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Thema: Ich will es nun endlich angehen

  1. #1
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    Standard Ich will es nun endlich angehen

    Hallo Forum,

    Ich bin Chris, bin fast 30 und versuche nun endlich mein Leben in den Griff zu kriegen.

    Ich arbeite im Einzelhandel und verdiene im Moment Netto ca. 1500 Euro. Ab Januar werden es wohl wieder 1300 sein. Ich habe mich während meiner zweiten Ausbildung ab 2010 und auch noch einige Zeit danach bis 2015 ziemlich überschuldet. Ich hatte nie wirklich viel Geld zur Verfügung , wollte aber auch nie deswegen auf Sachen, Ausflüge usw. Verzichten sodass ich mir wohl lange Zeit etwas vorgemacht habe.

    Anfang des Jahres habe ich den ersten Schritt getan und alle mir bekannten Gläubiger angeschrieben. Meine Schulden belaufen sich , lt. Stand vom März auf ca. 12.000 Euro.

    Den größten Teil habe ich bei einem Rechtsanwalt, der eine Bank vertritt. Dort hatte ich damals einen Kredit aufgenommen und leider die Raten nicht mehr bezahlt. Das waren im März auch so 4000 Euro. Durch eine Lohnpfändung / Lohnabtretung bei meinem Arbeitgeber wurden aber seitdem auch 2000 Euro gepfändet. Das was mich an diesem Fall nervt, sind dass ich jeden Monat 14 % Zinsen auf die Hauptforderung zahle. Dieser Gläubiger hat auch eine Kontopfändung.

    Der zweite große Batzen von 1600 Euro ist mein ehemaliger Vermieter, er hat einen Titel und ein Eidesstaatliche Versicherung durch den Gerichtsvollzieher erwirkt. Bisher kam dort aber noch keine Pfändung, auch weil ich dort mit offenen Karten gespielt habe.

    Der zweite große Batzen ist ein Sky Abo, welches mir gekündigt wurde. Dort fordert das RA Haas 1800 Euro. Hier gibt es noch keinen Titel.

    Mein alter Stromanbieter fordert 800 Euro, vertreten durch infoscore.

    Paypal fordert 800 Euro, auch durch infoscore vertreten. Hier liegt eine Kontopfändung vor.

    O2 fordert knapp 1000 Euro, auch hier liegt eine Kontopfändung vor, die zuerst da war und wo dann zuerst was gepfändet werden würde.

    Der Rest sind alles Beträge, zwischen 400 - 150 Euro wo noch keine Titel feststehen.

    Ich habe beim Amtsgericht eine Freigabe meiner Gehaltseingänge beantragt, also ich kriege dann meinen Lohn, bei dem derzeit so 250 Euro gepfändet werden, ausgezahlt und die Kontopfändungen greifen nicht.

    Bisher habe ich mit einem meiner Gläubiger eine Ratenzahlung vereinbart, es ist eine 600 Euro Telekom Forderung. Dort zahle ich bis Juli 2018 jeden Monat 46 Euro.

    Mit meinen Ausgaben für Miete, Strom , Internet, Telefon und 100 Euro Rückzahlung an ein Familienmitglied , welches mir 2000 Euro für ein gebrauchtes Auto geliehen hat, bin ich bei 680 Euro Ausgaben im Monat.

    Normalerweise, müsste Immer etwas überbleiben , aber ich hatte es jetzt oft, dass in den letzten Monaten immer mal wieder was dazwischen kam, wie beispielsweise der TÜV, das kaputte Auto, die KFZ Haftpflicht usw.


    Entschuldigt den langen Text, aber es tat mal gut, drüber zu reden. Nun zu meinen Fragen:

    1. Kann ich gegen die oben erwähnten 14 % Zinsen was machen?

    2. Ich kriege mein Gehalt meistens immer am Monatsende. Ich habe im Monat den Gehaltseingang vom Vormonat als Freibetrag. Dadurch habe ich immer am Monatsende ca. 400 Euro zur Verfügung und kann dann ab 01. Über den Rest verfügen. Nun wäre meine Frage, wenn ich jetzt zB einen Laptop bei Ebay Kleinanzeigen verkaufe und mir das Geld überweisen lasse, kann ich über das Geld dann auch verfügen oder ist das dann irgendwann verschenkt? Meine Großmutter hat mir ihren Laptop vermacht, den ich aber nicht brauche und so gerne dann verkaufen würde. 200 Euro bringt er, ich bin mir nur nicht sicher ob ich es lieber per Barzahlung verkaufen soll, oder per Überweisung. So richtig steige ich bei dem P-Konto nicht durch.

    3. Lohnt sich bei mir eine Privatinsolvenz? Ich habe davor irgendwie Angst und hab auch immer noch das Gefühl, dass ich es eher schaffen könnte, in den 3-6 Jahren. Aber vielleicht mach ich mir da ja was vor und hier sind ja Experten, bzw. Welche, die es schon durchgemacht haben.

    4. Mache ich mich irgendwie strafbar, wenn ich bestimmte Gläubiger bevorzuge? Heißt im Kopf hab ich, dass ich mich mit denen einige, die nur eine Kontopfändung haben damit ich, wenn der große Gläubiger durch die Lohnpfändung bezahlt ist, keine anderen Pfändungen mehr habe und so dann auch mehr Geld zur Verfügung habe um mich mit den anderen Gläubigern zu einigen.


    Das wars erst mal. Den Leuten, die sich die Mühe machen das ganze zu lesen und mir vielleicht helfen können, sage ich schon mal ein Nettes Danke. Kommt alle gut ins Wochenende, Chris.

  2. #2
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    Hi,
    sind die 14% Zinsen tituliert?

    Zitat Zitat von Faulpelz Beitrag anzeigen
    Ich habe beim Amtsgericht eine Freigabe meiner Gehaltseingänge beantragt, also ich kriege dann meinen Lohn, bei dem derzeit so 250 Euro gepfändet werden, ausgezahlt und die Kontopfändungen greifen nicht.
    [...]
    wenn ich jetzt zB einen Laptop bei Ebay Kleinanzeigen verkaufe und mir das Geld überweisen lasse, kann ich über das Geld dann auch verfügen
    wenn Du eine Quellenfreigabe für den Lohn hast, dann bestimmt sich Dein Freibetrag nach dem Lohn und zusätzliche Eingänge wären nicht verfügbar.

    Zitat Zitat von Faulpelz Beitrag anzeigen
    Lohnt sich bei mir eine Privatinsolvenz? Ich habe davor irgendwie Angst und hab auch immer noch das Gefühl, dass ich es eher schaffen könnte, in den 3-6 Jahren.
    Bei 1300 € wären ohne Unterhaltspflichen in 5 Jahren nach aktueller Tabelle nur insgesamt knapp 7000 € pfändbar...

    Zitat Zitat von Faulpelz Beitrag anzeigen
    Mache ich mich irgendwie strafbar, wenn ich bestimmte Gläubiger bevorzuge?
    Nein, aber in einer Insolvenz könnte das angefochten und zurückgefordert werden.

    Gruß
    Ingo

  3. #3
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    Hallo Ingo ,

    ich habe gerade geschaut und die 14 % stehen auch so im Titel drin.....

    Die letzten beiden Antworten verstehe ich, aber das mit dem Konto ist mir noch nicht so schlüssig. Ich habe Ende September 1270 Euro Gehalt ausgezahlt bekommen. Jetzt im Oktober habe ich insgesamt 890 Euro überwiesen oder abgehoben. Auf dem Konto sind noch 50 Euro die mir auch zur Verfügung stehen. Normalerweise würde jetzt Ende Oktober wieder mein Gehalt kommen, wieder 1200-1300 Euro und dann könnte ich wohl noch bis zum 01. über 400 Euro verfügen und dann ab dem 01. wieder über den Rest. So läuft es schon seit Monaten. Prüft die Bank jeden Geldeingang und blockiert alles was nicht vom Konto kommt? Mir wurde nur erklärt dass der Freibetrag an den Lohn angepasst wird. Manchmal musste ich auch erst bei der Bank anrufen, weil sie mir nur den üblichen P-Konto Freibetrag freigegeben hatten.

    Gruß Christian

  4. #4
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    Hi,
    Zitat Zitat von Faulpelz Beitrag anzeigen
    Prüft die Bank jeden Geldeingang und blockiert alles was nicht vom Konto kommt?
    nein. Die Bank registriert lediglich den Lohneingang und setzt den monatlichen Freibetrag in dieser Höhe fest.

    Gruß
    Ingo

  5. #5
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    Chris, du solltest dich einfach mal hinsetzen und für Dich persönlich eine komplette Liste erstellen mit allen deinen gläubiger
    - inkl. Hauptforderung
    - Zinsen
    - bisherige Nebenforderungen
    Und daraus dir mal berechnen, wie real es ist, dass du in 5 -7 Jahre vollständig davon weg bist, denn Zinsen steigen, Gläubiger werden nicht alle Ruhe geben, was bei Vollstreckungsversuche kosten verursacht
    Und die Gläubiger wo noch kein Titel vorliegt ,werden sicherlich wenn noch nicht verjährt auch noch einen Titel sich holen

    Und dann würde ich mir auch mal an Deiner Stelle ausrechnen wie es bei einem Inso aussehen würde für Dich
    Vielleicht wenn du beides dir mal erarbeitet hast und beides vorliegt, kannst du dann den richtigen Weg finden

  6. #6
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    Bei so einer unübersichtlichen Forderungsstruktur würde ich auch immer eher zu einem Insolvenzantrag tendieren wenn er wirtschaftlich (Verhältnis Pfändbarkeit zu Gesamtverschuldung) einigermaßen sinnvoll erscheint.

    Weiterhin hast Du wahrscheinlich einige Gläubiger die ihre Forderung nicht zum Verfahren anmelden würden. Das würde nach dem Schlusstermin u.U. die ein oder andere Option der Verfahrensverkürzung eröffnen.

    Aber am besten Du lässt Dich mal professionell beraten. Die Chance, dass Du eine schmerzliche Erfahrung machst indem Du lediglich Zeit, Geld und Lebensenergie verschwendest geht bei so einer Forderungsstruktur m.E. auf jeden Fall gegen 100% wenn Dus allein versuchst.

  7. #7
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    Insbesondere sollte man den Aspekt der "Ruhe" vor den Gläubigern nicht vernachlässigen. Viele Menschen sind allein dadurch schon sehr beruhigt, dass niemand mehr ungefragt vor der Tür stehen kann und pfänden möchte oder irgendwelche Briefe von den Gläubigern bzw. dessen Vertretern kommen. Man kann deutlich ruhiger schlafen, sobald das alles einmal "im Griff" ist.

  8. #8
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    Auch meine Einschätzung ist, dass es einfach zu vielen Gläubiger sind, um mit Einzelvereinbarungen Ruhe herstellen zu können.

    Nimm Kontakt zu einer karitativen Beratungsstelle auf, die auch eine Anerkennung nach § 305 InsO zur Insolvenzberatung hat. Wenn eine langfristige Rate sichergestellt werden kann, wäre mit dortiger Unterstützung ggf. auch eine außergerichtliche Einigung mit einem Zahlungsplan denkbar. Falls das nicht klappt oder aus anderen Gründen nicht sinnvoll erscheint, wäre eine Insolvenz vermutlich immer noch besser (und schneller), als es so weiter laufen zu lassen.

  9. #9
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    Danke für Eure Hilfe. Das mit dem Freibetrag hat sich geklärt und eine Bankberaterin konnte mir das so rüberbringen, dass ich es verstehe.

    Ansonsten werde ich mich morgen mal um einen Termin bei einer Schuldnerberatung bemühen. Ich halte euch natürlich auf dem Laufenden.

    Eine andere Sache: Die O2 Forderung von knapp 1000 Euro, bei der ein Titel und eine Kontopfändung vorliegt wurde bisher von einem Anwaltsbüro vertreten. Nun bekam ich gestern Post von " GFKL Collections GmbH" , die nun den Betrag einfordern , sich auf das Aktenzeichen berufen und sich auf mit mir geführte Korrespondenz berufen. Allerdings hatte ich noch nie Kontakt zu dieser Inkassofirma. Der letzte Schriftverkehr zu diesem Aktenzeichen war mit Anwalt " Purps-Vogel-Flinder" im April, als ich von allen eine Forderungsaufstellung verlangte.

    Gibt es da irgendwas zu beachten? Übernehmen die die Kontopfändung und den Titel einfach und sollte ich einen Nachweis verlangen, dass sie auch dafür berechtigt sind die Interessen zu vertreten?


    Liebe Grüße und schönen Sonntag Euch.

  10. #10
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    Zitat Zitat von Faulpelz Beitrag anzeigen
    Gibt es da irgendwas zu beachten? Übernehmen die die Kontopfändung und den Titel einfach und sollte ich einen Nachweis verlangen, dass sie auch dafür berechtigt sind die Interessen zu vertreten?
    Nein, sowas führt m.E. zu nichts.

    Das ist in der Branche ein ganz normaler Vorgang. GFKL und Pups-Vogel etc. arbeiten zusammen, wie es auch bei fast allen anderen Inkassoinstituten dazugehörigen Kanzleien gibt (Infoscore-> Haas, Inkasso Becker-> Wendel, BID-> Hörnlein&Feyler etc. pp.). Böse Zungen behaupten mitunter beim Sinn der Sache es könnte sich dabei auch um Kostenoptimierung handeln. Das ist natürlich völlig absurd *hust*.

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