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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Verkauf vor oder nach Gewerbeabmeldung



fastinso
12.10.2004, 15:41
Hallo, ich hätte eine steuerrechtliche Frage. Ich habe tatsächlich einen Interessenten gefunden, der mir meinen Betrieb abkaufen will (Gebäude, Grundstück, Inventar, noch etwas Ware). Mit dem Erlös könnte ich den Großteil meiner Schulden abbezahlen und somit die Insolvenz in letzter Minute verhindern. Aber wie verhält sich das steuerlich - ist es günstiger zu verkaufen
und erst dann das Gewerbe abzumelden oder komme ich besser weg wenn ich
erst das Gewerbe abmelde und dann verkaufe (Einzelfirma)?
Wenn ich den Erlös voll versteuern muss bliebe zuviel übrig und ich müsste doch Inso beantragen. Wenn ich erst abmelde und dann verkaufe fürchte ich
aber Probleme mit der Umsatzsteuer - kann mir jemand weiterhelfen?

KlausH
12.10.2004, 15:54
Ist es nicht sinnvoll, den Verkaufserlös im laufenden Geschäft mit dem Verlustvortrag zu verrechnen ? Und damit die Steuer zu senken ? Ginge das überhaupt, wenn das Gewerbe vorher abgemeldet wurde ? Ich glaube nämlich: nein. Aber ein Experte bin ich auch nicht.

Felsenbirne
12.10.2004, 15:58
Das Finanzamt führt das entweder als Gewerbebetrieb und auch die Immobilie ist irgendwo so veranlagt.
Durch die Abmeldung des Betriebes ändert sich da nichts.

Betriebsvermögen bleibt auch weiter Betriesvermögen.

Achtung Vorsteuerersparniss/ abzug der durch Investionen im Gebäude ausgenutz wurden sind nach Verkauf oder Versteigerung nachträglich automatisch MWST schuld und werden so die Steuerschuld nachträglich ab Veräußerung dem Alteigentümer angelastet.

fastinso
13.10.2004, 13:23
Vielen Dank KlausH und Felsenbirne, aber eigentlich bin ich jetzt noch mehr verwirrt als vorher.
Verlustvortrag wurde bereits wegen anderer Verkäufe ausgeschöpft.
Wenn ich den Betrieb jetzt auflöse und nächstes Jahr privat das Grundstück und das Gebäude verkaufe kann doch kein Gewinn im Gewerbebetrieb mehr anfallen, weil kein Betrieb vorhanden - oder seh ich das falsch, und was
ist mit Vorsteuer für Investitionen gemeint, der komplette Unterhalt, Reparaturen, Neubauten ???? gibt es hierfür ein Zeitlimit, die letzten beiden Jahre wurde eh nicht mehr investiert.
Bin für Hinweise und Erläuterungen echt sehr dankbar, nachdem derzeit das Verhältnis zu meinem Steuerberater etwas getrübt ist.

fastinso
14.10.2004, 16:58
Kann mir hier wirklich keiner weiterhelfen???

Schade!

Felsenbirne
14.10.2004, 17:18
Vorsteuerabzug wird für Langfristige Güter und Immobilien auf 10 Jahre vorgetragen.

Wenn also in das Haus investiert wurde und Vorsteuer so nicht zu zahlen war,
( vielleicht der falsche Begriff ) dann wird theoretisch jedes Jahr 1 / 10 dieser Mehrwertsteuer abgegolten.

Bei mir wurde so 90 % nachveranlagt und zwar als der Betrieb schon 2 Jahre nicht mehr bestand.

Hat nichts mit Abmeldung beim Gewerbeamt zu tun.

Steuertechnisch läuft das dann auf die Person der ehemaligen Personengesellschaft. War bei mir Einzelbetrieb.

Nehmt es bitte heute mit den Formulierungen nicht so genau.

† Matthias Hofmann
15.10.2004, 05:20
Kann mir hier wirklich keiner weiterhelfen???

Schade!Da sollten Sie schon einen Steuerberater fragen, das wird Ihnen hier keiner mit der für Sie notwendigen Sicherheit beantworten können. Wenn Sie mit Ihrem derzeitigen Steuerberater nicht können, gehen Sie halt zu einem anderen. Das ist für einen Steuerberater nicht unbedingt eine höchst schwierige Angelegenheit und sollte in zwei Stunden erledigt sein, die man dann halt nach Stundenhonorar (das man vorher vereinbaren sollte!) bezahlen muß.

Die Betriebsveräußerung im Ganzen führt nicht zu einer Umsatzsteuerbelastung. Die Betriebsaufgabe kann aber einen Vorsteuerkorrekturanspruch des Finanzamts auslösen, womit dann die gezogene Vorsteuer der letzten 5 Jahre (Immobilien 10 Jahre) für abzuschreibende Wirtschaftsgüter anteilig zurückzuzahlen wäre. Das gilt aber nicht, wenn der Erwerber den Betrieb weiter führt, dann entfällt die Vorsteuerkorrektur.

Einkommenssteuertechnisch wird es wohl egal sein, ob die Veräußerung vor oder nach Einstellung des Geschäftsbetriebs erfolgt. Bei Veräußerung davor wäre es eine Betriebseinnahme, die den Gewinn erhöht; ansonsten wird bei Einstellung unterstellt, daß das gesamte Betriebsvermögen ins Privatvermögen übernommen wird. Das wird dann als Entnahme behandelt, wird sich also steuerlich genauso auswirken.

Wie gesagt, das sollte ein Steuerberater prüfen und beantworten.

Matthias Hofmann