PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Schuldnerberatungsthreat



postman
22.11.2004, 21:24
Hallo mal an alle hier,

habe grad auf ein Posting antworten wollen und war dann plötzlich bei diesem Thema, was hier schon oft aber nie sehr objektiv angefasst worden ist, wie ich meine (genauso wie die Umfrage zu dem Thema, die wie ich finde, völlig falsche Fragen gestellt hat. Ich jedenfalls wußte nicht, was ich da ankreuzen sollte).

Auch ärgert mich immer wieder, dass sofort das Wort GESCHÄFTE mit der Armut auftaucht, dass ich hier erstmal besser weglasse.

--------------------------------------------------------------------------
Deshalb will ich DAS THEMA mal hier VORSICHTIG reinstellen
--------------------------------------------------------------------------

Zuerst zu den fachkundigen Anwälten bzw. Fachanwälten für Insolvenzrecht:
hier ist mir klargeworden, daß diese die Fälle,

----und wenn ich hier von "Fällen" rede, meine ich von der Erstberatung bis zum Abschluß des gerichtlichen Verfahrens (damit wir mal von der gleichen Sache reden)-----------------------------------------------------------

die bei mittlerem Aufwand weniger als € 1.500.- bringen.
in ihrem Büro NICHT kostendeckend sorgfältig abwickeln können
Deshalb ist das Interesse dieser Kaste am ARMEN Schuldner begreiflicherweise gering, denn sonst könnten sie bald Ihre Bude zusperren und selbst in die Insolvenz fallen, und ich weiß wovon ich spreche.
--------------------------------------------------------------------------

ÜBRIGENS:
Für einen Insolvenzverwalter/Treuhänder sind diese Verfahren eher ein MUSS,
den man LEIDER auch zu erledigen hat, und das sind die meisten Fälle.
Am armen Schuldner verdienen dies auch kein Geld, wenn nicht fließbandmäßig abgefertigt wird !!
--------------------------------------------------------------------------

Dies ist auch der Grund, daß sich diese Beratung bei Schuldnerberatungsstellen abspielt - die kosten den Schuldner wenig bis garnix --
aber,
und das ist sehr wichtig und wird hier vergessen:

das bezahlt der STAAT und damit ich und Du, also der Steuerzahler !!!

Deshalb ist die Frage oft falsch gestellt, wenn man diskutiert, denn Geld kostet es allemal.

Nach einer mir bekannten Schätzung der staatlichen Zuschusse an Caritas und Co kostet jeder Isolvenzfall

--------bei der "kostenlosen" Schuldnerberatung € 3.000.- !!!!!!!!!---------

Dann gibt es noch einige sog. seriöse "anerkannte Stellen", für die keine staatlichen Subventionen mehr übrig sind, weil die Caritas und Diakonie den fetten Kuchenanteil der staatlichen Hilfen durch Ihre Monopolstellug besetzt haben.
Diese Stellen mühen sich ab, das Ganze für den Schuldner zu einem Minipreis abzuwickeln, die Beratungsqualität ist zumeist recht gut.
Finanziell krebsen die aber am Rand des Existenzminimums, wenn sie keine Sponsoren finden.

Soweit dies mal als Ansatz fur eine ernste Diskussion.

postman

P.S.: die Abzocker hab ich mal hier rausgelassen, damit das hier nicht wieder ein wüstes Durcheinander gibt - die können wir ja in einem anderen Posting behandeln

spartacus
22.11.2004, 22:52
... und das ist sehr wichtig und wird hier vergessen: das bezahlt der STAAT und damit ich und Du, also der Steuerzahler !!! ...

Ja und ? Das ist Teil der "Sozialstaatsaufgaben" ! Aus diesem und anderen Gründen zahlt man ja schließlich Steuern.

arnie
22.11.2004, 23:07
Genau!
genauso wie die Billigflüge und anschließenden Fahrdienstleistungen für Politiker, die einfach mal so als Lufthansaflug für ein vielfaches abgerechnet werden. Oder Übergangsgelder in enormen Höhen, obwohl der Übergang von einem gut bezahlten Sessel in den nächsten noch besser bezahlten Sessel stattgefunden hat, etc. Alles aufzuführen, würde den Rahmen sprengen.
Der moralische und sittliche Verfall ist doch schon seit ewigen Zeiten dem Bürger vorgemacht worden, der bezahlt das schließlich auch.
Wen wunderts, wenn der kleine Mann (Frau) mal 3,50 Zinsen nicht angibt bei der Steuererklärung oder sein Arbeitsweg dann mal 5 km pro Tag länger wurde. Oder bei der Inso oder EV mal versucht, 100 euro für die Kinder zu Weihnachten zu verheimlichen.
Für das letztere zahl ich gerne, für den Teil ganz oben nicht.

STEUERZAHLER
22.11.2004, 23:16
>>>>Dies ist auch der Grund, daß sich diese Beratung bei >>>>Schuldnerberatungsstellen abspielt - die kosten den Schuldner wenig bis >>>>garnix --
>>>>aber,
>>>>und das ist sehr wichtig und wird hier vergessen:

>>>>das bezahlt der STAAT und damit ich und Du, also der Steuerzahler !!!


Schon mal überlegt wie viel Steuer jeder Mensch von Geburt an zahlt dann kann der Staat ruhig 3000euro für ihn in solch einer Situation zahlen ??
Also was soll der Mist??

arnie
22.11.2004, 23:25
der Bürger zahlt sogar noch, wenn er tot ist.
einmal MWST für die Grabpflege und Zinssteuer für das Sparbuch, was er angelegt hat, um die Grabpflege und sonstige Grabkosten zu bezahlen. Ergebnis: das angesparte Geld ist schneller weg, als geplant.
Ist ja nicht jeder Politiker, die ihre Beerdigungskosten noch abgesichert haben. Der Bürger muß selber löhnen.
Warum sollte da noch der kleine Mann /Frau ein schlechtes Gewissen haben?

spartacus
22.11.2004, 23:29
Gerde in den letzten tagen wurde doch mal wieder großartig Schuldenerlass in Milliardenhöhe durch die große "Gemeinschaft" beschlossen und das für ein Schuldnerland, in dem immer noch bestialisch selbstlose "Helfer" und "Helferinnen" ermordet werden und täglich Bomben zahllose Menschen zerfetzen. Dazu gibt’s "Wideraufbau" in unvollstellarer Milliardenhöhe. Auch das sind Steuergelder, wobei das "Schuldnerland" ja nicht gerade arm ist.

Dem kleinen Michel hingegen wir die Lüge vom "Verzugschaden" und die Lüge vom "Gläubigerschaden" vorgehalten und völlig ignoriert, wie astronomisch gigantisch sich mittlerweile das Konsumkreditgeschäft in diesem unserem Land an Zinsen statt und stätter verdient. Schulden, die NICHT nur der Konsumkreditwirtschaft pralle Kassen beschert haben und bescheren, nein auch der Industrie und dem Handel noch das Überleben sichert. Die Kassen der Konzerne sind so prall gefüllt, die wissen gar nicht mehr wohin damit, experimentieren und spielen mit Milliarden, als ob es Geld aus der Portokasse wäre. Zudem gab es das "Euro Geschenk" vor ein paar Jahren und nunmehr, nachdem das Volk durch die Propaganda offenbar völligst verdummt wurde, wird an Arbeitszeit, an Kündigungsschutz, an Lohnverzicht herumgemurkst, dem kleinen Michel noch das Versagend von Management und Politik in die Schuhe geschoben. So entledigt man sich tatsächlich der Verantwortung !

Aber eins soll uns allen klar gemacht werden, gerade die eh schon stiefmütterlich versorgte "Sozialberatung" belastet die Allgemeinheit, das kann doch wohl nicht wahr sein.

Unregistrierter
22.11.2004, 23:34
Solange es noch Stellen gibt die für den überschuldeten Menschen kostenlos diese Möglichkeit bieten, sollte man jeden der hier versucht jemanden noch abzuzocken und der jemanden Angst macht sich an solche Stellen zu wenden auf die Finger klopfen.

spartacus
22.11.2004, 23:43
Noch ein Satz zur "Finanzierungsfrage".

Es scheint wohl richtig und angemessen, wenn sich Hilfesuchende im Rahmen Ihrer Möglichkeiten !!! finanziell beteiligen. Ich unterstelle auch mal, jeder, wenn der denn kann, würde auch finanziell beisteuern. Nur diese Frage darf und sollte nicht im Vordergrund stehen. Erst sollte Hilfe und Beratung angeboten werden und dann erörtert werden, ob jemand (aus freien Stücken) etwas beisteuern kann oder eben nicht. Evtl.sollte man die Kosten der Schuldner-/Insolvenzberatung die vor einem Insolvenzverfahren (Antragstellung usw. ) entstehen unter den § 4a InsO stellen, d.h. zusammen mit den gestundeten Verfahrenskosten vorranging später aus der Insolvenzmasse bereinigen, auch das wäre ein Weg.

Wenn ich lese, dass freie Schuldner-/Insolvenzberater als "Kleinstbetriebe" 120 und mehr einfach gestrickte Verbraucherinsolvenzverfahren pro Anno regelrecht durchziehen und die Honorare hier bei 600 bis teils 1.500 Euro und mehr !!! je Fall liegen, ist irgendwo schon die Schwelle sozusagen überschritten. Schuldner-/Insolvenzberatung im Sinne der Sozialberatung als lukratives "Geschäft" lehne ich persönlich ab.

Unregistrierter
22.11.2004, 23:43
*** Mann / Frau könnte ja auch mal unter seinem registrierten Namen posten... Ich werde diese Stimmungsmache-Postings in Zukunft direkt löschen, egal von wem sie kommen.

Matthias Hofmann ***

postman
23.11.2004, 06:52
Mal kurz dazu meine Meinung, bevor das hier abgleitet:

ich weiß zwar auch nicht den Königsweg, aber

1) die sozial schwachen Schuldner sollten auf jeden Fall
die Beratung KOSTENLOS erhalten !!!!!!!!!!!

2) wo und wie zieht man die Grenze für Beteiligung an den Kosten

3) wie verhindert man die Gefahr, wenn in 2005, wenn das Rechtsberatungsgesetz fällt, die unseriösen Geschäftemacher auf den Markt strömen, denn das wird passieren

4) da die juristischen Anforderungen mit der Neuen Insoänderung wesentlich höher werden, wie kann man hier eine bessere Beratungsqualität erreichen, möglicherweise durch Juristen oder andere geeignete Gruppen , oder eine spezielle anerkannte Ausbildung..........

5) gibt es Möglichkeiten, die Kosten-u. Beratungseffiziens bei den Schuldnerberatungsstellen zu verbessern, z.B. durch marktwirtschaftliche Mechanismen - fester Zuschuß pro Beratung .....- oder Schulung, speuiell im juristischen Bereich oder oder .................

Es ist doch völlig klar, daß ein Verschuldeter, der nicht durch die Chance der INSO wieder nach 6 Jahren auf die Beine gestellt wird, den Staat und somit uns allen NOCH MEHR kostet.

Nur mal so

postman

arnie
24.11.2004, 20:39
nach 3 Löschungen in Folge, aus welchem Grund auch immer, habs ja nicht gelesen und kann meinen Senf nicht dazu beitragen, hoffe ich, das ich nicht gelöscht werde. :confused:
Für mich gilt es nur Eines. 4 Jahre durchhalten, egal wie, danach hab ich alles, was ich brauche, werde dann meine eigene persönliche Entschuldung durchziehen, weil dann die Möglichkeiten dafür vorhanden sind, will ja keinem was schuldig bleiben, (nur "mal Kosten erzeugen für nichts, geht nicht). Sollte dann irgendein Inkassofuzzi nicht drauf eingehen, dann geht er eben leer aus, selber Schuld, wer den Hals zu weit aufreißt, bekommt eben gar nichts....hab ja sooooviel Mitleid mit ihm dann.
Dann noch 5 Jahre arbeiten und meinen eigenen vorgezogen Ruhestand genießen, Basta, Ende, Aus.

spartacus
24.11.2004, 21:26
"wie verhindert man die Gefahr, wenn in 2005, wenn das Rechtsberatungsgesetz fällt, die unseriösen Geschäftemacher auf den Markt strömen, denn das wird passieren"

---- nun es gibt heute doch für alles und jedes ein Güte- und Qualitätssiegel, selbst einen Puff mit TÜV-Zertifikat. Es müsste wohl ein entsprechender, einheitlicher Standard geschaffen werden, der sich m.E. jedoch nicht nur aus den alten Strukturen der klassischen Sozial-/Schuldnerberatung heraus entwickeln oder ableiten lässt. Ich könnte Ihnen dazu gerne einige Ansätze liefern, die vermutlich aber keinen interessieren dürften.


"da die juristischen Anforderungen mit der Neuen Insoänderung wesentlich höher werden, wie kann man hier eine bessere Beratungsqualität erreichen, möglicherweise durch Juristen oder andere geeignete Gruppen , oder eine spezielle anerkannte Ausbildung"

--- ich unterstelle mal ganz provokant : Ein Jurist kann keine "Schuldnerberatung" leisten ! Unterscheiden sollte man m.E. stets zwischen der klassischen Schuldner- und juristischen Insolvenz(abwicklungs)beratung. Das sind zwei unterschiedliche Ansätze, die auch unterschiedliche Qualifikationen voraussetzen.


"gibt es Möglichkeiten, die Kosten- u. Beratungseffiziens bei den Schuldnerberatungsstellen zu verbessern, z.B. durch marktwirtschaftliche Mechanismen - "

---- Denke ich nicht. Vom systematisierten Massenabwasch unter marktwirtschaftlichen Kriterien halte ich in der "Sozial-/Schuldnerberatung" absolut nichts. Mag sein das Abwicklungs- und Antragsprocedere eines Verbraucherinsolvenzverfahrens lässt sich hier und da noch durch den Einsatz bessere technisch und Optimierung der organisatorischen Abläufe noch straffen, das könnte dann der eigentlichen "menschlichen Arbeit" zu Gute kommen.


"fester Zuschuß pro Beratung ....."

--- Diese Praxis gibt es bereits in so machen Beratungsstellen.


"oder Schulung, speuiell im juristischen Bereich oder oder "

--- Gibt es doch auch schon, sogar ganz vortreffliche !