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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Insolvenz und Firmenwagen->Umwege



Geschuldeter
03.02.2014, 16:40
Hallo,

ich habe das leidige Problem das ich einen Firmenwagen habe der nach der 1% Methode als geldwerter Vorteil auf das Pfändbare Gehalt angerechnet werden muss.

Da ich erst seit Kurzem in der Insolvenz bin (1Woche), fehlt mir da noch etwas die Erfahrung.
Ich hatte bei meinem AG nachgefragt ob ein Ausschluss der Privatnutzung (vertraglich) möglich ist und ich somit zwar auf die Privatnutzung verzichte(was bei mir ca. 15% der km ausmachen), leider tut sich mein AG schwer damit, da der Aufwand für Ihn größer ist.(ich führe trotzdem parallel ein Fahrtenbuch).

Generell brauche ich den Firmenwagen aber da ich im Aussendienst tätig bin. Hinzu kommt das mein Nettoverdienst mit dem Geldwerten Vorteil an einigen Monaten über den Maximalgehalt liegen könnte (32xx,00 €) und ich dann doppelt bestraft "werden würde".

Gibt es andere Möglichkeiten z.b. über einem Antrag beim Insolvenzgericht um den geldwerten Vorteil zu senken? Bzw. hat jemand Erfahrung mit diesem Problem und Tips? Ich könnte den konkreten Anteil per Fahrtenbuch nachweisen.

VG
Geschuldeter in der PI

imker
05.02.2014, 17:48
Das ist rechtlich und praktisch weitgehend ungeklärt.
Empfehlung: AG bescheinigt, dass er aus Prinzip nur 1% Regelung "macht". Er sollte auch bescheinigen, dass im Betrieb kein Arbeitsplatz vorgehalten wird und keine Fahrten zum Betrieb "privat" sind. Du zeigst dem Gericht mit Fahrtenbuch, dass kein privater Nutzen gezogen wird und bittest darum, dass der Sachbezug bei der Ermittlung des pfändbaren Nettoeinkommens nicht bzw nur mit 15% von 1% zu berücksichtigen ist. Danach mal hier/mir per mai berichten.

jsww
05.02.2014, 19:27
Der AG soll den Wagen wie einen normalen Firmenwagen führen für den auch generell ein Fahrtenbuch zu führen ist. Also das Auto ist nicht mehr "Dein" Firmenwagen sondern eine Firmenh*** .
Entweder enden die Fahrten laut Fahrtenbuch immer am Firmengelände oder es müsste wie oben beschrieben nachwiesen , das am Betrieb kein Arbeitsplatz vorhanden ist und es somit keine privaten Fahrten vom Arbeitsplatz zur Wohnung gibt

Exberliner
05.02.2014, 20:14
Es kommt auf die Art des Aussendienstes an.
Wenn es sich um das regelmässige Aufsuchen eines festen Kundenstammes handelt dann kann es ab 2014 erhebliche Schwierigkeiten ( Stichwort: Neues Reisekostenrecht und 1. Tätigkeitsstätte) geben den Wagen als reinen Firmenwagen ohne Privatnutzung zu führen. Dann muss tatsächlich nachgewiesen werden dass der Wagen zum Feierabend wieder auf dem Firmengelände steht.
Diesen Aufwand scheuen viele Arbeitgeber und gehen deswegen den Weg über die 1% - Regelung.

Gruß
Exberliner

Geschuldeter
07.02.2014, 14:37
Erstmal vielen Dank für die Antworten. Für Fahren von der Wohnung zur Arbeit soll der Wagen aber schon benutzt werden, da ich ansonsten 38 km jeden Tag H+R mit den Öffentlichen fahren müsste! - da sehe ich aber auch kein Problem drin, da ich ja den Weg von uns zur Arbeit separat versteuere, mit den 0,03 %*Listpreis*x KM. Was ich aber ausschließen möchte, sind die weiteren 1% vom Listpreis für die Privatnutzung. Meine Idee war das mir mein AG die Privatnutzung verbietet, aber die Nutzung für den h+R Weg zum Büro + reine Firmenfahrten erlaubt (aber die 0,03 % versteuere ich trotzdem und die würde auch das Pfändbare EK erhöhen, zumindest etwas).

Kostentechnisch habe ich ca. folgende Geldwerten Vorteil:

0,03% ca. 140 €
1% ca. 330 € -->die möchte ich weghaben und dafür keine Privatfahrten mehr machen dürfen.

SUMME: 470 €

Senkung des Geldwerten Vorteils auf 140 € durch Ausschluss der Privatnutzung.

Imker->Deinen Vorschlag werde ich mal aufgreifen.

kaikarl
21.05.2014, 11:27
Hallo an alle,

ich stehe vor ähnlichem Problem - mir wurde ein Job im Außdendienst mit Firmenwagen angeboten. Nun kommt dann auch auf mich das Problem mit dem geltwerten Vorteil zu.

Gut, verstanden habe ich, dass man die private Nutzung ausschließen kann, es somit ein allgemeiner Firmenwagen wird, wie ihn auch ein Monteur z.B. fährt, und ich dann keinen pfändbaren Vorteil erhalte. Hierzu muss dann aber, wenn ich es richtig verstanden habe, nach meiner Arbeitszeit das Fahrzeug wieder auf dem Firmengelände stehen. Nun wird es aber bei mir so sein, das ich zusätzlich ein Homeoffice für die Ausübung meines Jobs betreiben werde, da die Firmenzentrale zu weit weg ist. Gilt dann die Fahrt zu meinem Homeoffice (in meinem privaten Haushalt) als Firmenfahrt oder als private Fahrt?

Konkret - darf der nicht privat genutzte Firmenwagen vor meinem Haus stehen weil sich dort mein Arbeitsplatz (Homeoffice) befindet?

FinLaure
21.05.2014, 11:42
Das darf er nur, wenn Dein Homeoffice als 1. Tätigkeitsstätte zählt (lt. neuem Reisekostenrecht). Das liest sich jedoch in Deinem Post nicht so und damit ist die Heimfahrt als privat anzusehen.

kaikarl
21.05.2014, 11:53
Erstmal danke für die schnelle Antwort.

Was heißt 1. Tätigkeitsstätte genau? Wenn ich in der Hauptzentrale keinen Arbeitsplatz zugeordnet bekomme, da ich ausschließlich im Außendienst und im Homeoffice tätig bin, ist dann mein Homeoffice nicht die 1. Tätigkeitsstätte?

FinLaure
21.05.2014, 12:00
Ein häusliches Arbeitszimmer ist laut BMF niemals eine 1. Tätigkeitsstätte, da es keine betriebliche Einrichtung des Arbeitgebers ist.

FinLaure
21.05.2014, 12:05
Nachtrag:

Schau mal hier: http://www.spesen-ratgeber.de/firmenwagen-versteuern/

Vielleicht rechnet sich für Dich die Fahrtenbuch-Methode, falls Dein Arbeitgeber mitmacht?

kaikarl
21.05.2014, 12:17
Super, danke für den Link. Somit kann ich die Regelung mit dem Fahrtenbuch wählen. Mein Arbeitgeber wird da mitspielen.

Aber du scheinst dich recht gut auszukennen, daher noch eine Verständnisfrage:

Ich wohne und habe mein Homeoffice in Frankfurt. Die Zentrale meines Arbeitgebers ist in Köln. Ich betreue mehrere Geschäfte in Deutschland - fahre also Montag früh von meinem Homeoffice zum ersten Laden in Berlin. Bin die gesamte Woche in ganz Deutschland unterwegs und übernachte in Hotels. Am Freitag fahre ich dann von München nach Frankfurt zu meinem Homeoffice.

Ist das nun alles geschäftlich oder gibt es hier auch private Fahrten?

FinLaure
21.05.2014, 13:56
Müsste meiner Meinung nach geschäftlich sein. So gut kenne ich mich auch leider nicht aus. Ich mache zwar hier in der Firma die Reisekostenabrechnungen, wir haben hier allerdings eher die Standardfälle.

kaikarl
21.05.2014, 14:33
Trotzdem danke. Hast mir geholfen.

Zaphod Beeblebrox
21.05.2014, 21:37
Ein häusliches Arbeitszimmer ist laut BMF niemals eine 1. Tätigkeitsstätte, da es keine betriebliche Einrichtung des Arbeitgebers ist.

Ja, und damit hat er vermutlich keine 1. Tätigkeitsstätte, außer der AG bestimmt eine. Was er vermutlich nicht tun wird. Damit wird der Sitz des AG nur zur 1. Tätigkeitsstätte, wenn der TE dort mindestens 2 Tage pro Woche oder 1/3 seiner Arbeitszeit arbeitet. Das tut er aber wohl nicht. Daher fehlt es an der 1. Tätigkeitsstätte und alle Fahrten sind Reisekosten. Das Auto kann also ruhig vor der privaten Wohnung parken.

Wenn der AG dem TE jetzt die private Nutzung des Kfz ausdrücklich untersagt, dann gibt es erstmal keine Versteuerung eines Privatanteils. Das Finanzamt muss die vertragliche Regelung akzeptieren, außer es kann eine private Nutzung tatsächlich nachweisen. Ein Anscheinsbeweis genügt nicht (mehr).

Unter Insolvenzgesichtspunkten ist -rein praktisch- auch noch zur berücksichtigen, wie sowas i.d.R. abläuft: Der AG versteuert keine private Nutzung, weil er der obigen Meinung ist. Kommt jetzt nach 1-4 Jahren der Lohnsteuerprüfer um die Ecke und versteuert tatsächlich aus irgendwelchen Gründen eine private Nutzung, dann wird erstmal der AG in Haftung genommen. Und der fordert im Anschluss regelmäßig die LSt nicht vom Arbeitnehmer ein. Im Bezug auf das pfändbare Einkommen ergibt sich faktisch keine Auswirkung, weil da keiner mehr dran denkt. Weder der IV noch irgend ein Gläubiger kriegen das mit. Das gleiche gilt im übrigen, wenn der Prüfer irgendwann das Fahrtenbuch verwirft.

Und ohne Ausweis auf der Lohnabrechnung wird sich der IV schwer tun, einen privaten Nutzungsvorteil zu unterstellen. Auszuschließen ist es aber auch nicht.

ProgrammPleite
23.05.2014, 12:05
Eventuell könnte man ja auch noch nachweisen dass der tatsächliche Wert der Privaltnutzung eben nicht der (rein steuerlichen) 1%-Regelung entspricht. Ich glaube dazu habe ich mal ein BGH-Urteil gelesen wo es eben darum ging, dass für die Pfändung nur der tatsächliche Wert der Privatnutzung herangezogen werden kann.

Gruß

ProgPleite