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Thema: Partner verdrängt Überschuldung, wie helfen?

  1. #1
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    Frage Partner verdrängt Überschuldung, wie helfen?

    Hallo zusammen,

    ich bin neu hier, weil ich nicht weiß mit wem ich sonst darüber sprechen könnte.

    Situation ist folgende:

    Mein Lebensgefährte hat vor vielen Jahren (bald 10) seine Selbstständigkeit an die Wand gefahren und lebt seither von der Hand in den Mund.
    Bis vor ca. einem Jahr war ich noch der festen Annahme, dass er regulär im Insolvenzverfahren ist und 2020 Restschuldbefreiung erhält.
    Leider hat sich das als falsch herausgestellt. Wenn man zusammen wohnt, lässt sich das nun mal nicht so einfach verbergen...
    Für mich war das natürlich im ersten Moment ein riesen Schock und ich habe für einen kurzen Moment unsere ganze Beziehung in Frage gestellt. Wir haben ein gemeinsames Kind und ich möchte natürlich eine solide Grundlage bieten.

    Nachdem ich die Nachricht verdaut habe, hat sich bei mir der große Wunsch eingestellt das Verfahren so bald wie möglich einzuleiten,weil jünger werden wir jetzt nicht mehr und es wäre schön ein normales Leben, ohne Gerichtsvollzieher darin, zu führen.

    Ich habe ihn mehrfach im Guten gebeten, dass er bitte anfängt seine Angelegenheiten zu regeln, wenn schon nicht für mich, dann wenigstens für unser Kind. Leider blockt er mich sofort ab und ich werde meist auf nächsten Monat vertröstet ("wenn in der Arbeit weniger los ist").
    Nächsten Monat passiert wieder nichts, weil es entweder "zu kompliziert ist", alternativ "bekommt er Panik und unsägliche Bauchschmerzen, wenn er nur an Ämter denkt" oder auch: "er weiß nicht was er machen soll".

    Ich glaube ihm sogar, dass er Angst hat und nicht weiß was er tun soll, aber wenn ich ihm rate sich anwaltliche Hilfe zu holen, fragt er mich nur spöttisch von welchem Geld er das bezahlen soll...
    Dass es Vereine gibt, die kostenlos beraten weiß er, schafft es aber nicht einen Termin zu vereinbaren "weil in der Arbeit so viel los ist".
    Wir stecken in einem Teufelskreis fest und ich bin die Nervige, weil ich ihn einmal im Monat an seine Situation erinnere und bitte etwas zu unternehmen.


    Ich weiß, dass ihm seine Situation unangenehm und peinlich ist, also wie kann ich ihm als Lebensgefährtin sinnvoll helfen?

    Kann ich überhaupt aktiv etwas tun?

    Meint ihr es lohnt sich, wenn ich mich selber nach einem Anwalt umsehe und eine Erstberatung vereinbare?


    Ihm selber scheint der Antrieb zu fehlen etwas zu ändern, weil schlecht geht es uns insgesamt nicht, aber es könnte uns finanziell auch besser gehen.
    Nur darüber reden hat uns nicht vorangebracht und böse werden will ich nicht, da weiß ich, dass er komplett dicht machen wird.

    LG Sylvanas

  2. #2
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    Siehst Du eine 'legale' Möglichkeit, Dir die die ganzen Unterlagen einmal anzuschauen und ggfls. zu sortieren?
    Denn vor dem Gang zu einer Erstberatung ist es beispielsweise wichtig zu wissen, ob eine Regel- oder eine Verbraucherinsolvenz in Frage kommt.

  3. #3
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    Bisher hat er mich mit allen Mitteln versucht von diesem Thema fernzuhalten, damit ich mich damit nicht "belaste".
    Zu den ganzen Unterlagen gehört leider nämlich auch ein großer Stapel ungeöffneter Briefe, aber ich denke wenn ich ihn frage sollte es kein Problem sein...

    Ohne ihn zu einer Erstberatung zu gehen, wird wohl nicht sinnvoll sein, denke ich (wenn es überhaupt möglich ist)?

  4. #4
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    Zitat Zitat von Sylvanas Beitrag anzeigen
    ...aber ich denke, wenn ich ihn frage, sollte es kein Problem sein...
    Dann mach' das, Sylvanas.

    Ich kenne dies - in anderem Zusammenhang - aus eigener Erfahrung.
    Wenn es gelingt, dass jemand anderes dann erstmal alle Briefumschläge aufmacht, und das ganze sortiert, ist der Betroffene meist schnell bereit, am Ganzen mitzuarbeiten.

    Sein Gefühl, dass er Dich belaste, musst Du umwandeln in: dass es Dich belastet, das ganze Papierzeug unbearbeitet im Schuhkarton zu wissen.

  5. #5
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    Ich kann als selbst Betroffener vielleicht ein bisschen was dazu sagen - Ich habe meine Schulden auch durch eine gescheiterte Selbständigkeit aufgebaut. Ich habe jahrelang meine Schulden vor mich hergeschoben, hatte regelmäßig Termine für eine EV, mit dem Gerichtsvollzieher war ich per Du, weil es mir nichtmal mehr unangenehm war, wenn er klingelte.
    Ich hatte in der Zeit 5 verschiedene Freundinnen - ich habe immer mit offenen Karten gespielt und immer gesagt, dass ich einen Haufen Schulden habe - jedoch das Thema Insolvenz bald angehen werde.
    Meine Freundinnen haben mich immer wieder gefragt wie es denn damit aussieht, wann ich das denn angehen möchte und habe mich in die Ecke gedrängt gefühlt. Sogar der Vater einer Freundin, der selbst Schuldnerberater ist konnte mich nicht überzeugen.
    Ich fühlte mich bevormundet, ich wollte von alledem nichts wissen und steckte immer wieder den Kopf in den Sand. Mein Problem war, dass ich Angst hatte - unsagbare Angst davor, was passieren würde. Jeder der mir erzählte, dass es doch nicht so schlimm sein würde, den hab ich mit scheinheiligen Ausreden abgewimmelt - "Ich schaff das im Moment nicht alles zu sortieren", "Am Wochenende können wir das gern in Angriff nehmen" (obwohl ich wusste, dass am Wochenende irgendwas anderes auf dem Plan stand). Es gab öfter Streit wegen meiner Schulden. Oft ging mir das tierisch auf die Nerven, oft war es einfach die Angst. Ich habe mich sogar von einer Freundin getrennt, weil es mich so "genervt" hat.

    Erleichterung brachte mir tatsächlich erst der Überblick über die Schulden. Erst das ganze Sortieren der ungeöffneten Briefe, der ganzen Schreiben, die ich in irgendeinen Schrank gepfeffert habe hat mir gezeigt, dass es gar nicht so schlimm war. Ich habe mich selbst irgendwann einen Tag hingesetzt und wollte es endlich wissen.

    Übereifrig habe ich dann tatsächlich - ohne Druck, aber auch ohne das Wissen meiner jetzigen Freundin - einen Schuldnerberatertermin gemacht. Ich habe meiner Freundin überstolz davon erzählt und sie war in Tränen aufgelöst, dass ich es endlich in Angriff nehme. Und von dort aus ging alles recht schnell - beim Ersten Termin bei der Schuldnerberatung hatte ich echt Panik, dass jetzt irgendwelche Fragen kommen, die ich nicht beantworten kann. Dass Vorwürfe seitens der Schuldnerberatung kommen, dass ich vielleicht nur noch Knäckebrot essen kann oder dass das Finanzamt irgendwelche Paragraphen findet, die die Insolvenz nicht möglich machen. Ich habe mir Gedanken gemacht über Sachen die nicht da waren.
    Aber nachdem ich die Schuldnerberaterin kennengelernt habe - sie unglaublich freundlich, höflich, zuvorkommend und vor allem verständnisvoll war war die Angst wie verflogen.
    So folgte eins nach dem Anderen - ich sollte vom Gläubiger X noch ein paar Unterlagen anfordern, hier noch eine Forderungsaufstellung und die Schuldnerberaterin hat alles sortiert, alles in eine Gläubigerliste aufgenommen und ich war zu dem Zeitpunkt schon um Brocken Last leichter.
    Bis zur Insolvenz hat die Schuldnerberaterin alles mit mir zusammen gemacht, es hat insgesamt 4 Termine bei ihr gebraucht, erstreckte sich über ca. 5 Monate.
    Kurz bevor ich den letzten Termin bei ihr hatte kam eine Vollstreckungsankündigung meiner Krankenkasse. Ich fiel wieder in ein Loch. Ich fragte mich warum ich den ganzen "Scheiß" denn überhaupt mache. Hier stand meine Freundin unglaublich gut zu mir, überzeugte mich einfach das Schreiben zur Schuldnerberatung mitzunehmen. Diese meinte nur ganz trocken: Okay, ich ruf den GV mal an.. Keine 2 Minuten später alles geklärt - der GV gibt Ruhe, die Insolvenz kann eröffnet werden.
    Tja, seit ca. einem Jahr bin ich jetzt in der Insolvenz - heute ist der Schlusstermin und ich hoffe, dass ich bald in der WVP bin
    Rückblickend bin ich enttäuscht von mir selbst, dass ich "diesen doch so einfachen Schritt" nicht schon viel früher getan habe. Aber ich bin auch stolz auf mich, dass ich es alles im Griff habe, dass kein GV mehr vor der Tür steht, kein Brief mehr kommt (bis auf einen) und ich jeden Tag in die Insolvenzbekanntmachungen schaue ob sich bei mir irgendwas tut.
    Ich nehme inzwischen sogar die Sachen meiner Schwester in Angriff und helfe ihr soweit es mir möglich ist.

    Also - Versuch deinen Mann zu überzeugen, dass es wirklich kein Akt ist - es wird ihm keiner Vorwürfe machen, es ist überhaupt nicht schwer. Wenn man es denn erstmal tut.

  6. #6
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    Wie wäre es wenn du mit ihm absprichst, dass ihr Euch an einem Wochenende , wenn ihr die Möglichkeit habt das Kind zu Oma/Opa zu geben gemeinsam hinsetzt und alles was an Schulden da ist zusammen sammelt an Unterlagen und eine konkrete Liste erstellt, damit man mal ein Überblick bekommt
    Vielleicht wenn er klarer sieht was da alles offen ist bringt ihn ja das zum handeln, denn ich würde es an deiner Stelle nicht alleine machen, denn es sind seine Schulden


    Denn das ist wichtig um zu klären ob ein Verbraucher- oder Regelinso angestrebt wird
    Was mich wundert:Wenn er arbeitet dann muss doch auch mal die Ladung zur VA kommen wo dann der Gerichtsvollzieher auch mal Daten woher er Geld bezieht und nach seiner Kontonummer haben will, denn ich hoffe das ihr getrennte Konto habt
    Und er soll sich auch Gedanken um ein P Konto machen

    Ach ja :Es nützt nichts wenn du dir die ganze Arbeiten machst ohne ihn das alles zu erstellen, denn der Frust ist doppelt so hoch, wenn du das machst und er anschließend weiter nichts unternimmt

  7. #7
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    Hallo,

    das ist auch meine Erfahrung, dass die Klienten die das selbst erledigen können sich bersser fühlen wenn die Unterlagen sortiert sind und der Stapel an Post aus der Ungewissheit in Namen, Aktenzeichen und Zahlen aufgelöst wurde. Oft kam es sogar dazu, dass die Schuldsumme niedriger lag als die Ratsuchenden gedacht hatten.

    Es ist sicher kein einfacher oder kurzer Weg sondern eher ein langer und steiniger dennoch lohnt es sich in aller Regel ihn zu gehen.
    Wenn Angehürige zu mir kommen, dann kann ich diese zwar beraten, aber letztlich muss die Regulierung per Insolvenz von dem Schuldner mit getragen werden, oder aber er hat einen gesetzlichen Betreuer mit entsprechenden Wirkungskreisen.

    Sag deinem Partner ich wünsche ihm viel Mut!

    Lg aus Mittelhessen
    Schuldnerberatung ist ein breites Feld, Sachverhalte können Auswirkungen in unterschiedlichen Bereichen haben - daher gilt: Die Qualität der Hilfe/Beratung ist vom dem Umfang der Informationen zum Sachverhalt abhängig.

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