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Thema: Insolvenz und Erbschaft

  1. #1
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    Standard Insolvenz und Erbschaft

    Hallo Forum,
    vielleicht kann mir hier jemand einen Rat geben?
    Ich bin nun schon seit gut zwei Jahren im Insolvenzverfahren, noch immer im Status "eröffnetes Verfahren" (Regelinsolvenz nach gescheiterter Selbständigkeit).
    In der Zeit ist mein Vater gestorben, das habe ich dem Insolvenzverwalter natürlich auch mitgeteilt.

    Es gibt wohl nur ein kleines Erbe, doch mein Bruder weigert sich, dem Insolvenzverwalter darüber Auskunft zu geben.
    Seit über einem Jahr passiert nun nichts. Gar nichts.

    Deswegen meine Frage hier:
    Kann ich etwas tun - muss ich etwas tun, damit mein IV aktiv wird?

    Ich dachte, dass mein Erbteil wenigstens die Verfahrenskosten decken könnte, deswegen habe ich das Erbe nicht ausgeschlagen, denn ich lebe von HartzIV, habe also ziemlich wenig Geld.
    Zu Beginn sagte der Insolvenzverwalter, trotz "HartzIV" müsste ich aber eine/seine Mindestvergütung bezahlen, ich meine, er hätte 100,00 Euro plus MwSt = 119,00 Euro gesagt.
    Eine Rechnung darüber habe ich von ihm bisher aber nicht bekommen.
    Nun geht es bald ins dritte Jahr und ich mache mir Sorgen, dass ich irgendetwas versäumt haben könnte.
    Oder der Insolvenzverwalter.

    Muss ich irgendetwas tun?
    Soll ich ihn erinnern?
    Oder soll ich mich direkt an das Insolvenzgericht wenden?

    Wer weiß, wie das Verfahren eigentlich jetzt korrekt weitergehen müsste?
    Müsste der IV nicht den Erbteil von meinem Bruder einfordern?
    Ggfs. auch auf dem Klageweg?
    Oder kann er frei entscheiden, ob er das machen will oder nicht?

    frakant

  2. #2
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    1. Du brauchst die Mindestvergütung von 119,00 € jährlich nicht selber zahlen, eindeutig. Wenn Du eine diesbezügliche rechnung vom Insolvenzverwalter bekommst (und die wirst du kriegen), dann beantrage sofort beim Insolvenzgericht die Stundung dieser Kosten(= Übernahme der Mindestvergütung durch das Gericht) und schicke dem Verwalter eine Kopie des Antrags. Dann ist von dieser Seite aus "Ruhe im Karton". Entweder war die Auskunft des IV ein Mißverständnis oder- was ich eher annehme angesichts seines Verhaltens im Erbschaftsfall- er will sich Deine Insolvenz etwas bequemer und einfacher gestalten.
    2.Bei der Erbschaftsangelegenheit liegt der Ball beim Verwalter. Aber: hast Du ihn schriftlich (!) über den Erbfall informiert und kannst du das auch nachweisen? Das ist äußerst wichtig, falls der Verwalter auf die Idee kommt, die Kenntnis vom Erbfall zu bestreiten. wenn nicht, hole das schenllstens nach mit Kopie der Nachricht an das Insolvenzgericht.

  3. #3
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    Danke für die Antwort, Klaus, das beruhigt mich, das ich nichts falsch gemacht habe. Ja, ich habe den IV über die Erbschaft schriftlich informiert, ich habe noch einmal nachgesehen. Und der IV hatte damals auch geantwortet, dass er sich darum kümmern würde. Hat er bisher nur nicht getan, deswegen meine Sorge. Aber die ist dann ja unbegründet.

    Noch eine andere Frage: Wie ist es eigentlich, wenn ich selbst jetzt im Insolvenzverfahren sterben würde? ich bin ja auch nicht mehr der Jüngste und gesundheitlich angeschlagen. Viel habe ich ja nicht zu vererben, jedenfalls nichts wertvolles. Bekommt das dann alles der IV? Oder kann ich per Testament selbst bestimmen, wer was bekommen soll? Ich versuche, jeden Monat etwas vom Hartz4 zurückzulegen, für alle Fälle, man weiß ja nie, was kommt.

  4. #4
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    Zitat Zitat von frakant Beitrag anzeigen
    Wie ist es eigentlich, wenn ich selbst jetzt im Insolvenzverfahren sterben würde? ich bin ja auch nicht mehr der Jüngste und gesundheitlich angeschlagen. Viel habe ich ja nicht zu vererben, jedenfalls nichts wertvolles.
    Wenn Du vor Erteilung der Restschuldbefreiung stirbst hast Du nur Schulden zu vererben. Entsprechend sollte ein Erbe in dem Fall auf jeden Fall ausgeschlagen werden.
    Zitat Zitat von frakant Beitrag anzeigen
    Ich versuche, jeden Monat etwas vom Hartz4 zurückzulegen, für alle Fälle, man weiß ja nie, was kommt.
    *öhm* Da Du weiterhin im eröffneten Verfahren bist "darfst" Du gar nichts ansparen. Dies wäre dann Vermögen und muss in die Masse. Erst in der Wohlverhaltensphase ist das wieder unproblematisch. Diesen Umstand solltest Du bei der Gestaltung Deiner Rücklagen auf dem Schirm haben.

  5. #5
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    auch Dir danke für den Hinweis zu meinen (bescheidenen) Rücklagen , Caffery, hätte ich fast vergessen, dass ich nur Schulden zu vererben habe

  6. #6
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    die Geschichte geht nun weiter, ich weiß nicht, soll ich ein neues Thema dafür aufmachen?
    Ich mach einfach mal hier weiter:
    Heute habe ich von meinem Insolvenzverwalter einen "bösen Brief" bekommen: Mein Bruder hat ihm wohl geschrieben, dass unser Vater mir noch zu seinen Lebzeiten meinen Erbteil in bar ausgezahlt hätte und dass ich jetzt also keinen Erbanspruch mehr hätte. Das stimmt aber nicht, ich habe niemals von unserem Vater Geld bekommen, ich hatte ja auch gar keinen Kontakt zu ihm, und wenn ich Kontakt gehabt hätte, hätte er mir sicher kein Geld gegeben.

    Nun verlangt der Insolvenzverwalter von mir, ich müsse das mit meinem Bruder klären, da steht was von "Erbauseinandersetzung" oder so. Und wenn ich das nicht machen würde, dann würde er, der Insolvenzverwalter, dem Insolvenzgericht schreiben, dass ich mich geweigert hätte, meine Mitwirkungspflichten zu erfüllen, und dann würde das Insolvenzgericht meinen Antrag auf Restschuldbefreiung ablehnen. "Und dann war Ihr Insolvenzverfahren umsonst und dazu haben Sie dann noch die Kosten zu tragen", steht in dem Brief von dem Insolvenzverwalten.

    Ja, ich kann aber nichts klären. Mein Bruder verweigert ja auch jeden Kontakt mit mir. Was jetzt? Muss ich jetzt wirklich einen Anwalt beauftragen, damit dieser meinen Bruder schlimmstenfalls auf Auskunft über das Erbe verklagt? Ich weiß wirklich nicht, was ich tun kann oder was ich tun muss. Kann der Insolvenzverwalter denn wirklich nur auf diese Lüge von meinem Bruder hin das Insolvenzgericht dazu bringen, mir die Restschuldbefreiung zu versagen? Gehört diese "Erbauseinandersetzung" wirklich zu meinen Mitwirkungspflichten? Und was nützt eine Pflicht, wenn man sie gar nicht erfüllen kann?

    Ich bin gerade ziemlich konfus, denn ich weiß echt nicht, was ich nun machen soll, deswegen hier noch einmal meine Frage und Bitte um Hilfe.

  7. #7
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    Das ist tatsächlich ein dickes Ding.

    Wenn ich es richtig sehe, sind Sie im eröffneten Insolvenzverfahren, nicht in der Wohlverhaltensperiode. Dann sollten Sie Ihren Insolvenzverwalter 1. an § 80 InsO erinnern. Die etwaige Erbschaft ist ein Gegenstand, der zur Insolvenzmasse gehört und somit haben sie keine Verfügungsgewalt da drüber. Nur er kann den Erbanteil geltend machen und durchsetzen. Sie sind lediglich zur Mitwirkung und Auskunft verpflichtet, bedeutet, sie müssen ihm die Auskünfte zur Durchsetzung geben. Und das tun sie ja. Wenn Sie die Auskünfte nach bestem Wissen und Gewissen erteilt haben, sind sie raus.

    2. wird die Restschuldbefreiung nur auf Antrag eines Gläubigers versagt. Eine Versagung der RSB von Amts wegen (durch das Gericht) gibt es nicht. Und da ihr Verfahren bereits eröffnet ist, kann Ihr Antrag nicht mehr "abgelehnt" werden. Der Insoverwalter kann höchstens bei Gericht aregen, Ihnen die Stundung aufzuheben. Aber da sind wir wieder bei 1.

    Aber ich als Gericht würde mich sehr für solche Schreiben der Insolvenzverwalter interessieren. Vielleicht sollten Sie mal bei Gericht anfragen, wie das denn der dort zuständige Rpfl. rechtlich sieht.

  8. #8
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    Standard

    Ist 2018 irgendwie das Jahr der freidrehenden IV? Das ist ja hier nicht die einzige Geschichte, die nach wildem Westen klingt. Ich würde mit dem Schreiben auch mal zum Rechtspfleger gehen.
    Deine Mitwirkungspflicht hast Du erfüllt.

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