PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Was muß ich beachten vor der Wohlverhaltensphase



feilbar
21.11.2013, 19:27
Hallo Zusammen,
im März 2013 wurde meine Insolvenz eröffnet und ich befinde mich noch nicht in der Wohlverhaltensphase. Ich habe leider vor der Insolvenz auf Anraten meiner Schuldnerberatung ein P-Konto eröffnet. Die Gehaltspfändung läuft und es gehen jeden Monat ca. 600 - 800 Euro an den TH. Auch bei mir ist es so, dass ich nach Pfändung mehr zur Verfügung hätte als die Grenze des P-Kontos. Mein TH hat schlauerweise(?) mein P-Konto mit 1 Cent "gepfändet". Durch dieses Forum weiß ich nun schonmal dass ich dringend diesen Antrag §850k Festsetzung eines individuellen Freibetrages auf den jeweils vom Arbeitgeber überwiesenen Lohn beim Amtsgericht einreichen sollte. Ich habe noch ein Guthaben auf meinem P- Konto von knapp 900 Euro, an die ich ja auch nicht mehr herankomme. Ich habe auch schon gehört dass man dieses P-Konto umgehen könnte durch ein Guthaben-Konto, dann wohl bei einer anderen Bank (meine erlaubt es nicht). Da ich auf Provisionsbasis im Vertrieb arbeite habe ich jeden Monat ein anderes Gehalt. Nun zu meiner eigentlichen Frage. Gibt es Dinge die ich dringend noch vor der Wohlverhaltensphase tun sollte, ist danach evtl. manches nicht mehr möglich..? Entschuldig wenn ich dumm frage, aber mein TH ist nicht sehr Kommunikation und ich musste mir eh schon alles was ich weiß "ergoogeln" :confused: Ich frage mich nun natürlich wann sich der TH die 900 Euro von meinem P-Konto holt und ob ich die durch evtl. den Antrag §850k noch vor der WVP aufbrauchen sollte :p Danke für eure Hilfe
Angie

Klaus
22.11.2013, 11:15
Hallo Angie, es ist in Deinem Fall (Selbstständigkeit nach HGB und damit schwankenes Einkommen) nicht einfach, so eine Handlungsanweisung für die WVP zu geben. Der TH kann Dich grundsätzlich nach § 295 (2) so stellen, als ob Du eine nichtselbständige Tätigkeit hättest. Dein Einkommen würde dann fiktiv festgelegt und danach bestimmte sich nach der Pfändungstabelle zu § 850 c ZPO, was Du monatlich an ihn abzuführen hättest. Diese Möglichkeit ist manchmal etwas "teurer", aber dafür streßfreier für alle Beteiligte. Viele TH machen das allein schon aus Arbeitserleichterungsgründen so. Ohne Kenntnis der konkreten Zahlen in Deinem Fall kann man allerdings nichts "raten". Bezüglich des Antrags nach § 850 k ZPO weiss du ja schon, was du aktuell machen solltest.

feilbar
22.11.2013, 11:32
Hallo Klaus,
lieben Dank für Deine Antwort. Ich sehe gerade ich habe mich blöd ausgedrückt. Ich bin nicht selbständig. Ich meinte damit, ich habe ein Fixum und zusätzlich Provision und diese
Provisionen schwanken meist jeden Monat, sodass ich jeden Monat ein anderes Gehalt habe. Bin aber fest angestellt. Oder meinst du, ich werde durch mein schwankendes Einkommen so eingestuft.
Danke für Deine Hilfe :)

Klaus
22.11.2013, 11:56
Jetzt wird's klarer. Nein, Dein schwankendes Einkommen führt nicht zur Anwendung des § 295 (2) InsO. Der ist ausschließlich Selbstständigen vorbehalten, wenn es der TH denn so will.

Olaf K
22.11.2013, 16:22
(...)Ich habe leider vor der Insolvenz auf Anraten meiner Schuldnerberatung ein P-Konto eröffnet. (...) Ich habe auch schon gehört dass man dieses P-Konto umgehen könnte durch ein Guthaben-Konto, dann wohl bei einer anderen Bank (meine erlaubt es nicht). (...)

Durch die Insolvenzeröffnung sind sämtliche Konten automatisch "gepfändet", genauer: vom Insolvenzbeschlag erfasst. Ohne P-Konto dürfte die Bank keinerlei Beträge an dich auszahlen, sondern müsste das komplette Guthaben an den Treuhänder überweisen. Insofern ist der Rat der SB ausgesprochen sinnvoll!

Einige Treuhänder sind dazu bereit, die Kontoführung ohne P-Konto zuzulassen, und erteilen der Bank eine entsprechende Freigabe. Meines Erachtens ist dies jedoch eine Minderheit, und in manchen Gerichtsbezirken wird eine Kontoführung im Insolvenzverfahren ohne P-Konto generell nicht geduldet (so z.B. in Bremen). Die Kontoeröffnung bei einer anderen Bank bringt keinerlei Vorteile, weil auch dieses Konto automatisch vom Insolvenzbeschlag erfasst wäre.

Wenn der Treuhänder keine andere Lösung gestattet, ist das P-Konto für dich zwingend und nur Anträge nach 850k ZPO möglich, um an das unpfändbare restliche Guthaben zu kommen.

In der Wohlverhaltensphase sieht die Sache dann wieder anders aus, weil der Insolvenzbeschlag nicht mehr besteht.

Gruß, Olaf