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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Gesellschaft des Weniger



Silvia
17.01.2005, 21:27
Ulrich Beck über den geplatzten Traum vom Aufstiegsland Deutschland

Mit Hartz IV rächt sich die Lebenslüge der Gesellschaft der Vollbeschäftigung. Das meint der namhafte Soziologe Ulrich Beck. Warum aber, fragt sich der bekannte Autor, bleibt es angesichts dieser tiefen Einschnitte bislang relativ ruhig - jedenfalls in den alten Bundesländern? Wo bleibt der kollektive Aufschrei, Aufstand? Ein Grund, so Beck, ist die Individualisierung: "Jeder denkt, er schafft es. Die Folge: Die Gefahr einer sozialen Explosion wächst."

von Ulrich Beck, Professor für Soziologie, 17.01.2005

http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/19/0,1872,2250291,00.html

Felsenbirne
18.01.2005, 09:29
Wer die Bevölkerung nach bestimmten Gruppen einteilt, kann sehr leicht erkennen, dass es zu einer sozialen Explusion in Deutschland nicht kommen kann.

Von den 82,5 Mio Bürgern sind heute 19,5 Rentner, die schon aus der Entwicklung also vor 1945 geb. entweder eine ausreichende Altersversorgung haben oder aber auch noch heute sich schämen auf ihre schlechte Situation aufmerksam zu machen.

Was sicher auch für die rund 8 Mio Bürger gilt die älter als 55 sind gilt.

2,5 Mio Staatspensionäre mit guten Altersbezügen interessierts auch weniger.

Die Kinder und Minderjährigen aber auch die alleinerziehenden Ärmeren, haben weder die Kraft noch das Potential eine Expolsion anzustoßen.

Alle Wohlhabenden und Arbeit besitzenden engagieren sich zuerst zur Erhaltung ihres Status.

Parteien die sich wirklich mit dem Problem der wachsenden Armut auseinandersetzen oder zumindest so tun, wie die Sozialdemokraten in der 2. Hälfte des letzten Jahrhunderts sind nicht zu sehen.

Un dann, gehen wir doch einmal in unsere Vergangenheit, selbst bei viel größeren Unterschieden, sehr wenig Reichen und eine übergroß Zahl Armer und Ärmster, hat es nie zu einer Explosion geführt.

Wenn wir sehen, wann gestreikt wurde um ein Beispiel zu suchen, dann war es so, dass man ein sehr viel größeres Stück vom Kuchen abhaben wollte und 6 oder mehr % durchsetzen wollte.

Alleine durch die geringen Forderungen bei Löhnen und Gehältern läßt sich ein Streik für 0,25 % mehr nicht mehr durchsetzen.

Und daraus, weil es keinen Zuwachs gibt
und wenn dieser so gering ist, dass er von Maßnahmen zur Begrenzung des Rentenanstiegs (Riester-Faktors u. Nachhaltigkeits-Faktors) von der Politik nun für die letzten 2 Jahre und für mindestens die nächsten 3 Jahre, jede konsumtive Entwicklung bremst,
wird es ganz sicher nicht zu einer Besserung , aber auch wegen des langsamamen weiteren
Abgleiten in die Armut keine Explosion geben.

Als es uns wirklich schlecht ging, konnte ein Schreihals bei den damaligen Gesetzen mit Versprechen eine schlimme Bewegung in Gang bringen.

Das geht ganz sicher und Gott sei dank heute in Europa nicht mehr.

Und schlaue Vorträge alleine bringen es auch nicht.

Nein Querdenker mit Charisma sind gefragt . und müssen wieder in die Parlamente.

Nur die werden im Gegensatz zu früher von den Parteien schon garnicht mehr als Abgeortnete aufgestellt, weil sie ja eventuell stören.

Wir sind alle daran schuld, weil wir uns selbst zu wenig zu Wort melden.

Das Wilde Schaf
18.01.2005, 09:57
Wie immer sehr treffend Felsenbirne, aber vielleicht ein kleiner Einwurf.
Wie wenn es gar nicht Notwendig ist das etwas Explodiert?
Wie wenn der wiederstand von heute der Ausstieg und die Verweigerung ist.
Der Ausstieg, die Ignoranz.
Ist die nicht viel gefährlicher als jeder Protest auf der Strasse wo er sichtbar und damit Kategorisierbar ist. Wo man noch gegen ihm Position einnehmen kann, er vielleicht den Wiederstand formiert. Ist nicht Verweigerung oder wie es der von uns allen geliebte Kanzler ausdrückte "Mitnahmementalität" der wahre Untergang einer Gesellschaft. Wenn man im Kopf gekündigt hat, auf einem Bot das Rudern anderen überlässt ist es eigentlich schon aus, oder?

Felsenbirne
18.01.2005, 12:23
Wie wenn der Widerstand von heute der Ausstieg und die Verweigerung ist.



Das haben wir doch.

Die Besitzenden ( Arbeit / Vermögen/ Wissen) verweigern sich doch schon lange und die Wähler?

Das bedeutet doch nur "Status quo"

Und weiter?

AGDeutschland
18.01.2005, 12:31
Das haben wir doch.

Die Besitzenden ( Arbeit / Vermögen/ Wissen) verweigern sich doch schon lange und die Wähler?

Das bedeutet doch nur "Status quo"

Und weiter?

Die Wähler, wenn sie sich von Politik, den Parteien und der Elite (Besitzenden Arbeit, Vermögen, Wissen) betrogen fühlen, wählen halt "Protest", wie letztlich in Sachsen. Spätestens wenn die ersten "Braunen" im Bundestag sitzen, ändert sich der "Status Quo".

boris_hb
18.01.2005, 12:44
Die Wähler, wenn sie sich von Politik, den Parteien und der Elite (Besitzenden Arbeit, Vermögen, Wissen) betrogen fühlen, wählen halt "Protest", wie letztlich in Sachsen. Spätestens wenn die ersten "Braunen" im Bundestag sitzen, ändert sich der "Status Quo".
"Die Wähler" wählen zu ca. 80 Prozent immer noch die Standard-Parteien. Sie wählen und bestätigen also das, was wir eh schon seit Jahrzehnten haben.

Braune saßen immer mal irgendwo. In der folgenden Legislatur saßen sie da dann nicht mehr, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Die Rechten haben ein herrliches Talent, sich selber auszubooten.

Felsenbirne
18.01.2005, 13:00
Die 40 % Nichtwähler denen alles egal und die welche sich von Scheinargumenten vorführen lassen, wie sie von den Grünen ständig vordergründig und verlogen formuliert werden.

Die eigentlichen Fortschrittsverweigerer und theoretischen Spinner das ist das Deutsche Problem.

Mit der Durchdringung durch Lehrer und redegewandter Schönschwätzer aller Parteien und dem an den Rand drängen der einfachen aber soliden und fleißigen Leute hat es um die 68 er begonnen, die heute genüßlich ihre eigenen Pfründe pflegen.