PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Insolvenz und Angst vor der Zukunft



Minze
14.04.2014, 18:47
Hallo an alle TN!
Stehe vor der Entscheidung in die Insolvenz zu gehen. Bin in der Schuldnerberatung , jedoch bleibt es meine Entscheidung.
Momentan habe ich einfach nur Angst diesen Schritt zu gehen. Habe das Gefühl, das Leben wäre damit zu ende.
Ich bin gescheitert und wenn die Insolvenz zu ende, Mitte 50...
Habe einen Beruf, Arbeit, meine Kinder sind groß und leben nicht mehr bei mir. Durch das Alleinerziehender-Dasein habe ich ca. 20 Euro Schulden aufgesammelt. Ich schäme mich, auch vor meinen Kindern (die wissen noch nichts davon ), fühle mich als ein kompletter Versager, sehe keine Zukunft für mich. Habe einfach Angst.
Entschuldigt den jämmerlichen Ton, hätte es niemals für möglich gehalten...
Wer hatte diese Ängste und schwankte zwischen der Insolvenz und dem Alleine-Sich-Durchkämpfen-Wollen?

Danke und liebe Grüße

Minze

joshua64
14.04.2014, 18:51
Für 20 Euro musst du aber nicht in die Inso.

Minze
14.04.2014, 18:55
Das stimmt!;) Es wäre schön, wenn das 20 Euro wären.
Es sind 20.000 ....schon beim Schreiben wird mir schlecht...

joshua64
14.04.2014, 19:00
Das stimmt!;) Es wäre schön, wenn das 20 Euro wären.
Es sind 20.000 ....schon beim Schreiben wird mir schlecht...

Warum,ich bin mit 500000 in die Inso. Mir wurde nie schlecht. Ich vermute eher,den Sachbearbeiter bei der Bank wurde ganz böse schlecht.
Nimms locker. Ein Neuanfang ist immer gut.

Minze
14.04.2014, 19:08
Die Schulden habe ich auch bei der Bank, bei der ich zuletzt 200,-Euro monatlich abbezahlt habe.
Bis es irgendwann nicht mehr ging , weil ich weniger Einkommen hatte.
Habe insgesamt 4 Gläubiger , mit denen ich erstmal verhandeln muss (also die Schuldnerberatung tut es für mich)...
und eine kleine Hoffnung, dass ich alle in Raten von 150,- Euro zufriedenstellen kann...
Ich weiß aber auch , dass diese Raten jahrelang hängen bleiben und das macht mir auch Sorgen, denn wer weiß, was noch kommt. Wenn ich in die Insolvenz gehe, habe ich das Gefühl, ich hätte sie alle Veräppelt...(ob die Bank sich so fühlt, weiß ich nicht, aber ich empfinde es so...als ob ich sie betrogen hätte...)
Weiß nicht, was ich machen soll. Das Schamgefühl ist groß, das Versagen auch. Ich habe das Gefühl ein Mensch 2.Klasse zu werden...damit komme ich nicht klar...

Minze
14.04.2014, 19:12
Habe das Thema bewertet: es IST schrecklich!

Minze

konsumbefreit
14.04.2014, 19:19
Durch das Alleinerziehender-Dasein habe ich ca. xxx Euro Schulden aufgesammelt.

Durchs Alleinerziehen häuft man keine Schulden an.
Hier wird niemand über die urteilen, doch ist das wichtigste vor der Inso, dass Du selbst Dein Fehlverhalten einsiehst... so sehe ich das zumindest.

Wenn Du keine Fehler in Verhaltensmuster erkennen kannst, dann bringt der Spass langfristig keine Ruhe ins Leben.


Ich bin gescheitert und wenn die Insolvenz zu ende, Mitte 50...

Ich vermag daran nicht schlimmes zu erkennen, im Gegenteil...


Wer hatte diese Ängste und schwankte zwischen der Insolvenz und dem Alleine-Sich-Durchkämpfen-Wollen?

Jeder... glaub´mir.


Insolvenz und Angst vor der Zukunft

Wie wäre die Einstellung zur Zukunft denn ohne die Möglichkeit der Restschuldbefreiung gewesen?

konsumbefreit
14.04.2014, 19:23
Habe das Thema bewertet: es IST schrecklich!

Minze

Was ist denn genau so "schrecklich" daran, eine lohnenswerte Perspektive im Leben zu haben? Der Abschied von einer Lebensweise die man sich nie leisten konnte? Ein Leben ohne Konsumzwang und Druck?
Es soll Menschen geben, die sich sehr viel freier ohne ständige Ängste fühlen.

Minze
14.04.2014, 19:36
Mein Konsumverhalten...ja, sicherlich kann ich es verändern.
Ich will auch nicht einen Schuldigen suchen, die Schulden habe ich gemacht: einen Teil aus der Ehe mitgenommen (manche Verträge des Exmannes liefen auf meinen Namen), zusätzlich habe ich mit mehreren Kindern allein erziehend nur eine halbe Stelle gehabt , ad ich eine Ausbildung absolvierte. Jetzt habe ich zumindest eine sichere Arbeitsstelle und einen guten Beruf.
Vielleicht war es verkehrt (ja, es war falsch), den Kindern nicht alles, aber zumindest das bieten zu wollen, dass sie trotz Scheidung und Trennung "heile" ihre Kindheit , Schulzeit leben können. Weniger wäre jetzt auch bei mir weniger...es ist ist nun mal so geworden. Ich bin nicht verbittert und suche die Schuld nicht bei den Kindern,dem Ex..etc. Versuche seit Jahren zurecht zu kommen, scheinbar misslungen. Jetzt ist da auch noch mein Stolz, der sich beledigt fühlt-das macht die Geschichte mit der Insolvenz nicht leichter...
Ich weiß nicht was auf mich zukommt, dieser Treuhänder , ist das eine Art Kontrolleur? Spitzel? Bin ich dann entmündigt? Im Visier?...Vielleicht dumme Fragen...die machen mir aber Bauchschmerzen....:-(( Sorry!

anja39
14.04.2014, 20:04
Ich schäme mich, auch vor meinen Kindern (die wissen noch nichts davon), fühle mich als ein kompletter Versager
Und Du meinst, Deine Scham wird verschwinden, sobald Deine Kinder z.B. im Internet von Deiner Insolvenz erfahren?

Was ich damit sagen will:
Die Offenheit, die Du Dir selbst gegenüber benötigst, um mit Deiner Situation umgehen zu können, bedingt natürlich auch Offenheit gegenüber Deiner eigenen Familie.
Ich denke doch, dass Du in der Lage sein wirst, den Kindern reinen Wein einzuschenken, ohne dies mit einem Vorwurf zu verbinden, dass eben diese Kinder daran schuld sind. Also solltest Du dies im ersten Schritt schon mal umsetzen, um Dich nicht auch weiterhin vor denen qusi verstecken zu müssen.

Minze
14.04.2014, 20:14
Natürlich würde ich es meinen Kindern niemals vorwerfen: nicht SIE haben die Schulden gemacht...
Ich bin mir noch nicht schlüssig, was ich machen soll.
Bin momentan einfach ratlos und kann keine Entscheidung treffen.

anja39
14.04.2014, 20:25
Eine Entscheidung können WIR Dir allerdings nicht abnehmen.

Wir können Dir allenfalls versichern, das Treuhänder keine frauenmordende Monster sind, und dass die Insolvenz in Fällen wie Deinem der beste Weg ist, alten Ballast abzuwerfen.

Minze
14.04.2014, 20:38
Wie spürt man die Insolvenz im Alltag, im Leben, welche konkreten Änderungen finden statt, auf was muss ich dann achten...
Wie reagiert der Arbeitgeber? Erfahren es womöglich die Kollegen?
Das sind Fragen, die mich beschäftigen...
Und immer wieder das Gefühl, im Leben versagt zu haben.

joshua64
14.04.2014, 20:58
Und du meinst,es ist besser,wenn sich die Gerichtsvollzieher bei dir die Klinke reichen ? Oder ein Gläubiger pfändet deinen Lohn beim Arbeitgeber oder der Bank ? Es gibt viele Möglichkeiten, wo ein GV oder Gläubiger aktiv werden kann.
Da würde ich die Ruhe einer Insolvenz vorziehen. Denn da ist die Gewissheit, das es nach 6 Jahren zu Ende ist.

joe085
15.04.2014, 00:06
Hallo minze!

Genau die gleichen gedanken hatte ich mir damals, weit vor der Inso, auch gemacht. Und habe dann noch viele Monate gezögert, weil ich der Meinung war, Inso ist nur was für Versager. Ich war der irrigen Überzeugung, alleine durch "Ratengeschaukel" und ein paar Jahre Geduld schaffe ich das!

Ein Gläubiger hat mir dann die Augen mit einer Kontopfändung geöffnet; erst da war ich bereit, diesen Schritt in die Inso zu gehen.
Wie es dir geht, kann ich zu 100% nachvollziehen - und kann dich beruhigen:

- es wird sich mit Sicherheit niemand (ausser deine Gläubiger) dafür interessieren
- wenn du (wie schon erwähnt wurde) offen gegenüber dir selbst und deiner Familie bist, wird da niemand ein Problem haben
- mit dem Treuhänder wirst du kaum zu tun haben - du arbeitest, er bekommt mtl. deinen pfändbaren Anteil - fertig
- dein Arbeitgeber wird da kein Problem haben, er überweist lediglich die mtl. Beträge, den Rest bekommst du....

- mit dem Start der Inso wird Ruhe in dein Leben einkehren und du wirst mehr von deinem erarbeiteten Geld haben als vorher (da du nur noch 1 "Rate" zahlst)
- keine Mahnschreiben mehr, keine GV-Besuche - Klasse!
- mit jedem Jahr wir die Last leichter und nach Ende der Inso bist du deine Schulden los!! (...wo andere, die gezögert haben, immer noch mit ihren "Ratenvereinbarungen" dahindümpeln..)

Allerdings würde ich an deiner Stelle nicht so lange warten; du wirst sehen, hast du den Schritt erst mal gemacht, wirst du denken "warum nicht schon früher!"

anja39
15.04.2014, 10:21
Und immer wieder das Gefühl, im Leben versagt zu haben.
Naja, wenn wir mal alle ganz ehrlich sind, ist Schuldenmachen allzu häufig die Folge davon, irgendwann im Leben versagt zu haben.
So wie man beispielsweise bei der Kindererziehung oder in der Berufsausbildung oder in der Pflege von Sozialkontakten etc. vielleicht versagt hat.

Die wahre Kunst im wahren Leben allerdings besteht darin, nicht im Versagten zu versinken, sondern aus dem Versagen zu lernen.
Hinfallen - so in etwa steht's bei einem User in der Signatur, ist keine Schande. Schande allerdings ist, nicht mehr aufstehen zu wollen.

Und wenn Du, Minze, Dich jetzt weiterhin um eine Entscheidung herumzudrucksen versuchst, ja, dann kommt dies einem (erneuten) Versagen gleich.
Und diesmal vielleicht sogar einem vorsätzlichen Versagen.

pilic
15.04.2014, 13:18
Hallo Minze,
worauf wartest Du noch?Jeder Mensch macht Fehler.Wir sind keine Roboter.Jeder hat eine zweite Chance verdient und die bekommst Du durch die Privatinsolvenz.
Ich habe durch meine Scheidung und sowie Du,das man den Kindern alles ermöglichen wollte und durch Kredite (für´s Haus) und durch Verlust des Eigenheims eine Menge Schulden angehäuft.
Ohne die Möglichkeit der Inso wäre ich niemals mehr auf die Beine gekommen.Es war die beste Entscheidung die ich in den letzten Jahren getroffen habe.
Mit meinen Insoerwalter hatte ich noch nie Kontakt.Immer nur mit meiner Sachbearbeiterin.Von der Inso merkst Du kaum was.Ausser das keine Mahnungen oder GV´s oder etc bei Dir landen.
Der pfändbare Teil wird vom AG an der Insoverwalter überwiesen und gut is.Der Rest ist für Dich und mit dem Geld kannst Du tun und lassen was Du willst.
Du musst ein paar Regeln einhalten,das war´s...
Ich hoffe ich konnte Dir die Angst etwas nehmen.
Ich kann Dir nur raten...die Privatinsolvenz zu machen...