch ein paar Euro mehr in der Tasche.
Für den Fall dass Bank keinen guten Willen zeigt würde ich die Bank anschreiben und mitteilen, dass Klient Verkauf nicht nahegelegt wird und es auf die ZV drauf ankommen lässt. Und es gibt einige Möglichkeiten die Bank bezüglich der ZV zu verunsichern...(im Schreiben vielleicht so formulieren, dass in diesem Fall alle Rechtsmittel und Möglicheiten ausgeschöpft werden o.ä.)

Und wenn es dann nach nem Jahr doch zur ZV kommt überlegen ob ggf. interessierter Dritter das Haus ersteigern kann und der Familie wieder...
Wenn es soweit tatsächlich kommt melde dich mal, Tel. ist ja bekannt.

Gruss aus Nds,
mdc