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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Überhöhte Treuhänderkosten?



Simon
20.12.2013, 01:31
Hallo,

Seit Oktober 2011 befinde ich mich in der Privatinsolvenz.
Bin mit 30000€ und 11 Gläubigern reingegangen und habe mittlerweile 38000€ bezahlt.
Nun wurde endlich nachdem ich den Treuhänder mehrfach draufhingewiesen habe ein Abschlussbericht an das Gericht geschickt. Jetzt habe ich die Auflistung der Treuhänderkosten bekommen:
Vergütung für die Tätigkeit als Treuhänder 5379, 01€
Auslagen 1613,17€
Aufwandtsentschädigung 33 €
Umsatzsteuer 19% 1334, 89 €
= 8360, 61 € alleine an Treuhänderkosten

Kommen dann noch Gerichtskosten dazu Zahle ich über 10000 € mehr als ich an Schulden hatte.

Das kann doch nicht sein das ich so viel Zahlen muss, zumal ich ja auch nur 26 Monate in der Privatinsolvenz war.

Weiß jemand ob das so rechtens ist?

debtor
20.12.2013, 01:47
Hallo Simon,

Groessenordnung der von Deinem Treuhaender beanspruchten Kosten duerfte korrekt sein.

Genaue Aussage ist mir mangels Kenntnis der relevanten Rechtsprechung und Kommentare leider nicht moeglich.

Basissatz laut Insolvenzrechtlicher Verguetungsordnung (InsVV):


(1) Der Insolvenzverwalter erhält in der Regel

1. von den ersten 25.000 Euro der Insolvenzmasse 40 vom Hundert,

2. von dem Mehrbetrag bis zu 50.000 Euro 25 vom Hundert,

...


Bei einer einfachen Privat- oder Regelinsolvenz ist Abschlag moeglich, was in Deinem Fall offenbar zur Anwendung kam.

INTI
20.12.2013, 05:21
Es handelt sich vorliegend um einen Treuhänder!

Frage: laufendes Verfahren oder WVP?

Simon
20.12.2013, 10:09
WVP also ich hatte quasi nix und ab dann wurde mein Gehalt gepfändet, da beginnt ja die WVP oder stehe ich da auf dem Schlauch?

INTI
20.12.2013, 11:01
Die WVP beginnt, wenn das laufende Insolvenzverfahren nach dem Schlusstermin aufgehoben bzw. eingestellt wird. Da diese Frage wichtig ist, sollte auch die Antwort richtig sein.

Simon
20.12.2013, 12:03
Ok ich dachte immer die WVP beginnt mit der Eröffnung des Insolvenzverfahren. Warum sollte die auch erst anfangen wenn das Verfahren abgeschlossen ist und zumal (zumindest in meinem Fall) alle Gläubiger befriedigt sind, ist doch eine WVP danach für mich unlogisch.
Naja wie dem auch sei bin ich dann wohl noch nicht in der WVP, da der Treuhänder mit der Anberaumung des Schlusstermins seinen Vergütungsantrag gestellt hat

INTI
20.12.2013, 12:19
OK, dann werd ich die Vergütung mal vorrechnen:

38000,-- Euro (=Verteilungsmasse, die bei Dir wahrscheinlich etwas abweicht, müsste aber als Berechnungsgrundlage genau im Vergütungsantrag stehen) x 15% (= der Satz der dem TH nach der Vergütungsverordnung zusteht) = 5.700,- Euro Vergütung, davon 30% Auslagen = 1.710,-- Euro, zzgl. 33,-- Euro (ich nehme mal an, dass dies beantragte Auslagen für Zustellung sind und somit nicht zu beanstanden) = 7.443,-- Euro + 19% MWSt. = 1.414,17 Euro = 8.857,-- Euro Gesamtvergütung.

Die Vergütung ist damit m. E. nicht zu beanstanden.

TimeBandit
20.12.2013, 13:52
Wobei ich mich eh frage, wozu dieses Insolvenzverfahren gut ist. Wenn innerhalb von 26 Monaten 38000€ Pfändbares erwirtschaftet wurde, war der Gang in die Inso wegen gerade mal 30000€ evtl. etwas überstürzt? Oder gab es da ursprünglich weit höhere Forderungen, die nicht angemeldet wurden?

Simon
20.12.2013, 17:29
Im Nachhinein betrachtet natürlich total unnötig, war bei einer Schuldnerberatung die mir zu diesem Schritt geraten haben nachdem ein Schuldenbereinungsplan von 1-2 Gläubigern abgelehnt wurde.
Und es wurden alle Forderungen angemeldet.

Simon
20.12.2013, 18:10
Kann mir einer Sagen was an Gerichtskosten noch etwa auf mich zukommen?
Muss ich diese Separat zahlen oder wird das von der Insolvenzmasse genommen?

INTI
20.12.2013, 18:38
Werden aus der Masse entnommen.

Klaus
20.12.2013, 18:46
Im Nachhinein betrachtet natürlich total unnötig, war bei einer Schuldnerberatung die mir zu diesem Schritt geraten haben nachdem ein Schuldenbereinungsplan von 1-2 Gläubigern abgelehnt wurde.
Und es wurden alle Forderungen angemeldet.
Grrrrrr.....die Möglichkeit eines gerichtlichen Schuldenbereinigungsplanverfahrens wurden geprüft?! Wie waren die Kopf- und Kapitalmehrheiten im außergerichtlichen Schuldenbereinigungsplan?

Simon
20.12.2013, 19:29
Kann dir leider nicht mehr sagen ob ein gerichtliches Schuldenbereinungsplanverfahrengeprüft wurde, aber denke nicht.
Was sind Kopf und Kapitalmehrheiten? Hatte einen Gläubiger mit ca 18000€ und halt mehrere "Kleinkredite"

Klaus
20.12.2013, 19:36
Hatte der 18.000-Gläubiger den außergerichtlichen Plan abgelehnt?

Simon
20.12.2013, 20:40
Genau sagen kann ich dir das leider nicht, gehe ich aber nicht von aus, da der Gläubiger laut dem Schuldenbereinigungsplan sein Geld schneller wiederbekomme hätte, als wenn der Kredit weitergelaufen wäre.

Habe da nochmal eine andere Frage, Laut §13 InsVV (1) Der Treuhänder erhält in der Regel 15 vom Hundert der Insolvenzmasse. Ein Zurückbleiben hinter dem Regelsatz ist insbesondere dann gerechtfertigt, wenn das vereinfachte Insolvenzverfahren vorzeitig beendet wird.

Dies ist bei mir ja eindeutig der Fall, meint ihr es lohnt sich das Gericht auf diesen § aufmerksam zu machen mit der bitte dem Vergütungsantrag des Treuhänders so nicht zu bewilligen oder ist das eher Sinnlos und zieht dass das Verfahren nur unnötig in die Länge?

Klaus
20.12.2013, 21:03
Yep, aufmerksam machen reicht allerdings nicht, sondern Du solltest einen entsprechenden Antrag stellen.