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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Änderung Pfändung Urlaubsgeld?



RoteZora
10.06.2014, 23:10
Hallo,

Gab es eine Änderung bei der Pfändung von Urlaubsgeld?

Dem Schuldner wurden in diesem Jahr rund 170€ mehr gepfändet als in den beiden Jahren davor. Das Urlaubsgeld ist aber genauso hoch wie in den letzten 2 Jahren und doch eigentlich komplett pfändungsfrei, oder?

Steht auch als Urlaubsgeld auf der Abrechnung, nicht als Urlaubsentgelt und ist Einmalig im Mai. (430€)

Könnt ihr euch das erklären??

Schuldner bekommt immer Schichtzulagen und hat ein monatlich wechselndes Netto, daher kann ich das jetzt so schlecht nachvollziehen, aber er hat halt definitiv ne ganze Menge mehr gepfändet bekommen wie in den Jahren davor (bei nahezu gleichem Netto vor Pfändung (dieses Jahr sogar 50€ mehr) und gleichem Urlaubsgeld)

Danke!

Ingo
11.06.2014, 00:18
Hi,
nach dem BAG wird die Nettomethode angewandt.

Gruss
Ingo

RoteZora
11.06.2014, 08:12
Okay, alles klar. Dann habe ich es jetzt, nach dem durchforsten des Internets, scheinbar verstanden.
Vielen Dank!

RobertKoschinsky
20.06.2014, 11:14
Ich möchte mal einklinken, da ich das Problem gerade aktuell habe und bin über die Antwort gerade etwas erstaunt.


Mit meinem Insoverwalter habe ich vereinbart, dass ich den Pfändungsbetrag meines Gehaltes selbst abführe. Nun habe ich mit meiner aktuellen Gehaltsabrechnung 1500 Euro brutto Urlaubsgeld erhalten. Netto macht das 900 Euro aus.

Wenn ich den § 850a, Abs. 2 lese, sagt doch etwas anderes aus?

http://dejure.org/gesetze/ZPO/850a.html

und der nachfolgende LINK

https://www.lldk-schuldnerberatung.de/ist-urlaubsgeld-pfaendbar/

Der_Alte
20.06.2014, 11:41
Ich versteh die Frage nicht.

Nach alter Rechnung wären 1500 € unpfändbar gewesen, weil die Steuern und Sozialversicherungsbeiträge vom normalen Einkommen abzuziehen waren (Brutto-Methode). Das ist seit dem BAG-Urteil anders. Jetzt ist das Urlaubsgeld nur noch mit seinem Nettobetrag unpfändbar, da die auf diesen Betrag anfallenden Steuern und Sozialabgaben exakt zu berechnen und zu berücksichtigen sind. Ein Abzug beim normalen Einkommen ist nicht mehr zulässig.

RobertKoschinsky
24.06.2014, 19:20
okay. Ich habe mich nicht klar genug ausgedrückt.
Ich möchte nur wissen: ist das Urlaubsgeld nun pfändbar oder nicht.

Unpfändbar sind

1. zur Hälfte die für die Leistung von Mehrarbeitsstunden gezahlten Teile des Arbeitseinkommens;
2. die für die Dauer eines Urlaubs über das Arbeitseinkommen hinaus gewährten Bezüge, Zuwendungen aus Anlass eines besonderen Betriebsereignisses und Treugelder, soweit sie den Rahmen des Üblichen nicht übersteigen;

Die TS schreibt ja, das etwas gepfändet wurde.

Ich habe Netto exakt diesen Monat 903,00 Euro mehr Netto, aufgrund des Urlaubsgeldes. Also bleibt der Betrag unberücksichtigt. oder nicht?

Reicht es, wenn ich dem Insoverwalter, dass auf der Abrechnung auseinanderpflücke?
Und wie gewohnt meine knapp 18 Euro pfändbares Einkommen überweise?

Ingo
24.06.2014, 20:15
Hi,

Ich habe Netto exakt diesen Monat 903,00 Euro mehr Netto, aufgrund des Urlaubsgeldes. Also bleibt der Betrag unberücksichtigt. oder nicht?
nein, nach der Netto-Methode musst Du eine fiktive Nettoberechnung unter Abzug des Brutto-Urlaubsgeldes machen und damit in die Pfändungstabelle gehen.

Gruß
Ingo

RobertKoschinsky
24.06.2014, 20:37
Also mal als Beispiel:

Normale Abrechnung
3500 Euro Brutto
./. gesetzliche Abzüge 1550,00
= 1950 Netto =pfändungsnetto

Nun mit Urlaubsgeld
5000 Euro Brutto
gesetzliche Abzüge 1550,00
gesetzliche Abzüge 715,00 auf dem Einmalbetrag Urlaubsgeld (ist ausgewiesen auf der Abrechnung)
=Netto 2735,00 Euro
./. Bruttourlaubsgeld ????? 1500,00

=Pfändungsnetto 1235,00 ????

das wäre doch Blödsinn, dann wäre ja garnichts diesen Monat pfändbar

Ingo
24.06.2014, 21:36
Hi,

Also mal als Beispiel:

Normale Abrechnung
3500 Euro Brutto
./. gesetzliche Abzüge 1550,00
= 1950 Netto =pfändungsnetto
bei diesem Beispiel müsste das Pfändungsnetto selbst bei Steuerklasse III und Kindern und Kichensteuer über 2.400 € betragen, wenn da nicht noch unpfändbare Beträge enthalten sind.

Gruß
Ingo

Der_Alte
25.06.2014, 23:43
Nettomethode anwenden:

normales Gehalt wie immer abzurechnen.

Urlaubsgeld:
1500 € brutto
./. 715 € Abzüge
= 785 € unpfändbares Urlaubsgeld

Claus Triebiger
26.06.2014, 13:10
Hallo,
wobei ein Problem noch nicht markiert ist.
These ist: Das Urlaubsgeld ist in dieser Höhe nicht üblich. So zumindest könnte der Treuhänder argumentieren und einen höheren Abschlag verlangen.

These ist: Der Treuhänder wird den Arbeitgeber informieren, wenn Sie ihm Schwierigkeiten machen. Er muss sich auf Debatten, was wie hoch und wann pfändbar ist gar nicht einlassen, er kann Ihnen einfach einen pfändbaren Anteil vorhalten, den Sie überweisen müssen, wenn Sie nicht riskieren wollen, dass der Arbeitgeber von Ihrer Insolvenz erfährt. Insofern ist es ein Deal, man kann es auch Schweigegeld nennen.

Grüße
CT