PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Anfechtbar oder nicht?



Bald
14.03.2014, 07:53
Hallo,

Anfang des Jahres habe ich eine meine jetzige Partnerin kennengelernt. Wir haben offen über meine finanziellen Probleme und der mit großer Wahrscheinlichkeit bevorstehenden Insolvenz geredet. Momentan bleibt mir nur sehr wenig Geld zum Leben übrig, da ich ALG II beziehe und die Kosten meiner Unterkunft nicht angemessen sind. Meine Wohnung möchte ich aber unbedingt behalten, denn wir planen, ab demnächst zusammen zu wohnen. Ein neuer Job steht für mich auch endlich an.

Damit ich monatlich zumindest was das Essen angeht über die Runden komme, hat sie mir etwas Geld geliehen (ca. 200 EUR). Im Gegenzug dafür habe ich ihr einen Wertgegenstand (Musikinstrument) als Sicherheit gegeben. Dieses darf ich noch nutzen, es existiert hier eine schriftliche Vereinbarung zwischen uns.

Ich habe mich etwas in die Insolvenzsachen eingelesen und nun Bedenken, dass der Insolvenzverwalter die ganze Sache anfechten wird. Außerdem muss ich sie dann in die Gläubigerliste übernehmen? Ich kann ihr zwar - wenn ich meinen Job habe - das Geld in Raten zurückbezahlen, aber es wird sich vermutlich mit der Insolvenzeröffnung überschneiden.

Was würdet Ihr in meiner Lage tun, außer natürlich offen mit ihr darüber zu reden? Wie seht Ihr die Situation?

Gruß
Bald

ProgrammPleite
14.03.2014, 09:14
So lange du Schulden bei deiner Partnerin hast gehört sie in die Gläubigerliste. Sie muss dann beim Treuhänder ihre Forderung anmelden und das Sicherungsrecht an dem Musikinstrument geltend machen.
Aus deinem unpfändbaren Anteil darfst du Raten an sie zahlen.

Gruß

ProgPleite

Claus Triebiger
14.03.2014, 09:21
Hallo,
200 Euro für den Lebensunterhalt?
Warum bauen Sie denn einen Vorgang menschlichen Miteinanders, andere nennen es Liebe, gleich zu einem Kapitalverhältnis (Darlehen) um?
Ihre Partnerin unterstützt Sie, weil sie in Not sind. Meiner Meinung nach muss das nicht als Darlehen aufgefasst werden, sondern ´man kann das rechtlich auch als Schenkung werten. Sie werden sie ja sicher, wenn Sie Arbeit haben, ebenfalls unterstützen, indem Sie vielleicht mal einen Einkauf machen, oder bei einem Ausflug das Essen bezahlen, das Benzin? Wollen Sie in Zukunft eine Art ausgleichstabelle anfertigen, mit der am Monatsende ausgerechnet wird, wer wem was gegeben oder wer wem was genommen hat?
Ich würde Ihnen raten, aber das ist ein systemisches Problem, nicht gleich von Anfang an Liebe, gegenseitige Hilfe, in Geld aufzurechnen.
Wenn Sie damit anfangen, stehen am Ende auch Aufrechnungen.
Sie gibt Ihnen Geld, Sie geben anderes, und später vielleicht auch Geld.
Geld ist ein Kommunikations- kein Zahlungsmittel.

Sollte Sie die Sorge um Ihr Musikinstrument der eigentliche Antrieb für diese Konstruktion sein, so ist Ihr Instrument in der InsO nicht verwertbar, wenn sie es beruflich nutzen, sprich wenn sie auch nur die Chance auf ein klein wenig Gage für Auftritte damit haben. Das darzustellen, dürfte doch nicht so schwer sein.

Also noch mal zusammengefasst: Versuchen Sie eine neue Liebe nicht zu kapitalisieren. Geschenke und Gegengeschenke ja, gegenseitige Hilfe auch, Aufrechnungen von Geld und (vermeintlich gegebenen) Dienstleistungen sind für eine Beziehung jedoch überaus gefährlich, sobald das zu einem tragenden Muster von Liebe wird.

Grüße
CT

Claus Triebiger
14.03.2014, 09:24
zu programmpleites beitrag als nachtrag
Schenkung bedeutet dann natürlich, dass sie sich nicht als Gläubiger anmeldet und Sie das eben mit ihrer Partnerin außerhalb des Insolvenzverfahrens "ausgleichen". Es ist wirklich nicht gut, eine neue Liebe gleich von Beginn an zu "verrechtlichen", zumal es nur um 200 EUro geht.

Bald
14.03.2014, 09:27
Also ich bin eher ein Musiker in den Anfängen. Von daher muss ich mein Hobby wohl aufgeben und das Instrument wird verwertet. Oder was ist mit "die Chance auf ein klein wenig" gemeint? In den anderen Punkten haben Sie Recht, ich werde mit ihr reden. Denke mal, dass wir da eine Lösung finden.

jsww
14.03.2014, 09:59
Ich würde das Instrument an die Freundin verkaufen. In Kaufvertrag könnt Ihr ja eine Rückkaufoption für die nächsten 3 Jahre reinschreiben.

Dann kannst Du es wieder zurückkaufen. Oder Sie schenkt es Dir in der WVP zum Geburtstag.

Bald
14.03.2014, 10:16
Ich hätte dann aber das Problem, dass der Verkauf an nahestehende Personen länger anfechtbar ist, als drei Monate. Sehe ich das richtig? Außerdem sähe das seltsam aus, wenn sie ja bald bei mir in der Wohnung mit lebt.

jsww
14.03.2014, 11:57
Am einfachsten wäre sicher eine komplett unbürokratische Lösung wie sie schon eine Vorschreiber angeregt haben :rolleyes:

Wie viel ist das Instrument denn wert?

An die Praktiker im Forum
Würde ein Instrument von 200€ Wert denn überhaupt vom TH verwertet werden.
Wie sähe es denn bei einem Fahrrad des gleichen Wertes aus, mit dem man am WE durch die Gegend radelt?

ProgrammPleite
14.03.2014, 12:50
Also ich gehe mal davon aus, dass es sich bei dem Musikinstrument nicht um ein (materiell) besonders wertvolles Instrument handelt. Dann wäre dieses Instrument ja auch gewissermaßen ein Bestandteil der Teilhabe am gesellschaftlichen/kulturellen Leben und somit nicht pfändbar als Gegenstand der bescheidenen Lebensführung, meiner Meinung nach.
Mach dir aber mal nicht so einen großen Kopf darum. Dein zukünftiger TH wird schon eine Kosten/Nutzen- Abwägung vornehmen und bei der Überlegung auch seinen Aufwand mit einbeziehen. Eine Verwertung von Gegenständen macht ja auch Arbeit und er TH selbst bekommt dafür relativ wenig Geld. Hier im Forum liest man zwar häufig von Problemen mit dem TH, aber ich bin sicher wenn alle bei denen es gut läuft das hier auch schreiben würden dann sähe man dass dies Ausnahmen sind und nicht die Regel. ;-)

Gruß

ProgPleite

Bald
14.03.2014, 13:34
Sehe gerade... habe seinerzeits 395 EUR dafür bezahlt. Das war im September 2011. Damals sah die Welt noch anders aus. Die 200 EUR waren von mir geschätzt.

Bald
14.03.2014, 13:47
Gerade mal einen Fachmann angerufen, der Neupreis ist um 45 EUR gestiegen, halber Neupreis als Gebrauchtpreis ist realistisch, also 220 EUR. Lag ich gar nicht so verkehrt.