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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Kredit trotz Privatinsolvenz / Versagung der Restschuldbefreiung?



Nexus
15.03.2014, 23:51
Hallo Leute :),

ich bin neu im Forum und ich hoffe, ihr könnt mir weiterhelfen.

Es geht um Folgendes:

Mein Insolvenzverfahren wurde mit Beschluss des Gerichts am 11.2011 eröffnet.
Das Insolvenzverfahren ist bereits geschlossen und die Überleitung in das Restschuldbefreiungsverfahren erfolgt.
Dies ist vorgenommen worden und zwar im Mai 2013.

Meine Frau (schuldenfrei!) möchte ein Einfamilienhaus kaufen, jedoch wird auch mein Gehalt benötigt, da ihr Gehalt nicht alleine ausreicht für eine Baufinanzierung. Somit wäre ich zweiter Kreditnehmer.

Ich habe ein pfändungsfreien Betrag in Höhe von 1200 Euro im Monat

Mein Treuhänder habe ich diesbezüglich schon kontaktiert und er meinte, dass es mir aufgrund der Beendigung des Insolvenzverfahrens und Überleitung in das Restschuldbefreiungsverfahren grundsätzlich freisteht, Darlehensverträge abzuschließen.

Es handelt sich hierbei um eine Neuverbindlichkeit, welches nicht in das Insolvenzverfahren fällt und unterliegt auch nicht der angestrebten Schuldbefreiung.

Ich sollte lediglich die Bank informieren, dass bei mir ein persönliches Insolvenzverfahren mit der Zielsetzung der Schuldbefreiung anhängig ist.

Wenn die Bank einverstanden ist, könnten wir also den Kredit bekommen.

Was mir nur Sorgen macht ist das hier, welches ich im Internet gefunden habe:

Zitat:

" Versagung der Restschuldbefreiung

Erfährt ein im Insolvenzantrag genannter Gläubiger, dass der Schuldner neue Kredite aufgenommen hat, so kann er die Versagung der Restschuldbefreiung verlangen. Aus gutem Grund, denn die Privatinsolvenz wurde ja beantragt, da aufgrund der Höhe der Schulden die Zahlungsunfähigkeit eingetreten ist. Mit der Aufnahme neuer Kredite steht der Schuldner wieder vor dem gleichen Problem wie bereits vor der Privatinsolvenz.

Fazit

Im schlimmsten Fall kommt es nicht zur Befreiung der Restschulden, womit das Ziel der eigentlichen Privatinsolvenz verfehlt wäre. Es ist also strikt davon abzuraten, neue Kredite oder allgemein neue Schulden während einer laufenden Privatinsolvenz aufzunehmen. Wenn der Schuss nach Hinten losgeht, müssen 10 Jahre vergehen, bis ein neues Insolvenzverfahren beantragt werden kann. In dieser Zwischenzeit dürfen die Gläubiger weiter mahnen und pfänden."

____

Bedeutet: Wenn ein Gläubiger (bei mir wäre es u.a. das Finanzamt) erfährt, dass ich ein neuen Kredit aufgenommen habe, ist es also möglich, dass er die Versagung der Restschuldbefreiung beantragen kann? In 3 Jahren bin von der Restschuld befreit und bin komplett schuldenfrei.

Wir haben endlich vor ein Haus zu kaufen, weil es sich momentan lohnt und wir ein Haus gefunden haben, welches auch günstig ist.

Wir sind seit 23 Jahren verheiratet und leben seitdem immer zur Miete! Unsere Miete beträgt zurzeit 700 warm und wir haben 2 Kinder.

Die Bank hat uns bereits ein Angebot gemacht, wo wir monatlich 620 Euro bezahlen.

Im Monat stehen uns ca 2500 Euro zur Verfügung.

Es lohnt sich auf jeden Fall als die ganze Zeit zur Miete zu leben.


Was meint ihr? Wenn eine Bank uns ein Kredit gibt, sollten wir dann zuschlagen oder riskieren wir hierbei eine Versagung der Restschuldbefreiung?



MfG Nexus

debtor
16.03.2014, 01:21
Hallo Nexus,

die Gruende fuer die Versagung der Restschuldbefreiung sind in § 290 InsO aufgefuehrt, Aufnahme neuer Kredite in der Wohlverhaltensperiode gehoert nicht dazu.

Davon unabhaengig ist der beabsichtigte Hauskauf natuerlich nur sinnvoll, wenn der neue Kredit tatsaechlich vertragsgemaess abgewickelt werden kann. Denn platzt die Hausfinanzierung, sind die aus der geplatzten Hausfinanzierung resultierenden neuen Schulden nicht von der durchlaufenen Insolvenz erfasst, das heisst, es wird eine neue Insolvenz erforderlich, die jedoch erst 10 Jahre nach Erteilung der Restschuldbefreiung aus der durchlaufenen Insolvenz beantragt werden kann.

Exberliner
16.03.2014, 03:09
Da sich der TE bereits in der WVP befindet, dürfte § 290 InsO nicht greifen.

Grisu
16.03.2014, 08:14
Was mir nur Sorgen macht ist das hier, welches ich im Internet gefunden habe:

Zitat:

" Versagung der Restschuldbefreiung

Erfährt ein im Insolvenzantrag genannter Gläubiger, dass der Schuldner neue Kredite aufgenommen hat, so kann er die Versagung der Restschuldbefreiung verlangen. Aus gutem Grund, denn die Privatinsolvenz wurde ja beantragt, da aufgrund der Höhe der Schulden die Zahlungsunfähigkeit eingetreten ist. Mit der Aufnahme neuer Kredite steht der Schuldner wieder vor dem gleichen Problem wie bereits vor der Privatinsolvenz.

Fazit

Im schlimmsten Fall kommt es nicht zur Befreiung der Restschulden, womit das Ziel der eigentlichen Privatinsolvenz verfehlt wäre. Es ist also strikt davon abzuraten, neue Kredite oder allgemein neue Schulden während einer laufenden Privatinsolvenz aufzunehmen. Wenn der Schuss nach Hinten losgeht, müssen 10 Jahre vergehen, bis ein neues Insolvenzverfahren beantragt werden kann. In dieser Zwischenzeit dürfen die Gläubiger weiter mahnen und pfänden."

_Wenn man den ganzen Artikel liest, dann widersprechen sie sich mit ihren Ratschlägen in jedem Absatz selbst.....

http://www.ratgeber-geld.de/kredit/kredit-trotz-privatinsolvenz.html
___

Bedeutet: Wenn ein Gläubiger (bei mir wäre es u.a. das Finanzamt) erfährt, dass ich ein neuen Kredit aufgenommen habe, ist es also möglich, dass er die Versagung der Restschuldbefreiung beantragen kann? Nein

Wir haben endlich vor ein Haus zu kaufen, weil es sich momentan lohnt und wir ein Haus gefunden haben, welches auch günstig ist.

Wir sind seit 23 Jahren verheiratet und leben seitdem immer zur Miete! Unsere Miete beträgt zurzeit 700 warm und wir haben 2 Kinder.

Die Bank hat uns bereits ein Angebot gemacht, wo wir monatlich 620 Euro bezahlen. Die sind aber keineswegs "warm". Da würde ich mal sehr genau rechnen, welche einmaligen und laufenden Folgekosten dazu kommen. Gas/Strom, Heizöl, Grundsteuer, Müll, Wasser etc.

Im Monat stehen uns ca 2500 Euro zur Verfügung. Damit würde ich im Leben keine Hausfinanzierung eingehen, wieviel Eigenkapital hat denn deine Frau? Du dürftest ja wohl eher wenig Vermögen beisteuern können.

Es lohnt sich auf jeden Fall als die ganze Zeit zur Miete zu leben.

Halte ich absolut für eine Milchmädchenrechnung und gefährlich naiv. Aber immerhin weiß deine Frau ja schon wie Inso geht.




Was meint ihr? Wenn eine Bank uns ein Kredit gibt, sollten wir dann zuschlagen oder riskieren wir hierbei eine Versagung der Restschuldbefreiung?

Die riskierst du nicht, aber eigentlich sollte man dir wünschen, dass du daran glaubst, damit ihr die Finger davon lasst.



MfG Nexus

LG
Grisu

rike3
16.03.2014, 09:21
Ich habe meine Zweifel, dass die Bank dich als Zweitkreditnehmer überhaupt akzeptieren wird

camilla
16.03.2014, 09:45
Wie hoch ist denn euer Eigenkapital?
Das ist doch eine entscheidende Frage und ich vermute, dass es bei eurer Vorgeschichte ungefährt bei Null liegt.

Es ist, wie Grisu schon sagte, eine sehr gefährliche Milchmädchenrechnung zu denken dass ein Haus nur die Rate kostet.

joshua64
16.03.2014, 13:55
Sofern die Bank euch als Kreditnehmer akzeptiert, spricht nichts dagegen. Ich habe es auch in der WVP gemacht. War eine Gewerbe Immobilie mit einen dazu gehörigen Haus. Es klappt wunderbar und habe es bis heute nicht bereut.

Grisu
16.03.2014, 15:17
Sofern die Bank euch als Kreditnehmer akzeptiert, spricht nichts dagegen. Ich habe es auch in der WVP gemacht. War eine Gewerbe Immobilie mit einen dazu gehörigen Haus. Es klappt wunderbar und habe es bis heute nicht bereut.

Vielleicht sagst du aber auch fairerweise dazu, dass du

Eigenkapital hattest
mit einem anderen Einkommen an den Start gegangen bist
deine Eltern gebürgt haben

Wieso du bei 4 Personen und einem Gesamteinkommen von 2500 Euro, wenig bis kein Eigenkapital, einem "günstigen" Haus (das meist mehr Überraschungen birgt als vorher klar ist), einer Milchmädchenrechnung (620 Euro Kredit ist ja weniger als 700 Euro Miete) nichts findest was dagegen spricht verstehe ich zwar nicht, aber ok.

LG
Grisu

joshua64
16.03.2014, 18:01
Vielleicht sagst du aber auch fairerweise dazu, dass du

Eigenkapital hattest
mit einem anderen Einkommen an den Start gegangen bist
deine Eltern gebürgt haben

Wieso du bei 4 Personen und einem Gesamteinkommen von 2500 Euro, wenig bis kein Eigenkapital, einem "günstigen" Haus (das meist mehr Überraschungen birgt als vorher klar ist), einer Milchmädchenrechnung (620 Euro Kredit ist ja weniger als 700 Euro Miete) nichts findest was dagegen spricht verstehe ich zwar nicht, aber ok.

LG
Grisu

Das hat doch alles nichts mit der Frage des TE zu tun.

debtor
16.03.2014, 19:37
Guten Morgen Grisu,

es kommt auch bei Normalverdienerhaushalten mit Insolvenzmerkmale aufweisenden Mitkreditnehmern zu typischen Eigenheimfinanzierungen.

Fuer die betreffenden Menschen macht der Immobilienerwerb durchaus Sinn, sofern Schuldendienst nachhaltig sichergestellt und sofern finanziertes Objekt OK.

Ingo
16.03.2014, 21:40
Hi,

Zitat:

" Versagung der Restschuldbefreiung

Erfährt ein im Insolvenzantrag genannter Gläubiger, dass der Schuldner neue Kredite aufgenommen hat, so kann er die Versagung der Restschuldbefreiung verlangen.
da Du die Quelle nicht genannt hast, habe ich über Google ratgeber-geld.de ermittelt - eine relativ neue Seite mit kommerziellem Hintergrund eines Betreibers auch ganz anderer Seiten wie riester-ratgeber.de - Fachwissen darfst Du da nicht erwarten. Aber gut, dass Du diesen Rat (http://www.tacheles-sozialhilfe.de/forum/thread.asp?FacId=1929828) vielleicht angenommen hast.

Gruß
Ingo