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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Lohnt sich Vergleich in der WVP?



heavenmeetshell
22.04.2014, 13:58
Hallo,

ich befinde mich seit dem 14.09.2012 in der Wohlverhaltensperiode und habe nunmehr ab 01.06. einen Job, bei dem ich ca. 105,00 € mtl. laut Pfändungstabelle an alle Gläubiger auszahlen müsste. Vor dem Insolvenzverfahren wurden mir von den meisten Gläubigern Vergleiche angeboten, die sich auf insgesamt ca. 4.500,00 € beliefen - ich seinerzeit aber leider nicht annehmen konnte. Die Gesamtschuldensumme belief sich bei Verfahrenseröffnung auf knapp 15.000,00 €.

Nun habe ich gelesen, dass die Möglichkeit besteht, dass Insolvenzverfahren immer noch durch Vergleiche zu erledigen - ist das korrekt?

Wenn ja, würde sich das Ganze lohnen und hat jemand Erfahrung, ob die Gläubiger da noch mitspielen? Die drei kleinen Gläubiger könnte ich in 2 Monaten mit einer Summe bedienen. Bei dem größten Brocken einer Bank müsste ich es auf ca. ein halbes Jahr Ratenzahlung laufen lassen.

Was käme außer den Vergleichszahlungen noch für Forderungen auf mich zu? Mein Insolvenzverwalter hatte beim Gericht mal was mit 820,00 € beantragt, ist das sein Honorar für die gesamte Dauer? Oder würde er noch eine Vergleichsgebühr oder sowas erhalten? Wie sieht es mit den Gerichtskosten aus? Mir ist da so was von 2.000,00 € in Kopf. Wobei ich die Anwalts- und Gerichtskosten ja in beiden Fällen zahlen muss oder?

Wie würde ich das Ganze angehen, sofern es Sinn macht? Schreibe ich die Gläubiger an und biete Ihnen einen ähnlichen Vergleich an wie seinerzeit? Was ist, wenn einer ablehnt, die anderen aber zustimmen? Muss ich hier die prozentuale Verteilung beachten oder kann ich den Gläubigern theoretisch anbieten, was ich möchte?

Das Gute in meinen Augen wäre, dass ich die Ganze Sache noch dieses, spätestens nächstes Jahr erledigt haben könnte anstatt erst 2018.

Ich hoffe, Ihr könnt mir noch ein paar Denkanstöße und Tipps geben, vielen Dank auf jeden Fall schon mal im Voraus.

LG

Exberliner
22.04.2014, 15:45
Du befindest Dich seit 14.09.2012 in der WVP. Wann wurde das Insolvenzverfahren eröffnet?

Gläubiger sind ein eigenartig Ding. Was sie gestern noch akzeptierten muss Ihnen heute nicht mehr gefallen. Gerade Banken lassen sich sich kaum auf Vergleiche ein. Sie sind teilweise durch Kreditausfallversicherungen abgesichert. Dies Kreditausfallversicherungen zahlen aber nur wenn die Bank nachweist, dass die Forderung uneinbringbar ist. Der Nachweis ist bei einem laufenden Insolvenzverfahren gegeben. Sollte Deine Gläubigerbank eine solche Versicherung haben wird sie ihre Versicherung längst in Anspruch genommen haben und kann nun nicht einfach einem Vergleich zustimmen. Warum sollte die Bank jetzt einem Ratenzahlungsvergleich zustimmen? Raten bekommt sie auch im Insolvenzverfahren, wenngleich auch nur in Form einer jährlichen Ausschüttung.
Ausser den Vergleichszahlungen müsstest Du die Verfahrenskosten sofort bezahlen. Diese belaufen sich bei einer Verbraucherinsolvenz, inclusive TH - Kosten, auf die genannten ca. 2000,-- €. Wenn Du Stundung für das Verfahren beantragt hattest musst Du komplett die Kosten berappen, die bis zur Erteilung der RSB auflaufen. Genaues zu diesen Beträgen wird Dir nur Dein Insolvenzgericht sagen können.
Wenn Du Vergleiche anbieten willst sollte dies über einen unbeteiligten Dritten erfolgen. Machst Du es selbst gibt es garantiert Kuddelmuddel.
Lehnt ein Gläubiger ab und die anderen stimmen zu dürfte der angestrebte Vergleich hinfällig sein. Gläubiger in einem Verfahren zu bevorzugen ist ein Versagungsgrund für die RSB. Es sei denn Du befriedigst die Gläubiger nachweislich aus dem unpfändbaren Einkommen.
Schau am besten erst einma wann die VI eröffnet wurde, vielleicht musst Du ja gar nicht mehr bis 2018 im Verfahren sein.

Gruß
Exberliner

Klaus
22.04.2014, 18:02
Im Prinzip kannst Du in der WVP natürlich anbieten, was Du willst. Ein Ratenzahlungsvergleich würde aber zum jetzigen Zeitpunkt in den Zeitraum reinragen, für den Dein Insolvenzverwalter aufgrund deines Jobs auch die Hände aufhalten wird. Du müsstest also deutlich mehr anbieten als die 105,00 wenn Du alle Gläubiger überzeugen willst. Für realistisch halte ich es nicht, weil Du alle Gläubiger überzeugen müsst. Und die werden auch wissen wollen, wie Deine finanziellen Verhältnisse aktuell und perspektivisch sind. Denen dann vorzuenthalten, dass Du einen Job annehmen wirst, aus dem Sie etwas über das reguläre Verfahren bekommen werden, würde späteren massiven Ärger, wenn nicht Anfechtung produzieren.
Wenn Du jetzt noch etwas regeln wolltest, dann im Wege einer Einmalzahlung, dass aber ganz schnell durchzuziehen, ist auch schwierig. "Haste makes Entschuldung waste". Die Verfahrenskosten kämen ja auch noch drauf. Ich rate ab. Freu Dich auf den neuen Job und die Perspektive, in einigen Jahren Schuldenfrei zu sein.Es ist halt so, wie es ist. Gruß Klaus