PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Grüße aus der Schweiz



Angrosch
29.03.2005, 09:47
Moin!
Mein Klient hat über einen Vermittler einen Kredit der Schweizer "Invertina Finanz AG" bekommen. Dieser ist nun geplatzt und natürlich gibt es ein Inkasso, in diesem Fall aus LI (Liechtenstein?) - Vaduz.
Kontopfändung läuft bereits und topediert andere Verbindlichkeiten.
Verhandlungsbereitschaft erscheint eingeschränkt.
Der Zahlungsverzug kam zustande, weil Klient "netterweise" für einen Freund den Kredit unterschrieben hat und der nun nicht mehr zahlt. (Er kommt an seinen Hintern nicht ran, sonst hätte er selbst schon reingebissen).

Im VB steht u.a.

1) Anspruch aus Vertrag ... für den das VerbrKrG / die §§491-504 BGB gelten;
effektiver/anfänglich eff. Jahreszins 13,130 %
2) Schadenersatz ... gem. Verzugsszinsen

Nebenforderung Inkassokosten (!)

Zinsen:
zu 1) 14 %
zu 2) 4 %

Haben wir eine Chance, die Sache (vor allem die Zinsen) anzufechten?
Im Zweifel Insolvenz, aber wir haben in diesem Fall ein hohes pfändbares Einkommen, mit dem in der InsO vielleicht sogar eine Komplettbefriedigung hinbekommen. Und der Aufwand wegen *einem* Gläubiger scheint dann doch übertrieben.

Für Anregungen immer dankbar.
Kai

Klaus
29.03.2005, 20:59
Wenn die Einspruchsfrist gegen den VB vorbei ist, wird's schwierig: eine Vollstreckungsgegenklage dürfte nur mit anwaltlicher Hilfe hinzukriegen sein.
Die Prüfung und Bestreitung der Inkassoberechtigung für dieses Unternehmens, in Deutschland tätig zu werden, wäre ein Ansatzpunkt für eine Gegenwehr. Mit diesem Argumnet könnte vielleicht eine außergerichtliche Vergleichsbereitschaft gefördert werden. Aber wenn (durch wenn eigentlich eingeleitet ? Es wird einen Anwalt in Deutschland geben, der die Vollstreckung macht !) eine Kontopfändung ausgebracht haben, ist die wahrscheinlichkeit für einen fairen außergerichtlichen Abschluss nicht so hoch. Ich würde dem Klienten raten, ein neues Konto bei einer anderen bank aufzumachen. Und danach dann verhandeln.
Auf der rein rechtlichen Schiene sehe ansonsten viel Arbeit, aber wenig Hoffnung.

Christian Maltry
30.03.2005, 07:46
Moin!
Mein Klient hat über einen Vermittler einen Kredit der Schweizer "Invertina Finanz AG" bekommen. Kai


Hallo,


bei unseren Freunden aus St. Gallen lohnt sich das Nachrechnen durchaus

1) Prüfung auf Sittenwidrigkeit - insbesondere auch unter Berücksichtigung von im Vertrag nicht angegebenen Vermittlerkosten und/oder Versicherungen als verdeckte Provisionen

2) falls es nicht für die Sittenwidrigkeit langt (richtige Formulierung wäre wohl: falls siwi nicht nachweisbar), langt es vielleicht für § 688 Abs.2 Nr. 1 ZPO. Dann könnte man den Titel kippen und die Zinsen und Kosten auf Normal reduzieren.


cam

Angrosch
30.03.2005, 15:11
Hallo,


1) Prüfung auf Sittenwidrigkeit - insbesondere auch unter Berücksichtigung von im Vertrag nicht angegebenen Vermittlerkosten und/oder Versicherungen als verdeckte Provisionen

2) falls es nicht für die Sittenwidrigkeit langt (richtige Formulierung wäre wohl: falls siwi nicht nachweisbar), langt es vielleicht für § 688 Abs.2 Nr. 1 ZPO. Dann könnte man den Titel kippen und die Zinsen und Kosten auf Normal reduzieren.
cam

Vermittlerkosten waren leider transparent mit eigener Rechnung und der Kredit kam ja auch zu Auszahlung.
Bei Vertragsabschluß (01.2004) galt ein BZS von 1,14%, ergo greift 688 ZPO erst bei 13,14% womit die Schweizer im Vertragstext exact 0,1% unterm Limit geblieben sind.
Gilt der 688 auch für die mit dem Titel begründeten Zinsen? Die liegen mit 14% ja klar drüber ...

mfg
Kai

resa
31.03.2005, 14:25
Vermittlerkosten waren leider transparent mit eigener Rechnung und der Kredit kam ja auch zu Auszahlung.
Bei Vertragsabschluß (01.2004) galt ein BZS von 1,14%, ergo greift 688 ZPO erst bei 13,14% womit die Schweizer im Vertragstext exact 0,1% unterm Limit geblieben sind.
Gilt der 688 auch für die mit dem Titel begründeten Zinsen? Die liegen mit 14% ja klar drüber

Nach § 6 Abs. 3 der Verordnung zur Regelung der Preisangaben sind die Vermittlerkosten in die Berechnung des eff. Jahreszinses einzubeziehen, Transparenz und eigene Rechnung hin oder her. Falls dies nicht geschehen ist dürfte das Ergebnis anders ausfallen....

Der 688 ZPO bezieht sich nicht auf den Verzugsschaden.

Grüße, resa