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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Probleme in der Beziehung wegen Inso



Silly
21.02.2005, 19:50
Salü!
Schon seit geraumer Zeit verfolge ich dieses Forum, und ich finde es sehr aufschlussreich! Es würde mich einmal interessieren, ob andere Forumsmitglieder auch sehr viele Probleme in der Beziehung wegen der Inso haben.
Ich selber habe riesengroße Probleme in meiner Beziehung seit ich im November 2003 in die Inso ging. Im Jahr 1999 lernten wir uns kennen, da war ich noch selbstständig etc.Mir ging es "gut",d.h. ich konnte meinen eigenen Lebensunterhalt + Wohnung bestreiten. Im Jahr 2000 musste ich Inso anmelden. Von diesem Zeitpunkt an war ich völlig überschuldet (durch diese Selbstständigkeit). Die nächsten 3 Jahre musste ich immer bis zur Pfändungsgrenze meine Gläubiger befriedigen. Endlich im November 2003 fing meine WVP an. Bis dorthin hatte ich auch Arbeit, daher bin ich zum Partner mit in seine Wohnung gezogen(Miete 900,00€). Natürlich mit der Option 50/50 (alle Kosten werden geteilt). Das ging leider nur solange gut, bis ich arbeitslos wurde(arbeitslos seit August 2004). Auf einmal war es mir nicht mehr möglich, diese Hälfte der Miete in Höhe v. 450,00€ zu bezahlen... Und ab da hing der "Haussegen" schief, wie man so schön sagt. Ich konnte mit den paar "Kröten" ALH einfach nicht mehr mithalten.Neuer Job nicht in Aussicht, und seit Januar 2005 beziehe ich ALG II, und kann mich nicht einmal mehr annähernd an den Kosten beteiligen. Ich bekomme jetzt 484,00€ ALGII, wobei ich davon 150,00€ für die Miete bezahle. Nun muss ich allerlei verbale Angriffe über mich ergehen lassen, wie z.B." Es ist unheimlich schwer mit jemandem zusammenzuleben der Inso hat" etc. oder "so kann es nicht weitergehen, dass Du Dich nicht mehr mit 50% an den Unkosten+ Miete bezahlen kannst".. usw. usw. Fakt ist, jeden Tag wird wegen dem "nicht vorhandenen Geld" gestritten.. Die Beziehung ist fast am Ende. Und ich kann es nicht glauben, das es nur wegen des Geldes auseinander gehen soll...
Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass mein Partner aufgrund eines Geldsegens seit 1,5 Jahren nicht mehr arbeiten muss... das zehrt natürlich schon.. ich kämpfe jeden Tag ums Überleben.. und der andere wirft die Kohle "zum Fenster" raus, und muss nichts dafür tun.. Das gibt unheimlich Spannungen.
Jetzt höre ich mich bestimmt sehr zynisch an, aber so ist es nun einmal.
Es würde mich einfach mal interessieren, ob es "normal" ist, dass eine Beziehung wegen der Inso auseinander geht, bzw. dass der Partner nicht damit klar kommt.
Danke für Eure Antworten!
Silly

FS
21.02.2005, 20:06
Nun muss ich allerlei verbale Angriffe über mich ergehen lassen, wie z.B." Es ist unheimlich schwer mit jemandem zusammenzuleben der Inso hat" etc. oder "so kann es nicht weitergehen, dass Du Dich nicht mehr mit 50% an den Unkosten+ Miete bezahlen kannst"..

Was hat denn diese Einstellung noch mit "Partnerschaft" zu tun? Dein "Partner" sieht in dem Zusammenleben offensichtlich nur eine Zweckgemeinschaft bzw. will Dich loswerden.

Um Deine Frage zu beantworten: nein, es ist nicht normal, dass eine Beziehung durch eine Inso zwangsläufig in die Brüche geht.

Grisu
21.02.2005, 20:09
Ähm, irgendwie wunder ich mich grad das du mit dem Partner zurecht kommst Silly. Sorry wenn sich das hart anhört, aber du knappst rum und er muß vor lauter Geld nicht mal arbeiten und nölt mit dir rum, weil du kein Geld mehr hast?

Ich meine, sicher gibt es mal Spannungen in einer Beziehung wenn die Miete schwer zu bezahlen ist, oder der Kühlschrank eher leer bleibt, aber da knapsen dann beide dran rum und haben eher nichts. Aber eine gute und gesunde Beziehung hält das aus.....oder nach dem Motto "jetzt erst recht". Wenn aber der eine sich locker um den anderen kümmern könnte, stattdessen aber draufhaut..... :confused: *kopfschüttel*

Liebe Grüße
Grisu

MORPHEUS
21.02.2005, 20:16
Ich schlage in das gleiche Holz wie meine Vorschreiber... wobei ich selbst in einer derartigen Beziehung lebe und weiß, daß es nicht immer einfach ist. Du lebst natuerlich jetzt auch in einer wirtschaftlichen Abhängigkeit, was die Sache natürlich nicht gerade leichter macht. Aber nüchtern betrachtet solltest Du Paroli bieten und wenn das nicht akzeptiert wird, dann hast Du den oder die falsche/n Partner/in!! (Erst recht wenn Geldsegen da ist...wobei ich durchaus jeden verstehen kann, der einen faule Taugenichts nicht auf Dauer damit durchfüttern möchte - aber den Eindruck wirst Du ja wohl kaum erwecken?!!)

MORPHEUS

berend2805
21.02.2005, 23:02
Natürlich geht die Beziehung nicht wegen der Inso auseinander. Offensichtlich ist es aber bei Euch so (wobei es natürlich immer schwer ist, ohne weitere Kenntnis und aus der Ferne Psychologe zu spielen), dass der eine grundsätzlich andere Vorstellungen hat als der andere. Und offensichtlich macht er seine Vorstellungen zum Maßstab für das Gelingen der Beziehung. Das kann nicht gut gehen, wenn der eine "das Sagen" hat und der andere "frisst" oder "stirbt".

Ich bin jetzt seit fast fünf Jahren mit meiner Frau zusammen, fast genauso lange bin ich auch schon mit Insolvenz und jetzt angelaufener WVP tätig, und es hat sehr sehr lange gedauert, bis ich mit dem, was ich hatte (und damit auch ohne das, was ich nicht hatte), angenommen wurde. Ich habe immer wieder das Maul aufgemacht und versucht klarzumachen, dass ich mich über vieles definiere und dass die Tatsache, Geld zu haben (bzw. kein Geld zu haben) nicht dazu gehört. Natürlich muss ich soweit wie möglich für mein Leben und meinen Lebensunterhalt sorgen und auch versuchen, nicht irgendwann als "Schmarotzer" durch die Welt zu wandern. Aber der andere muss auch gucken, wo seine Maßstäbe sind, und wenn die nicht zum Gegenüber passen, dann muss man was tun, um die Maßstäbe anzupassen. Und wenn das dann irgendwann nicht mehr geht, dann müssen die beiden sich trennen, dann ist nämlich sozusagen die "Geschäftsgrundlage" der Beziehung entfallen, und die "Geschäftsgrundlage" lautet u.a.: "in guten wie in schlechten Zeiten...".

Mittlerweile steht bei mir die Arbeitslosigkeit vor der Tür (ab März), aber auf der anderen Seite ist meine Frau auch mittlerweile in einer finanziell viel engeren Situation, und wie es weitergeht bei ihr, ist auch noch nicht klar. Und da muss ich ganz klar sagen (nein, das meine ich nicht ironisch, zynisch oder anders böse): eigene Not steigert das Verständnis für die Not eines anderen Menschen ganz erheblich. Und es hat auch etwas befördert, was ich in dieser Art und so entschlossen noch bei keiner anderen Frau erlebt habe, es fördert das WIR-Gefühl.

Langer Rede kurzer Sinn: Guck, was Du aushalten kannst, ohne Deine WÜRDE zu verlieren. Wenn Du das Gefühl hast, dass die verloren geht, dann wird es Zeit.

Ingrid
21.02.2005, 23:17
lieber brücke als das was ihr habt

LG
Ingrid

Gertrude
22.02.2005, 11:11
In einer eheähnlichen Gemeinschaft mit einem vermögenden Partner zu leben, und trotzdem ALG2 zu bekommen???

Üblicherweise wird in so einer Konstellation doch jeder cent verweigert?

Gruß, Gertrude

Silly
22.02.2005, 18:28
Hallo!
Recht herzlichen Dank für die Antworten, die mir wirklich geholfen haben! Vermutlich wollte ich meine eigene Meinung und meine Gefühle über diese Beziehung (oder was noch davon übrig ist..)einmal von einer ganz neutralen Seite beleuchtet haben.Auch wollte hier auf keinen Fall einen "Seelenstrip" hinlegen, nur ist es so, dass es im meinem Bekanntenkreis niemanden gibt, der in einer ähnlichen Situation ist wie ich. Das heisst in meinem Bekanntenkreis geht es allen "gut", was heissen soll, niemand ist arbeitslos und alle haben ein regelmäßiges und gutes Einkommen. Wie Berend 2805 auch schon schrieb fehlt den Menschen manchmal auch einfach das Verständnis für gewisse Lebenslagen wie z.B. Inso und Schulden, bzw. können so etwas nicht "wirklich" beurteilen. Daher tat es mir gut, hier einmal wie gesagt neutrale Meinungen zu bekommen. Danke!
Auf die Frage von Gertrude: Jeder hat seine eigenen Kosten zu bezahlen. Da gibt es einen Untermietvertrag und wir sind eine "Wohngemeinschaft". Und als eine solche definiere ich es auch. Es gibt kein "in guten wie in schlechten Zeiten". Das hätte mir gerade noch gefehlt, dass ich kein ALGII bekommen würde. Dann hätte ich ein Riesenproblem gehabt.
Ich wünsche Euch eine gute Zeit!
Silly

auf d.. schnelle
22.02.2005, 19:16
Andersrum wird ein Schuh draus.
Nicht die Inso stört eine gute Beziehung, sondern eine schlechte Beziehung stört die Inso.

Silvia
22.02.2005, 22:14
In einer eheähnlichen Gemeinschaft mit einem vermögenden Partner zu leben, und trotzdem ALG2 zu bekommen???

Üblicherweise wird in so einer Konstellation doch jeder cent verweigert?

Gruß, GertrudeDas könnte sich bald ändern!!

http://www.sozialgerichtsbarkeit.de/esgb/show.php?id=22065&s0=&s1=&s2=&words=&sensitive

Feuervogel
07.03.2005, 20:25
Die Beziehung ist fast am Ende. Und ich kann es nicht glauben, das es nur wegen des Geldes auseinander gehen soll...Silly

Hallo Silly,

DIE Beziehung iST am Ende. Dein sog. Partner verhält sich alles andere als partnerschaftlich und will Dich "entsorgen". Daran Schuld ist nicht das Geld, sondern sein Charakter. Sei froh, wenn Du diesen Mann los bist. Es muß doch furchtbar sein für Dein Selbstwertgefühl, so behandelt zu werden. Offensichtlich hat er sich in Dein Image verliebt (selbständige erfolgreiche Frau) und nicht in den Menschen. Vergiß ihn und zieh aus. Es gibt auch nette WGs.

Grisu
07.03.2005, 23:17
Stimmt leider Feuervogel :(

manchmal hilft leider nur ein Ende mit Schrecken, auch wenn's weh tut.

LG
Grisu

fit-for-future
08.03.2005, 01:04
.. auch als Mann gebe ich meinen Vorschreiberinnen recht, wenn in einer solchen Situation, in der Du dich befindest nicht mal mehr der Rückhalt seitens deines Partners erfolgt, entschuldige bitte den Ausdruck, dann melde auch die partnerschaftliche Insolvenz an ...
Jeder, der diese Situationen nicht durch macht, kann es nicht nachvollziehen und wenn dann noch das Verständnis und die Anerkennung fehlt, auch die Entscheidung, den Schritt in die Inso zu gehen, verdient Anerkennung, dann ist leider auch die Partnerschaft insolvent.

Pancho
08.03.2005, 18:42
Silly,

mach dich vom Acker, bevor deine "Beziehung" dich seelisch ruiniert.

Dreh´die Konstellation doch einfach einmal um.
Du würdest nicht eine Silbe über einen höheren Anteil deinerseits verlieren,im
Gegenteil, du würdest gerne geben und darüberhinaus versuchen deinen
Freund moralisch aufzubauen, oder?

Gruß
Pancho

Silly
10.03.2005, 18:48
Hallo!

herzlichen Dank für Eure Antworten und Eure Ratschläge! Ja, ihr habt mir das bestätigt, was ich eigentlich schon vermutet habe. Aber in den letzten Jahren ist mir glaube ich der Sinn einer "guten Beziehung" abhanden gekommen...bzw. merke ich jetzt erst, wie schlecht es gelaufen ist. Das ist traurig und abscheulich zugleich. Aber "Frau" ist auch nicht alle Tage in so einer Lage(Inso), und manchmal muss man auch dort noch einmal hinzulernen. Und wenn es die eigene Beziehung ist, die auf einmal in einem völlig anderen Licht erscheint.

Um noch einmal auf die Nachricht von Pancho zurück zu kommen: Ja, ich hätte in der Tat mein "letztes Hemd" für ihn gegeben, bzw. hätte geholfen soweit es in meiner Macht gestanden wäre, und deshalb tut es umso mehr weh.....

Gruss Silly