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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Regelinsolvenz - Anwalt ja oder nein



Mausilein
25.03.2014, 17:14
Hallo liebe Fories,

ich stehe vor einer Regelinsolvenz. Nun weiss ich nicht, ob ich einen Anwalt damit beauftragen soll oder nicht. Gerade habe ich mit einem unverbindlich telefonier. So, wie der das erläutert hat, würde ich gerne einen Anwalt hinzuziehen. Wenn da die Sache mit den Kosten nicht wäre.....

Nun meine Frage: Hat jemand das Verfahren mal ohne Anwalt durchgezogen?

Danke für Eure Hilfe

joshua64
25.03.2014, 17:39
Für eine Regelinsolvenz braucht man eigendlich keinen Anwalt. Der User Exberliner hatte mal alle Unterlagen dazu in einen Thread gepostet. Musst du mal suchen.

TimeBandit
25.03.2014, 17:41
Nun meine Frage: Hat jemand das Verfahren mal ohne Anwalt durchgezogen?

Ja. Ich.

Danke für Eure Hilfe

Gern geschehen.

Grüße
Timebandit

Mausilein
25.03.2014, 17:44
Danke für Deine schnelle Antwort. Die Unterlagen habe ich auch schon gefunden. Klasse !!!

Nur ich sprach gerade mit einem Anwalt. Der sagte mir folgendes: Wenn ich die Liste der Gläubiger erstellt habe, nimmt der Anwalt mit den Gläubigern Kontakt auf. Des weiteren sucht der Anwalt nach weiteren Gläubigern mittels Auskunfteien und nimmt mit denen auch Kontakt auf. Kommt nun im Laufe des Verfahrens oder später noch ein weiterer Gläubiger hinzu, dann kann der Anwalt sagen: Wir haben alles versucht, Gläubiger zu finden. Sie sind zu spät - ihre Ansprüche gelten nicht mehr. Das ist der Vorteil, einen Anwalt zu haben.

Wenn ich bei der Auskunftei Auskunft einhole, sind das dann meine ganzen Gläubiger oder wo kann ich noch Infos einholen? Ich habe Angst, dass ich einen vergessen habe.

Mausilein
25.03.2014, 18:02
@ Timebandit: Wie hast Du die Gläubiger angeschrieben - ich meine mit was für einem Text. Hast Du denen Fristen gesetzt ect?

Exberliner
25.03.2014, 19:15
@ Timebandit: Wie hast Du die Gläubiger angeschrieben - ich meine mit was für einem Text. Hast Du denen Fristen gesetzt ect?

Du musst die Gläubiger nicht anschreiben. Wozu auch.

Fülle den RI - Antrag aus und ab damit zum Gericht.

Wenn Du keine genauen Summen der Verbindlichkeiten hast dann schreibst Du in den Antrag den letzten Dir bekannten Stand.

Wenn Du einen Gläubiger mit zu wenig Summe ansetzt so wird dieser im Rahmen seiner Forderungsanmeldung ganz sicher die seiner Meinung nach richtige Summe angeben.
Gibst Du einen Gläubiger mit zu hoher Summe an dann wird er entweder im Rahmen seiner Forderungsanmeldung korrigieren oder er belässt es bei dieser Summe. Sollte Dir eigentlich egal sein wenn es nur um "Peanuts" in der Abweichung geht.

Im Gegensatz zur Privatinsolvenz ist es bei der Regelinsolvenz nicht sooooooo schlimm einen Gläubiger zu vergessen, denn gerade bei Selbständigen kann schon einmal der Überblick verloren gegangen sein, besonders bei weit zurückliegenden Forderungen.

Ist Dir noch ein Gläubiger im Sinn und Du kannst ihn überhaupt keiner Summe zuordnen, setzt Du ihn mit 1,00 € in die Gläubigerliste ein. Im Rahmen der Forderungsanmeldung wird dann eine entsprechende Korrektur sehr wahrscheinlich erfolgen.

Damit es bei diesen 1,00 € - Gläubigern keinen Stress gibt kannst Du einen entsprechenden Vermerk in die Gläubigerliste setzen um deutlich zu machen, dass Du keinen Überblick über die betreffende Forderung hast.

Ein Anwalt kann in einem RI - Verfahren nichts machen was Du nicht selbst kannst.

Gruß
Exberliner

Ingo
25.03.2014, 22:44
Hi,

Nur ich sprach gerade mit einem Anwalt. Der sagte mir folgendes: Wenn ich die Liste der Gläubiger erstellt habe, nimmt der Anwalt mit den Gläubigern Kontakt auf. Des weiteren sucht der Anwalt nach weiteren Gläubigern mittels Auskunfteien und nimmt mit denen auch Kontakt auf. Kommt nun im Laufe des Verfahrens oder später noch ein weiterer Gläubiger hinzu, dann kann der Anwalt sagen: Wir haben alles versucht, Gläubiger zu finden. Sie sind zu spät - ihre Ansprüche gelten nicht mehr. Das ist der Vorteil, einen Anwalt zu haben.
das finde ich unsinnig. Die Verschuldung bei IN-Verfahren ist per gesetzlicher Definition "unüberschaubar" und anschreiben braucht man Gläubiger wie schon gesagt wurde hier wirklich nicht (aber das verursacht natürlich Kosten...).
Ich empfehle Dir trotzdem, sicherheitshalber kostenlose Eigenauskünfte nach dem BDSG bei der Schufa, Creditreform, Bürgel und Infoscore einzuholen, um evtl. vergessene Gläubiger zu ermitteln und im unwahrscheinlichen Konfliktfall dann nicht unsinnig mit dem Gläubiger zu kommunizieren, sondern dem Gericht Deine Bemühungen für ein vollständiges Gläubigerverzeichnis vorzulegen.

Falls eine für Dich zuständige Schuldnerberatungsstelle auch (ehemals?) Selbständige berät, würde ich auch dort mal nachfragen.

Gruß
Ingo

Mausilein
26.03.2014, 09:54
Hallo @ all !

OH man, ich habe mir soooooooo einen Kopf gemacht. Woher bekomme ich die Zahlen, was ist, wenn ich jemanden vergessen - worst case Situation.....

Aber ich habe hier so liebe nette Leute gefunden, die mir schnell geholfen haben. Ich danke Euch allen.

Viele liebe Grüße

Mausilein

Mausilein
26.03.2014, 15:42
Noch mal eine andere Frage:

1. Thema Auto: Wenn ich damit zur Arbeit fahren muss, kann es mir weg genommen werden? Ich arbeite im Sicherheitsdienst - da muss ich mal irgendwo in die Pampa - fern aller Busverbindungen - zu Arbeitszeiten, wo definitiv kein Bus/Bahn fährt. Noch dazu benötige ich es als Aufenthaltsort, wenn es mal regnet o. ä.

2. Sind Hunde auch pfändbar? Ich habe oft gelesen NEIN! Aber können die sagen: Wenn Hund weg könnte ich das Futtergeld an Gläubiger zahlen.

Info: Sicherheitsdienst auf Minijob - Basis.

Danke für die Antworten

TimeBandit
26.03.2014, 18:04
@ Timebandit: Wie hast Du die Gläubiger angeschrieben - ich meine mit was für einem Text. Hast Du denen Fristen gesetzt ect?

Ich spar mir eine eigene Antwort, da Exi schon alles Aspekte behandelt hat. :)

anja39
27.03.2014, 09:51
1. Thema Auto: Wenn ich damit zur Arbeit fahren muss, kann es mir weg genommen werden? Ich arbeite im Sicherheitsdienst - da muss ich mal irgendwo in die Pampa - fern aller Busverbindungen - zu Arbeitszeiten, wo definitiv kein Bus/Bahn fährt. Noch dazu benötige ich es als Aufenthaltsort, wenn es mal regnet o. ä.

2. Sind Hunde auch pfändbar? Ich habe oft gelesen NEIN! Aber können die sagen: Wenn Hund weg könnte ich das Futtergeld an Gläubiger zahlen.
Gegenfrage: Was würde es Dir bringen, die Antworten hierauf jetzt schon zu wissen?
Sie würden übrigens heißen: Zweimal Jein.

FinLaure
27.03.2014, 10:32
Ansprüche von Haustieren auf Futtermittel sind definitiv nicht pfändbar ;)

Mausilein
27.03.2014, 17:21
@ FinLaure: Naja, ich finde es immer besser zu wissen, was auf einen zukommen kann. Außerdem könnte das den Verlust meines Jobs bedeuten, wenn ich kein Auto mehr habe. Der Hund ist mein Diensthund. Ohne Hund bin ich kein Hundeführer.....

Christian Maltry
27.03.2014, 18:30
Hallo,

nicht verrückt machen: Gegenstände, die zur Fortsetzung der Erwerbstätigkeit erforderlich sind sind nicht pfändbar (§ 811 ZPO). In diesem Zusammenhang sind wohl Auto und Hund solche "Gegenstände" (Der Diensthund im Ruhestand mutiert dann wohl vom Gegenstand zum "Privathund", er fällt als "Rentenhund" ;) übrigens auch unter Vollstreckungsschutz: § 811c ZPO).

cam

Mausilein
28.03.2014, 09:50
Oh - Danke für die Antworten - da bin ich erst mal beruhigt.

kaalstraat
31.03.2014, 14:19
Ein Anwalt kann in einem RI - Verfahren nichts machen was Du nicht selbst kannst.

Moin!

Die Aussage würde ich nicht gerne so stehen lassen.

Als TH/IV kann ich zahlreiche Fälle aufzählen, in denen die Schuldner es sehr bereut haben, so ins Insolvenzverfahren gegangen zu sein. Dies sind hauptsächlich die Regelinsolvenzler, die vorher keine vernünftige Beratung erhalten haben (wie sie Verbraucherinsolvenzler durch die Außergerichtliche meist bekommen). Es kommen immer noch Leute ins Verfahren ohne P-Konto, mit Miteigentum, mit nicht bedachten Anfechtungsansprüchen, mit der Meinung ein Auto sei unpfändbar, mit nicht § 851c ZPO entsprechenden Versicherungen deren Umwandlung mangels Kenntnis nicht erfolgte... Auch stellt sich zurzeit die Frage, ob man den Antrag nach dem 01.07.14 stellen sollte oder unbedingt vorher, z.B. wegen Unterhaltsrückständen?

Ist der Schuldner kenntnisreich und ist die Lage einfach, vielleicht kein Vermögen mehr vorhanden, wird man keinen Anwalt benötigen. Ist der Anwalt im Insolvenzrecht nicht täglich unterwegs, muss es auch keinen Vorteil bedeuten, ihn hinzuzuziehen. Es kommt aber immer auf den Einzelfall an, und eine gute Beratung kann nicht bedachte Punkte aufdecken und sehr wichtig sein. Das weiß man nur leider erst danach, ob sie sich gelohnt hat.

Gruß,
kaalstraat

Claus Triebiger
01.04.2014, 17:14
Hallo,
eine subjektiv von mir sehr hoch empfundene (nicht empirisch ermittelte) Zahl von Rechtsanwälten arbeitet leider honorarzentriert, nicht klientenzentriert, (viele kennen den Begriff "klientenzentriert" nicht einmal, besonders im Insolvenzrecht fehlen solche Kategorien völlig. Es wird also nicht geschaut, was für den Mandanten das Beste ist, sondern das vermeintlich Beste wird vorgegeben, ohne dass ein Möglichkeitenfeld aufgezeigt wurde und der Mandant eine autonome Entscheidung innerhalb dieses Feldes hätte fällen können. Ich beobachte häufig die direktive Beratung. "Sie müssen das und das tun,...."

Nicht selten werden für standardisierbare außergerichtliche Einigungsversuche, 2 bis 3000 Euro als Honorar verlangt, während der Einigungsversuch dann von billigsten Bürokräften praktisch durchgeführt wird. Nicht selten werden außergerichtliche Einigungsversuche durchgeführt, obwohl sie bei klaren Regelinsolvenzlern gar nicht nötig sind, (dass sie nicht nötig sind, wird dem Mandanten nicht gesagt), nicht selten wird schlichtweg das Insolvenzrecht neu erfunden, usw. usw. Die Anwälte, die ich empfehlen würde und die auch den Mandanten und seine Interessen im Sinn haben, kann ich an einer Hand abzählen. Es ist tatsächlich so, als müsste man die berühmte Nadel im Heuhaufen finden, wenn man von außen jemanden in der "Insolvenzszene" sucht, der ernsthaft arbeitet.
Beratung ist notwendig, keine Frage, aber Beratung schwebt zwischen Kunst und Kommerz.
Was oben über anwaltliche Aussagen geschrieben wurde ist schlichtweg entsetzlich. Natürlich treiben diese Aktivitäten das Honorar in die Höhe und über die Objektivität solcher Aktivitäten lässt sich trefflich streiten.


Wenn nun Kaalstraat von häufigen Rechtsproblemen schreibt, vom Bedauern der Schuldner, dass sie keine gute Beratung in Anspruch nahmen, so kann ich aus der Perspektive einer Beratungsstelle, die in der Offenbacher Bronx arbeitet nur sagen, dass solche "Fälle" höchst selten vorkommen. Die meisten Regelinsolvenzler, die uns über den Weg laufen, sind selbst schon sehr belesen und haben meist nur noch einige Spezialfragen. In anderen Fällen stolpern sie in Fallen, die gerade TH oder Insolvenzverwalter aufstellen. Ein nicht vorhandenes Pfändungsschutzkonto müsste eigentlich nach Eröffnung kein Problem werden, wenn nicht einige THs es zum Problem gemacht hätten und Auszahlungen verweigern, die jedem Menschen zuzustehen haben.
Und wieviele Treuhänder versuchen, ganz gegen das Gesetz, im Verbraucherinsolvenzverfahren Anfechtungen durchzusetzen, obwohl sie dazu gar nicht berechtigt sind....

Wie gesagt, es gibt einzelne unter Hundert, ....

Grüße
CT

P.S. für die Teilnehmerin:
mit dem Forum gemeinsam, können Sie es auch ohne Anwalt wagen.
Fragen Sie halt den Leuten hier ein Loch in den Bauch.

hedgelife
04.04.2014, 08:53
Meine Erfahrung ist ähnlich..mit allen Anwälten mit denen ich gesprochen habe , stellte ich bald fest, dass die alle honorarzentriert waren. Die Erstberatung kostet bei denen grundsätzlich 250 Euro..das Geld ist natürlich in bar mit zu bringen. Von einer kostenlosen Erstberatung war nie was zu hören..Das würde dann Sinn machen, denn danach kann man sich entscheiden, ob man dem Anwalt dann das Mandat gibt.

gez. hedgelife..

Geldverkauf
06.04.2014, 23:11
Meine Erfahrung ist ähnlich..mit allen Anwälten ... Von einer kostenlosen Erstberatung war nie was zu hören

Wer hat wo behauptet, dass es kostenlose Erstberatung bei Anwälten gibt?

camilla
07.04.2014, 13:16
Manche Anwälte machen das, gerade im Insolvenzbereich.
Da gibt es eine kostenlose Erstberatung, und das finde ich sehr fair und anständig von denen.
Ist aber wohl selten und auch verständlich, dass Anwälte Geld verdienen wollen und müssen, die leben schliesslich davon

imker
07.04.2014, 21:37
kaalstraat hat eine Einschätzung abgegeben, die nach meiner Wahrnehmung der Tatsachen zufreffend ist.
Zum Anwalt muss keiner.
Wer Ratsuchenden in Insolvenzfragen empfiehlt, nicht zum Anwalt zu gehen, wird dafür Gründe haben.
Nur haftet er nicht, wenns hinterher vom Ratsuchenden das Wehklagen zu begleiten gilt.
@ CT:... und dass hier alle Fragen immer richtig gestellt, verstanden und beantwortet werden, ist ein Wunsch - keine 100%ige Realität.

imker
07.04.2014, 21:46
Beispiel aus der heutigen Arbeit: arbeitsloser Architekt erklärt, im Internet viel gelesen zu haben. Verstanden hat er, dass der IV/TH nicht frei entscheiden kann, ob er nach Verfahrenseröffnung den Arbeitgeber informiert und die pfändbaren Lohnanteile vom Arbeitgeber erwartet. Arbeitsloser Architekt wollte mal zum Gericht, nach dem Rechtspfleger oder IV/TH fragen und besprechen, dass das bei ihm bitte ohne Offenlegung des Verfahrens, sondern mit freiwilligen Zahlungen und Vorlage der Gehaltsabrechnung durch den Schuldner laufen müsse.

Ohne Beratung wird der das wohl so machen, dann bei Verfahrenseröffnung oder im Stundungsverfahren bei kleineren Gerichten erleben, dass man sich an ihn erinnert und die Erwerbspflicht strapaziert, denn wenn das so nicht geht Herr imker, dann unterschriben ich den Arbeitsvertrag mit 3.500 netto oder brutto nicht, denndas ist auch zuwenig.

debtor
08.04.2014, 01:18
Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieses Threads,

der Nutzen engagierter und sachkompetenter anwaltlicher Beratung in komplexeren Insolvenzen steht ausser Frage.

Problem besteht fuer DurchschnittsschuldnerInnen leider darin, geeignete anwaltliche Hilfe zu finden.

Risiko besteht fuer DurchschnittsschuldnerInnen leider darin, ungeeignete anwaltliche Hilfe zu erhalten.

DurchschnittsschuldnerInnen tendieren leider sehr, sehr oft dazu, erst dann, wenn die Krise vor der Tuer steht oder bereits da ist, je nach Mentalitaet, in Panik im Internet oder im Telefonbuch nach anwaltlicher Hilfe zu suchen. Diese unbedachte Suche fuehrt sie dann leider sehr oft zu den ueblichen Verdaechtigen mit den marktschreierischen Angeboten, die versprechen, was sie nicht halten koennen, oder zu Feld-Wald-Wiesen-Anwaeltinnen/Anwaelten, die mit komplexeren Insolvenzen oder generell mit Insolvenzen ueberfordert sind.

Somit ergibt sich die Frage: Wie gelangen in Panik befindliche DurchschnittsschuldnerInnen in oder vor Krisensituationen an engagierte und sachkompetente anwaltliche Beratung zu fairen Bedingungen? Eine allgemeingueltige, hilfreiche Antwort auf diese Frage existiert vermutlich leider nicht.

TimeBandit
08.04.2014, 09:37
Wer hat wo behauptet, dass es kostenlose Erstberatung bei Anwälten gibt?

Ich behaupte das spätestens jetzt und hier. Bei allen Gelegenheiten, die mich in meinem bisherigen Leben in eine Anwaltskanzlei getrieben haben, wurde vom Anwalt/von der Anwältin eine kostenlose Erstberatung durchgeführt. Mit Ausnahme eines auf Insolvenzen spezialisierten Halsabschneiders. Diese eine Erfahrung hat mich davon überzeugt, meine Regel-Inso ohne Anwalt durchzuziehen.

Grüße
Timebandit

Zaphod Beeblebrox
08.04.2014, 10:14
Bei allen Gelegenheiten, die mich in meinem bisherigen Leben in eine Anwaltskanzlei getrieben haben, wurde vom Anwalt/von der Anwältin eine kostenlose Erstberatung durchgeführt.

Haben Sie denen im Anschluss dann jeweils ein Mandat erteilt?

Ich betreue so einige Rechtsanwälte. Einigen von denen geht es wirtschaftlich eher mäßig. Ein Grund dafür ist, dass diese Anwälte nicht in der Lage sind, vernünftige Honorare zu verlangen und durchzusetzen. Eine kostenlose Erstberatung (ich spreche nicht von 10minütigen Grüß Gott-Kennenlerngesprächen) sollte m.E. - im Eigeninteresse und auch im Interesse des Berufsstandes - kein Anwalt durchführen. Sondern die dafür anfallende Gebühr auf das spätere Honorar anrechnen, wenn ein Mandat erteilt wird.

Ansonsten rufe ich jetzt mal eine Kfz-Werkstatt an und ersuche um eine kostenlose Erst-Reparatur. Und bei einem Arzt um eine kostenlose Erstbehandlung. Mal sehen, was die sagen...

Die Grundfrage, ob Anwalt ja oder nein, muß sich halt jeder selber stellen. Wer sich in einer halbwegs überschaubaren Situation befindet, es sich zutraut und im Umgang mit Formularen, Behörden und Gerichten keine Probleme hat, der kann das selber schaffen. Wer nicht, der sollte sich vorsichtshalber helfen lassen.

Ansonsten sollte man das eher ideologie- und vorurteilsfrei sehen. Weder besteht das Gros der Insolvenzanwälte aus geldgierigen Ignoranten, noch sind alle als Schuldnerberater tätigen -ogen und -ologen altruistische Helden des Alltags. Wie immer hat man die Schwierigkeit, den richtigen Berater zu finden. Und das hängt auch davon ab, was man eigentlich braucht. Der eine muß erstmal sozialpädagogisch vorbehandelt werden, der andere braucht das nicht will nur schnell ins Verfahren.

Dass der Herr Triebinger keine Anwälte mag weiß man ja. Aber auch bei Herrn Triebinger geht es letztendlich ums Geschäft (nur zahlt bei ihm halt jemand anders). Und da stört Konkurrenz halt.

TimeBandit
08.04.2014, 10:31
Haben Sie denen im Anschluss dann jeweils ein Mandat erteilt?



In einem Fall nein, weil der Anwalt auf Grund der erörterten Sachlage die Durchsetzungsfähigkeit meines Anliegens mit "nahezu aussichtslos" beurteilte. In einem anderen Fall nicht, weil die Anwältin nach dem ausführlichen Gespräch zu der Überzeugung kam, dass mir ein Kollege einer befreundeten Kanzlei besser helfen könne als sie, in allen anderen Fällen: Ja.

Grüße
Timebandit

Zaphod Beeblebrox
08.04.2014, 11:18
In einem Fall nein, weil der Anwalt auf Grund der erörterten Sachlage die Durchsetzungsfähigkeit meines Anliegens mit "nahezu aussichtslos" beurteilte. In einem anderen Fall nicht, weil die Anwältin nach dem ausführlichen Gespräch zu der Überzeugung kam, dass mir ein Kollege einer befreundeten Kanzlei besser helfen könne als sie,

Der zweite Fall ist diskutabel. Im ersten Fall haben Sie eine ordentliche Beratung erhalten und Sie sind auf Basis dieser Beratung zu einem Ergebnis gekommen. Der Anwalt hat gut gearbeitet, wurde dafür aber nicht bezahlt (nicht Ihr Problem, sondern seins). Ist doch eigentlich ungewöhnlich. Trotzdem wird es offensichtlich als selbstverständlich erwartet. Warum, das erschließt sich mir nicht.

imperator
08.04.2014, 12:10
Der zweite Fall ist diskutabel. Im ersten Fall haben Sie eine ordentliche Beratung erhalten und Sie sind auf Basis dieser Beratung zu einem Ergebnis gekommen. Der Anwalt hat gut gearbeitet, wurde dafür aber nicht bezahlt (nicht Ihr Problem, sondern seins). Ist doch eigentlich ungewöhnlich. Trotzdem wird es offensichtlich als selbstverständlich erwartet. Warum, das erschließt sich mir nicht.

Ganz einfach: Ich möchte in einem kurzen aber gezielten Dialog mit meinem Gegenüber eine halbwegs realistische Einschätzung meiner Sachlage und
zumindest ein Empfehlung meiner Vorgehensweise - das kann locker in 15 Minuten dargestellt werden, wenn beide Seiten zügig auf den Punkt kommen.
Ich habe noch nie in einer Autowerkstatt etwas für ein Beratungs-/Analysegespräche gezahlt und werde dies auch mein Leben lang nicht tun.

In ihren genannten Beispielen ist die REPARATUR schon erfolgt oder die ERSTBEHANDLUNG. Beim Anwalt ist noch gar nichts passiert, ausser der eventuellen Situationseinschätzung der Sachlage oder das Rezitieren von Gesetzestexten. Viele haben es sich da in vergangenen Jahren etwas einfach
gemacht und schnell die 190,-€ Erstberatung abgezockt. Übrigens auch der Grund dafür, warum Rechtsplattformen, die für kleines Geld eine Erstorientierung bieten, so gut laufen und sich viele Anwälte dort bereits um 30,- € Honorare intensiv bekämpfen.

Gute Anwälte wissen, dass eine Erstaufklärung eines Mandanten zu einer persönlichen Image-/ und Markenkampagne gehören, um den eigenen Markennamen durch "branding" gezielt durch das Heer der Durchschnittsanwälte zu führen - aber im Marketing waren Juristen schon immer in der hintersten Reihe.

Zaphod Beeblebrox
08.04.2014, 13:43
Beim Anwalt ist noch gar nichts passiert, ausser der eventuellen Situationseinschätzung der Sachlage

Genau damit verdienen Anwälte u.a. ihr Geld. Oder auch nicht.

Oder, um beim Kfz-Beispiel zu bleiben:

Kunde: Auto fährt nicht. Bitte wieder fahrbereit machen.
Werkstatt: führt das aus.
==> Auftrag erfüllt, Rechnung ist zu bezahlen

alternativ:

TimeBandit: Ich habe folgendes Problem und würde gerne klagen. Bitte sagen Sie mir was ich tun soll.
Anwalt: Ich würde nicht klagen, weil...
==> Auftrag erfüllt. Warum keine Rechnung?

Das Problem an der Sache ist m.E., dass der Volksmund glaubt, das bißchen Gelaber des Anwaltes sei nix wert. Ist ja nur eine Einschätzung, usw. Genau das ist aber dessen Arbeit. Warum soll er das umsonst machen?

Und die Anwälte, die für 30 € auf irgendwelchen Rechtsplatformen Statments abgeben tun das auch nur, um an die Mandate zu kommen. Mit diesen Auskünften ist regelmäßig nix anzufangen, weil es da von "wenns" und "abers" und "auf Basis der vorliegenden Informationen" und "ohne Gewähr" nur so wimmelt. Für den Ratsuchenden hat das i.d.R. doch null Substanz.

Aber ein Anwalt der dauerhaft so arbeitet, der schaufelt sein eigenes Grab. Und sollte daher eher in Anwaltskanzleien putzen, statt selber eine zu betreiben. Da verdient er mehr bei weniger Risiko.

Aber das gehört eigentlich alles gar nicht hier her.

TimeBandit
08.04.2014, 15:58
Der zweite Fall ist diskutabel. Im ersten Fall haben Sie eine ordentliche Beratung erhalten und Sie sind auf Basis dieser Beratung zu einem Ergebnis gekommen. Der Anwalt hat gut gearbeitet, wurde dafür aber nicht bezahlt (nicht Ihr Problem, sondern seins). Ist doch eigentlich ungewöhnlich.

Für mich als ehemaligen "Vertriebler" nicht. Ich habe hunderte von fundierten Erstberatungen in allen denkbaren Branchen durchgeführt - dafür - im Falle einer ausbleibenden Beauftragung - eine Bezahlung zu verlangen, wäre illusorisch gewesen. Und bereits vor dem Beratungstermin darauf hinzuweisen, wäre ein inakzeptabler Showstopper gewesen.

Trotzdem wird es offensichtlich als selbstverständlich erwartet. Warum, das erschließt sich mir nicht.

Mir auch nicht. Ich erwarte es auch nicht. Ich habe nur von meinen Erfahrung berichtet.

Grüße
Timebandit