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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Frage: Insolvenz in England?



VonVorne
03.11.2004, 12:10
Ich bin (war) Unternehmer und musste vor 7 Monaten Firmen Insolvenz einleiten. Jetzt bin ich Privat dran. Mit Schulden über 400.000 (und keiner Arbeit) bleibt mir nichts anderes übrig als in die Privatinsolvenz zu gehen.
Jetzt meine Frage.
Ich hab im anderen Forum über die Möglichkeit gelesen Insolvenz in England zu machen.
Meine Fragen dazu.
1. Geht das? Also ist das rechtlich erlaubt?
2. Ich habe gelesen das die Restschuldbefreiung dort ausnahmslos innerhalb von 12 Monaten durchgeführt wird. Stimmt das?
3. Macht das Sinn? Was sind die Vor und Nachteile eurer Meinung nach. (Dazu muss ich sagen das ich sowieso nach England ziehen weil weil ich da einen Job-Angebot hätte.)
4. Wo kann ich mich denn darüber erkundigen?


Danke

Leben
03.11.2004, 16:01
Hallo

ich kann zwar auch keine Auskunft dazu geben,aber das Thema ist hier schon oft angesprochen worden.
Versuch einfach mal über suchen dich schlau zu machen.
Auch im alten Forum!

Kopf hoch

Ciao Leben

QueensMam
04.11.2004, 22:28
Hallo VonVorne
Guter Nick ;)
Ja das geht mit der Privatinsolvenz. Hier heist das Bankruptcy aber ist im Grunde dasselbe nur ohne Wohlverhaltensperiode.
D.h. nach der Liquidation deines Vermögens (und das ist um einiges regider als in Deutschland, denn da fällt auch dein TV darunter) fängst du von Vorne an.
Ob das jeder machen kann weis ich nicht. Ein Bekannter von mir machts gerade aber der ist Brite. Ich denke du musst zumindest hier leben was ja in deinem Fall der Fall wäre. Die Folgen sind auch für einen Engländer ziemlich gravierend, denn der Immobilien Erwerb ist für die nächsten paar Jahre sense und wer England kennt weis was das bedeutet. Deshalb wirst du auch, glaub ich weitere 12 Monate später aus dem Schuldnerregister gestrichen, damit du nicht dauerhaft geschädigt bist.
Mir geht es ähnlich. Ich bin nach einer gescheiterten Selbstständigkeit hier nach England gezogen um hier zu arbeiten. Seitdem olag ich mich mit den ganzen Folgen herum.
Pfändung, Pfändungsversuche usw. Hab den Gläubigern vor 2 Jahren einen Ausgleich angeboten mit einer Quote von über 40% aber das haben sie abgelehnt (vor allem die KFW). Ich überlege mir ob ich hier die Insolvenz durchziehen soll. Dann spar ich mir den Ganzen Ärger und kann wieder zu leben beginnen.
Ich mein ich find das Englische System im Gegensatz zum Deutschen/RestEuropäischen schon sehr gut, und das aus vielen Gründen.
Die gehen hier von dem Ansatz aus, das einer Volkswirtschaft ein Schuldner möglichst schnell wieder dem Normalen Wirtschaftssystem zurückgeführt werden muss, damit er wieder fleissig arbeitet, verdient, konsumiert, seuern zahlen kann.
In Resteuropa herscht der Gedanke der Bestrafung. Er hat die Schulden gemacht also soll er auch sehen wie er damit weiterkommt.
Aber wen hilft das das? Dem Gläubiger kaum, weil viele einfach dann unter Pfändungsminimum arbeiten (und wahrscheinlich einige Schlupflöcher ausnutzen) oder gleich in die Sozialhilfe absteigen und der Volkswirtschaft erst recht nicht. Wieviele verschuldete Haushalte gibt es Deutschland 8 Millionen? Und wieviele Unternehmer die niemehr eine Firma gründen weil sie keine Chance mehr bekommen? Hundertausende, und die fehlen am Ende der Rechnung.
Also da find ich das System von hier schon gut. Klarer Schnitt und man fängt wieder von vorne an. (Deshalb find ich den Nick schon recht gut vom Startposter)
Man kann auch mehrere Insolvenze hintereinander machen wenn es denn sein muss. Nur sie dürfen weder absichtlich noch unter den Verdacht der vorteilsnahme passieren. Das passen sie schon sehr auf. Wenn da nur der leiseste Verdacht besteht ists aus.
In diesen Sinne viel Glück VonVorne

abc
05.11.2004, 06:42
In Resteuropa herscht der Gedanke der Bestrafung. Er hat die Schulden gemacht also soll er auch sehen wie er damit weiterkommt

Deutschland speziell einige Provinzen sind Gott sei Dank nicht Resteuropa. Das Insolvenzrecht ist generell auf Wiederherstellung ausgelegt und nicht wie eigentlich nur in Deutschland auf langjährige Aussetzigkeit und Demontage. Hier lebt der größte Teil hinter der Tür immer noch nach dem Herr Lehrer Herr Lehrer ich weiß was ... Prinzip. Im übrigen werden und wurden unsere Gesetze zu einem großen Anteil von Leuten mit eben dieser (Lehrer-)Ausbildung gemacht.Da wird auch noch lange der Rohrstock regieren, wie vor 100 Jahren.
Und eben diese Obrigkeitsgläubigkeit von Kindes Beinen an verhindert, daß sich in den nächsten 100 Jahren daran was ändert.
Soviel zu meiner globalen Meinung.
Was mich interessiert ist, welche Pfändungsfreigrenzen für Gehalt usw. z.B. in England oder auch der Schweiz gelten. Hast Du darüber auch Infos ?

Wassolldas
05.11.2004, 11:38
Also ich glaube nicht das das möglich ist. Insolvenz einfach so in England. Ich meine wenn das stimmt würden sich doch alle möglichen Leute einfach für ein Jahr auf die Insel absetzen, dort gemütlich Tee schlürfen und dann bereinigt hier wieder anfangen. Das höhlt doch das ganze Deutsche Insolvenzrecht aus.
Glaub ich nicht und wenn sollte man es verbieten lassen. Da sind ja alle blöd wenn sie es hier machen mit 6 Jahren Wohlverhaltensphase. Und was wenn die Bayern sich wirklich durchsetzen mit ihrer Verschärfung der InsO. Denn ist das doch nur ein Schuss ins Ofenrohr? Weil dann kommt es zum Schuldnertourismus.
Kopfschüttel

Deutschland_AG
05.11.2004, 12:02
Glaub ich nicht und wenn sollte man es verbieten lassen. Da sind ja alle blöd wenn sie es hier machen mit 6 Jahren Wohlverhaltensphase. Und was wenn die Bayern sich wirklich durchsetzen mit ihrer Verschärfung der InsO. Denn ist das doch nur ein Schuss ins Ofenrohr? Weil dann kommt es zum Schuldnertourismus.
Kopfschüttel

Nun, für den Deutschen Otto Normal Schuldner lohnt sich die Privatinsolvenz im Ausland nicht .... meistens verdient er ja ohnehin nicht viel, sodaß während der Wohlverhaltensphase von 6 Jahren kaum was gepfändet werden kann. Und nicht vergessen: er genießt Vollstreckungsschutz - also keine Gängeleien von GVs, Inkassos usw.

Das Lohnniveau auf der gelobten Insel ist wesentlich niedriger als in Deutschland. Um dort die Inso machen zu können, muß man erst einen Job haben, umgezogen sein usw. Viele Otto Normal Schuldner bringen das nicht fertig, aus familiären Gründen oder der bequemen Stütze. Sozi in England ist gerade mal ein halber Harz, 33 Pfund die Woche!

Unregistriert-da
09.11.2004, 09:31
Hallo,

nun ich als Deutscher bin seit ca. 14 Monaten in England.

Die Bundeswehr und das Finanzamt haben nicht zusammengepasst, so dass meine Selbstständigkeit mit der Einberufung hinfällig war, ... Gott sei Dank sind nur Schulden beim FA über geblieben. (IHK hatte eine sehr postive Zukunftsprognose attesttiert) (3 Gerichtsverfahren verloren, .. man müsse bis 28 /früher/ warten.)

Da das FA in Deutschen Insolvenzverfahren sich nicht wie ein Bruder verhält, habe ich mich über Frankreich und andere europäische Staaten informiert.

England schien trotz drei Jahre die vernünftigste Wahl zu sein.

Hier wurde ich von einem Insolvenz Helfer unterstützt und war ruckzuck in der WVP. Eigentlich drei nach Änderung der Gesetze nur noch bis zum April 2005.

Da ich nebenher studiere, ist es natürlich leichter bzgl. Arbeit etc. Jedoch finden sich ständig etwaige Jobs und ein Jahr bzw. etwas mehr hält man locker aus, ...

Unverständlich ist doch, dass die Nachhaltigkeit der Deutschen Insolvenzgesetze nicht gegeben ist. WVP von 6 Jahren, obwohl doch bei 99 % absehbar ist was bei raus kommt, ...

Dann sollte man mal die Barwertigkeiten der Einzahlungen an die Gläubiger innerhalb der 6 Jahre berechnen und würde feststellen, dass sich der Arbeitsaufwand durch Verwaltung etc. nicht rechnet.


Geeignet dürfte das Verfahren hier für jeden nicht eng gebundenen Schuldner sein, ...

f-letti
09.11.2004, 10:42
.. kopie aus nem anderen Forum, da ich nicht weis ob der link erlaubt ist..



.. mußt dich aber evtl. kostenlos anmelden..

der dürfte auch interessant sein ..


Hallo,

da Sie nach Verbraucherinsolvenz fragen , gehe ich davon aus , dass Ihre Schulden privater Natur sind.

Die übliche Dauer des Verfahrens bis zur Restschuldbfreiung war 3 Jahre und nicht zwei. Inzwischen gab es aber wohl eine Reform, so dass das Verfahren nur noch ca. ein Jahr dauert !!

Sie müssen entweder in England wohnen oder 3 Jahre vor Antragstellung in England (oder Wales) wohnhaft oder geschäftlich tätig gewesen sein.

Das gesamt Vermögen fällt in die Insolvenzmasse ! Ausgenommen Gegenstände zum Erwerb des Lebensunterhalt und Kleidung sowie normaler Hausrat.

Auch in England gibt es ein Planverfahren. In der Gläubigerversammlung müssen 75 % der anwesenden Gläubiger zustimmen. Es ist aber Vorsicht geboten, denn gesicherte und/oder bevorrechtigte Gläubiger (z.B. mit Abtretungen) sind an diesen Plan nicht gebunden !!

Soweit ich weiß sind die Pfändungsbeträge in England um einiges höher als in Deutschland.

Zum Schluß möchte ich anmerken, dass ich es für äußerst gefährlich halte Insolvenzverfahren in einem anderen Land durchzuführen. Selbst beste Sprachkenntnisse reichen meist nicht aus, da , wie in Deutschland auch, die juristische Sprache eine ganz eigene ist.

MfG

ThoFa
Zitat:



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wutz



Anmeldungsdatum: 11.08.2004
Beiträge: 16

Verfasst am: Mo Aug 30, 2004 7:22 pm Titel:

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ThoFa hat folgendes geschrieben::
Hallo,

da Sie nach Verbraucherinsolvenz fragen , gehe ich davon aus , dass Ihre Schulden privater Natur sind.



Gehen Sie eher davon aus, das zur Zeit grundsätzliches Interesse an dieser Thematik besteht

ThoFa hat folgendes geschrieben::

Die übliche Dauer des Verfahrens bis zur Restschuldbfreiung war 3 Jahre und nicht zwei. Inzwischen gab es aber wohl eine Reform, so dass das Verfahren nur noch ca. ein Jahr dauert !!



Besser als mind. 7 Jahre an der Armutsgrenze in Deutschland zu leben, mit dem Risiko, dass im Anschluss keine Restschuldbefreiung garantiert wird.

Ein kleiner Fehler während der 7 jährig andauernden Demutshaltung (kann zu schweren Rückenproblemen führen!) und alle die Entbehrungen waren umsonst; bis auf die Schulden, denn die sind garantiert geblieben

PS: Woher beziehen Sie Ihre Informationen?

ThoFa hat folgendes geschrieben::

Sie müssen entweder in England wohnen oder 3 Jahre vor Antragstellung in England (oder Wales) wohnhaft oder geschäftlich tätig gewesen sein.



Nun, dies sollte kein Problem darstellen. Die Familie gründet eine LTD mit Residenz in England, eine Zweigniederlassung als LTD & Co. KG in Deutschland. "Mein" offizieller Wohnsitz ist die LTD England, meine deutsche Wohnung als Adresse der deutschen Zweigniederlassung incl. der gesamten Kostenübernahme, Lebenserhaltungskosten werden großzügig vom Unternehmen übernommen, wie z.B. Wohnung, Auto, Geschäftsessen, Reisen. Das Gehalt wird so gestaltet, dass man(n) nicht über die Pfändungsfreigrenzen verdient....

ThoFa hat folgendes geschrieben::

Das gesamt Vermögen fällt in die Insolvenzmasse ! Ausgenommen Gegenstände zum Erwerb des Lebensunterhalt und Kleidung sowie normaler Hausrat.



Wenn nichts da ist, gibt es keine Insolvenzmasse!

ThoFa hat folgendes geschrieben::

Auch in England gibt es ein Planverfahren. In der Gläubigerversammlung müssen 75 % der anwesenden Gläubiger zustimmen. Es ist aber Vorsicht geboten, denn gesicherte und/oder bevorrechtigte Gläubiger (z.B. mit Abtretungen) sind an diesen Plan nicht gebunden !!



Wenn kein oder weniger als 75% der Gläubiger zustimmt, kommt es nicht zur Insolvenz???
Kann ich mir nur schwer vorstellen.

Abtretungsvereinbarungen kann ich in großem Umfang mit der Familie treffen. Ich unterschreibe einfach ein Schuldanerkenntnis und Abtrittserklärung für meine Einkünfte an die Schwester über 50.000 Euro, mit dem Bruder über 100.000 EURO, mit dem Vater über 200.000 EURO ... (sind nur Beispiele;-) )

ThoFa hat folgendes geschrieben::

Soweit ich weiß sind die Pfändungsbeträge in England um einiges höher als in Deutschland.



Macht ja nichts, da nahezu alle meine Ausgaben von der LTD übernommen wird.

ThoFa hat folgendes geschrieben::


Zum Schluß möchte ich anmerken, dass ich es für äußerst gefährlich halte Insolvenzverfahren in einem anderen Land durchzuführen. Selbst beste Sprachkenntnisse reichen meist nicht aus, da , wie in Deutschland auch, die juristische Sprache eine ganz eigene ist.

MfG ThoFa



Da ich das juristendeutsch ebenfalls nur sehr schwer verstehe, müsste ich sowieso einen englischen Rechtsanwalt inkl. anerkannte Übersetzung bezahlen.

Was spräche also gegen die "meine" englische Lösung?

Wie Sie schrieben innerhalb eines Jahres schuldenfrei. Besser gehts nicht, nicht einmal in Frankreich.

Freundliche Grüße, Wutz

--- soweit erstmal...

mfg.
letti