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Thema: Durch Schulden krank: Versuch der Analyse/ Möglichkeiten z. Verbesserung d. Situation

  1. #21
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    Ich dachte, ich wäre die Einzige, die beim Ertönen der Klingel am liebsten weglaufen würde. Da warteten meistens Gerichtsvollzieher, Leute von den Stadtwerken, die Post und allen kuckten mich mitleidig an. Am besten war der Mann von der BMW-Bank, der die Angeberkiste von meinem Ex-Mann abholen wollte. Schade, dass diese gerade nicht da war. Das hätte mir glatt noch Spass gemacht.

    Wenn er dann nach Hause kam, natürlich nach einem anstrengenden Arbeitstag, tat er den jeweiligen Besucher oder Brief als Irrtum ab und machte mit weis, dass er die Situation natürlich im Griff hat. Um nicht alles vor den Kinder auszudiskutieren und immer als Buhmann (der arme Papa, der doch alles für uns tut) dazustehen, schluckt man das Ganze dann und vertraut auf das,was er immer wieder versichert. Böse bin ich erst geworden, als ich mit unserer Tochter wegen einem Kreuzbandriss dringend zum Arzt musste und die Helferin mir mitteilte, dass ihre Versichtertenkarte nicht mehr gültig ist. Nachtigall....... Natürlich war auch das ein Versehen und eine Frechheit von der Kasse. Ab da habe ich alles kontrolliert und nachgefragt. Der absolute Anfang vom Ende. Sämtliche Vorschläge von mir, die Situation zu ändern wurden als Panikmache und völlig übertrieben abgetan.

    Am schlimmsten war eigentlich, dass er mich immer wie eine Idiotin dastehen ließ. So nach dem Motto, eure Mutter spinnt und macht nur Terror. Sie hat null Ahnung wovon sie spricht. Dem war leider nicht so. Leider sind die Sachen meistens so eingetroffen, wie ich sie vermutet habe. Aber das Selbstbewußtsein hat wahnsinnig gelitten, ich wurde immer kleiner. Ich hab mich geschämt, wenn der Gerichtsvollzieher vor der Tür stand. Ans Telefon bin ich nur noch gegangen, wenn ich die Nummer kannte. Schlafstörungen, Migräneanfälle und div. Hörstürze waren so die allgemeinen Folgen.

    Irgendwann ist er dann kurzfristig ausgezogen, neue Pussi, die keine Fragen stellt und ihn für den größten Geschäftsmann hielt (aber leider nur für 4 Wochen). Seine Post und die Geschäftspost kamen lustig weiter hier an, natürlich auch die diskreten Herren. Den von Zoll kannten meine Tochter und ich auch noch privat. Daraufhin habe ich ihn dann gezwungen, alles umzumelden. Das ist ja ganz hübsch, aber seinen Gläubigern teilte er das dann nicht mit. Die sollten wohl von alleine drauf kommen.

    Der Wendepunkt kam, wo ich mir von meiner Tochter seine Schwärmereien von seiner Pussi anhören mußte, so selbständig, ewig alleinerziehend, Hund, Katze, Pferd usw. Dann habe ich Klartext mit meinen Kindern geredet (18 und 19). Inzwischenwaren so wahnwitzige Forderungen von Uraltkonten und Finanzamt, Krankenkasse usw. aufgelaufen, daß ich ihnen auch alles beweisen konnte. Der Fall war tief und auch sehr schmerzhaft für beide. Aber seitdem gehen wir drei ehrlich miteinander um und besprechen alles miteinander.

    Ich verlass mich nur noch auf mich. Ich weiß, was mich erwartet. Ich werde wohl Anfang nächsten Jahres geschieden und das ist gut so. Aus der Ehe bleiben mir so bummelig 25.000 Euro Schulden. Alles bei einer Bank. Ich bin auf der Suche nach einer Vollzeitstelle und auf einem guten Weg. Der größte Teil seiner Schulden sind Firmenschulden, die bleiben nicht an mir hängen. Für die meisten haftet er persönlich, Finanzamt, GmbH-Einlage und so. Nach der Firmeninsolvenz denke ich, wird er auch privat Insolvenz anmelden müssen. Alles nicht mehr mein Problem. Bevor es bei ihm zum Supergau kommt, bin ich wieder auf den Beinen. Mein Sohn fängt im Herbst an zu studieren, meine Tochter hat noch ein Jahr bei mir, bis sie auch studieren geht. Wir haben dafür alleine Lösungen gefunden. Beide wissen, dass wir sparsam leben müssen und nicht mehr alles von Himmel fällt. Ich kann wieder schlafen, wenn ich müde bin, Migräne hatte ich seit seinem Auszug nicht mehr.

    Das Wichtigste ist, dass ich heute ganz genau weiß, auf wen ich mich zu einhundert Prozent verlassen kann. Zu denen ich kommen kann und auch mal schreien und pöbeln kann. Natürlich waren auch Bekannte dabei, die sich weiter blenden lassen und seinen vollmundigen Versprechen glauben. Die werden auch noch wach. Ich habe gerade noch die Kurve bekommen, um nicht komplett in Depressionen zu versinken. Auslöser war meine Schwiegermutter, die meinte, ob ich mir nicht mal ein paar rosa Pillen verschreiben lassen sollte. Und die wollte ich nun wirklich nicht. Schließlich habe ich zwei Kinder, die sich voll auf mich verlassen. Ich schäme mich auch nicht mehr für Sachen, die er verbockt hat. Ich bekomme keine Schweißausbrüche mehr, wenn es klingelt. Ich schick die Leute einfach zu seiner neuen Adresse. Manchmal sind es Kleinigkeiten, die einem weiterhelfen.

    Hoffentlich war das Ganze jetzt nicht völlig am Thema vorbei. Aber nachdem ich das 10 Jahre (Umfinanzierungen noch und nöcher) mitgemacht habe, fühle ich mich viel besser, wo das Ende nahe ist. Eigene Wohnung, neue Arbeit, wieder mal in die Rentenkasse einzahlen nach 15 Jahre, das sind meine Ziele. Und wenn nötig, werde ich auch Inso anmelden. Nie wieder fiese Post oder Gerichtsvollzieher. Noch ein Ziel. Und keine rosa Pillen!

    LG
    Kirsten

  2. #22
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    Zitat Zitat von anja39 Beitrag anzeigen
    Hallo thehellion,

    Du wirst sicherlich mitbekommen haben, dass wir uns hier explizit in einem emotional geleiteten Thread befinden. Den ich im Übrigen mit gesteigertem Interesse verfolge.

    Auch Deine Beiträge mögen da höchst passend angebracht sein – vor allem, wenn Du Dir hierbei mal ausnahmsweise ein wenig Sorgfalt zulegen könntest und vielleicht einen Satz auch mal mit einem Punkt beendest und sonstige Satztrennzeichen sinnvoll dafür einsetzt, dass Deine Gedanken auch an den Mann bzw. die Frau kommen, ohne sie zuvor im Kopf in verständnisvolle Fragmente einteilen zu müssen.

    Hochachtung vor fsb hildesheim, der geduldig Deine Satzklötze in Gedankenstöße umwandelt und in störrichter Ruhe und verständlichen Satzstrukturen hierauf eingeht. Ein Niveau, welches zu erarbeiten auch Dir nicht schlecht zu Gesichte stände.
    Deine Worte : Eine rhetorische Meisterleistung.

    Absolut ergreifend , ich bin zutiefst berührt.

    Danke das es Dich gibt
    Ex Inkasso MA - keine juristischen Fachkenntnisse

  3. #23
    konsumbefreit Gast

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    Ich halte den Thread sehr wichtig, insbesondere für die, die die wichtige Hürde sich zu überwinden, noch vor sich haben.
    Ich würde mich freuen, wenn Ihr hier einfach Eure Erfahrungen zum Thema postet. Vielleicht wird dieser Thread sehr lange oben angepinnt sein, also schreibt bitte weiter zum Thema, um andere zu motivieren aus sich raus zu kommen.

  4. #24
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    @Hausfrau50: Ja, so gehts mir auch. Ich verlasse mich auch nur noch auf mich.

    Die Firma meines Mannes lief leider auf mich. Dann kamen Schadenersatzansprüche und ich bin in der Inso gelandet. Ich war seit 5 Jahren nicht mehr am Briefkasten und bei unbekannten Nummern gehe ich nicht ans Telefon. Die letzten Jahre waren echt hart, bei jedem Brief von IV oder Amtsgericht habe ich Herzrasen und Schweissausbrüche bekommen.
    Mittlerweile bin ich wegen Angstzuständen und Depressionen in Behandlung. Und die Krönung war letzte Woche die Diagnose Morbus Basedow.

    Ich lebe und funktioniere eigentlich nur noch für den Zeitpunkt, an dem ich alles hinter mir habe. Sind ja nur noch 2,5 Jahre. Gott sei Dank.

    LG
    Chris

  5. #25
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    Wenn Dich irgendwelche Call Agents diverser Inkassobuden telefonisch belästigen reicht ein einziger Brief um dies zu beenden
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  6. #26
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    Oh, von Briefen haben sich die Callcenter-Agents von Barcleys damals kein bißchen von ihren Anrufen abhalten lassen.

  7. #27
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    Zitat Zitat von FinLaure Beitrag anzeigen
    Oh, von Briefen haben sich die Callcenter-Agents von Barcleys damals kein bißchen von ihren Anrufen abhalten lassen.
    Evtl hast Du Dich damals nicht unmißverständlich genug ausgedrückt

    Wenn der Schuldner der telefonischen Kontaktaufnahme expl untersagt hat gibt das - aus Sicht der bank/Inkassoladens absolut keinen Sinn diese Schiene weiterzufahren

    Was sollte das außer möglichen Ärger dem Forderungsinhaber bringen ?

    Bei Acoreus Inkasso wurde aufgrund in der vergangenheit erfolgter Anzeigen penibel darauf geachtet das in diesem fall das Telefon Inkasso umgehend einzustellen ist
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  8. #28
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    Evtl hast Du Dich damals nicht unmißverständlich genug ausgedrückt
    Ich habe mich sehr deutlich ausgedrückt. Es hat sie einfach nicht interessiert. Das bestätigten sie am Telefon auch und sagten, sie rufen so lange an, bis ich bezahle. Ruhe war erst, als die Insolvenz eröffnet war.

  9. #29
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    Zitat Zitat von FinLaure Beitrag anzeigen
    Ich habe mich sehr deutlich ausgedrückt. Es hat sie einfach nicht interessiert. Das bestätigten sie am Telefon auch und sagten, sie rufen so lange an, bis ich bezahle. Ruhe war erst, als die Insolvenz eröffnet war.
    Ich will meinen EX AG nicht heilig sprechen aber bei uns wäre diese Vorgehensweise undenkbar gewesen - selbst wenn der Schuldner dies nur telefonisch gegenüber dem Call Agent und nicht per Einschreiben untersagt hat

    Das kann bei Nichtbeachten ins Auge gehen
    http://www.op-online.de/lokales/nach...t-3442092.html
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  10. #30
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    Lasst uns doch bitte beim Thema bleiben.

    Telefonanrufe oder gar Besuche von Geldeintreibern setzen Schuldnern besonders zu. Keine Frage. Wer mag schon ständig persönlich mit seiner unschönen Situation konfrontiert werden.

    Gegen Besuche kann man sich mittels Hausverbot gut zur Wehr setzen - notfalls mit Hilfe der Polizei.

    Bei Telefonanrufen sollte es eigentlich einfacher sein. Viele Telefonsysteme erlauben das sperren bekannter unerwünschter Anrufer.
    Einige legen einfach auf und denken nicht weiter drüber nach / andere hören dem Anrufer gelangweilt zu und denken auch nicht weiter drüber nach.

    Ich kann es nicht beurteilen, verstehe aber, dass bei ständigen Anrufen zu einem unangenehmen Thema irgendwann Spuren zurückbleiben.

    Wünschenswert wäre es von daher, dass der Schuldner es schafft seine Einstellung zu seiner Situation zu verändern, um dann auch entspannter mit der Konfronation umgehen zu können. A la, es ist jetzt so, ich mache daraus was ich kann, sorry für den Rest, ich bin nicht alleine und muss mich dafür nicht schämen.

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