PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Neue Chance trotz abgegebener EV – welcher Weg ist richtig?



Unregistriert
03.10.2004, 15:02
Ich habe vor ca. 1 Jahr die EV abgegeben, war weiterhin freiberuflich tätig – allerdings mit wenig Erfolg und minimalem Einkommen – und habe von „Stütze“ gelebt. Meine Gläubiger haben mich völlig in Ruhe gelassen.

Nun habe ich die Chance, mit einem neuen Gewerbe freiberuflich wesentlich mehr Geld zu verdienen.

Fragen:
1. darf ich trotz EV überhaupt so einfach selbständig sein und Einkommen erzielen?
2. Muß ich von mir aus meine Gläubiger darüber informieren?
3. Darf ich aus dem Einkommen zuerst andere Schulden tilgen?
4. Ich habe keine Chance, ein Konto zu bekommen, muss meinen zukünftigen Kunden aber eines angeben. Ist es sinnvoll (oder strafbar?) wenn meine Lebenspartnerin auf ihren Namen ein Konto eröffnet, für das ich verfügungsberechtigt bin, auf das die Rechnungsbeträge fliessen und von dem ordnungsgemäß die Steuern überwiesen werden?
5. Oder ist es sinnvoller, meine Partnerin, die ebenfalls selbständig ist und mit der ich in eheähnlicher Weise zusammenlebe, übernimmt das Gewerbe, stellt mich mit geringem Einkommen ein und meldet mich bei der Krankenkasse an?
6. Ich weiss, das das Finanzamt in solchen Fällen hohe Anforderungen stellt, z. B. eigenes Konto des Angestellten auf das auch wirklich überwiesen wird. Leider kann ich ja kein Konto eröffnen. Geht auch eine Barzahlung gegen Quittung?

Ich weiss ehrlich gesagt nicht mehr weiter. Ich möchte wieder Geld verdienen und später auch meine Schulden tilgen. Aber ich habe den Eindruck, dass es nach Abgabe der EV gar nicht möglich ist, weil entweder ein Gläubiger oder das Finanzamt mir Knüppel zwischen die Beine wirft.

Ich kann mir keine Rechtsberatung leisten.

Welche Alternative habe ich wirklich?

ThoFa
03.10.2004, 15:21
Hallo,



1. darf ich trotz EV überhaupt so einfach selbständig sein und Einkommen erzielen?
Selbstverständlioch darfst Du das. Es gibt einige wenige Berufe , die einem verschlossen bleiben. Anwalt, Architekten etc. könnten durchaus Probs bekommen.


2. Muß ich von mir aus meine Gläubiger darüber informieren?
Nein. Die EV ist eine Bestandsaufnahme zu einem bestimmten Zeitpunkt, welche nicht selbständig nachgebessert werden muss.


3. Darf ich aus dem Einkommen zuerst andere Schulden tilgen?
Welche Schulden Du außergerichtlich tilgst bleibt Dir überlassen.


4. Ich habe keine Chance, ein Konto zu bekommen, muss meinen zukünftigen Kunden aber eines angeben. Ist es sinnvoll (oder strafbar?) wenn meine Lebenspartnerin auf ihren Namen ein Konto eröffnet, für das ich verfügungsberechtigt bin, auf das die Rechnungsbeträge fliessen und von dem ordnungsgemäß die Steuern überwiesen werden?
Wird nicht funktionieren, die Bank wird eine solche Kontoverbindung schneller kündigen als Du "piep" sagen kannst.



5. Oder ist es sinnvoller, meine Partnerin, die ebenfalls selbständig ist und mit der ich in eheähnlicher Weise zusammenlebe, übernimmt das Gewerbe, stellt mich mit geringem Einkommen ein und meldet mich bei der Krankenkasse an?
Ist durchaus eine Möglichkeit.


6. Ich weiss, das das Finanzamt in solchen Fällen hohe Anforderungen stellt, z. B. eigenes Konto des Angestellten auf das auch wirklich überwiesen wird. Leider kann ich ja kein Konto eröffnen. Geht auch eine Barzahlung gegen Quittung?
Natürlich geht das. Da es kein Recht auf ein Konto gibt, gibts auch keine Pflicht darauf.


Welche Alternative habe ich wirklich?
Vielleicht zunächst den alten Sch... erst mal loswerden , ggf. mit Hilfe einer Insolvenz ?

MfG

ThoFa

katharina
03.10.2004, 15:27
Ich habe vor ca. 1 Jahr die EV abgegeben, war weiterhin freiberuflich tätig – allerdings mit wenig Erfolg und minimalem Einkommen – und habe von „Stütze“ gelebt. Meine Gläubiger haben mich völlig in Ruhe gelassen.

Nun habe ich die Chance, mit einem neuen Gewerbe freiberuflich wesentlich mehr Geld zu verdienen.

Fragen:
1. darf ich trotz EV überhaupt so einfach selbständig sein und Einkommen erzielen?

---Ja, darfst Du, wenn Du vom FA keine Gewerbeuntersagung bekommen hast, wegen Steuerschulden.---

2. Muß ich von mir aus meine Gläubiger darüber informieren?

---Nein---


3. Darf ich aus dem Einkommen zuerst andere Schulden tilgen?

---Steht Dir vollkommen frei, was Du damit bezahlst.----


4. Ich habe keine Chance, ein Konto zu bekommen, muss meinen zukünftigen Kunden aber eines angeben. Ist es sinnvoll (oder strafbar?) wenn meine Lebenspartnerin auf ihren Namen ein Konto eröffnet, für das ich verfügungsberechtigt bin, auf das die Rechnungsbeträge fliessen und von dem ordnungsgemäß die Steuern überwiesen werden?

--- Das ist möglich, wenn die Bank mitspielt, strafbar ist das nicht. Du mußt allerdings "normalerweise" die Adresse Deiner Freundin auf der Rechnung angeben. Das ist seit 01.07.2004 Vorschrift, wenn der Kontoinhaber nicht Rechnungsaussteller ist. Manchmal stellen Banken sich an, wenn der Geldempfänger nicht der Kontoinhaber ist, das nennen die dann Kontenmißbrauch und kündigen im schlimmsten Fall das Konto.--

5. Oder ist es sinnvoller, meine Partnerin, die ebenfalls selbständig ist und mit der ich in eheähnlicher Weise zusammenlebe, übernimmt das Gewerbe, stellt mich mit geringem Einkommen ein und meldet mich bei der Krankenkasse an?

---Wie wäre es, wenn Sie Ihr Gewerbe ummeldet und Deinen Geschäftsbereich mit reinnimmt, die Rechnungen an Deine Kunden für Dich stellt und gegen einen kleinen Obulus gegen Rechnung von Dir, Dir das Geld bar auszahlt. Das setzt natürlich viel Vertrauen voraus.----


6. Ich weiss, das das Finanzamt in solchen Fällen hohe Anforderungen stellt, z. B. eigenes Konto des Angestellten auf das auch wirklich überwiesen wird. Leider kann ich ja kein Konto eröffnen. Geht auch eine Barzahlung gegen Quittung?

--Das geht natürlich auch, nur dann mußt Du 40% Sozialabgaben von Deinem Geld abgeben. Die Berufsgenossenschaft hängt sich auch noch hintendran usw. Überlege Dir wirklich besser, dass Du Deiner Freundin eine Rechnung stellst und diese an Deine Auftraggeber berechnet.---


Ich weiss ehrlich gesagt nicht mehr weiter. Ich möchte wieder Geld verdienen und später auch meine Schulden tilgen. Aber ich habe den Eindruck, dass es nach Abgabe der EV gar nicht möglich ist, weil entweder ein Gläubiger oder das Finanzamt mir Knüppel zwischen die Beine wirft.

Ich kann mir keine Rechtsberatung leisten.

Welche Alternative habe ich wirklich?[/QUOTE]

Unregistriert
04.10.2004, 07:56
vielen Dank an Euch beide.

Eines ist mir noch nicht ganz klar. Da ich bisher nur Einzelkämpfer war fehlt mir hier der background.

ThorFa: Deine Lösung zu 5 und 6 verstehe ich nicht. Könntest Du bitte Deine Lösung etwas genauer schildern? vielen Dank

Bau
05.10.2004, 11:00
Hallo,

die Lösung von ThoFa praktiziere ich mit meinem Partner seit ca. 1 Jahr:

Mein Partner der Einzelkämpfer ist Handwerksmeister. Hat eine alte Insolvenz hinter sich (leider ohne RSB-Antrag), hat kürzlich die EV aufgrund der alten Schulden abgeben müssen, hat bis heute kein Konto bekommen. Ist heute wieder selbstständig (Einzelunternehmer) mit Ich-AG-Zuschuss und Ist-Versteuerung (Einnahme-Überschuss). Sein alter Kundenstamm wäre zu seriös, um mit ihm, trotz fachlicher Kompetenz und hohem Zufriedenheitsfaktor, Geschäfte abzuschliessen wegen EV, kein Konto, vom FA keine Freistellungsbescheinigung ect.
Er schreibt seine Rechnungen an mich und hat aufgrund der Ist-Versteuerung erst dann seine USt. ans FA zu richten, wenn er Geld (alles Barauszahlungen) von mir bekommt.

Jetzt komm ich ins Spiel:

Gewerbe angemeldet: Bauberatung, Betreuung, Organisation, und Handel. Ich hohle neben dem eigenen Handel die Aufträge für ihn rein. Schreibe Angebote, Rechnungen an seine /meine Kunden. Habe eine weiße Weste, bekomme daher vom FA eine Freistellungsbescheinigung (auch wenn rechtlich nicht erforderlich), aber weil der Kunde das so möchte, darf das FA nicht ablehnen. Ich habe mein Gewerbe im Handelsregister freiwillig eintragen lassen und muss somit die Soll-Versteuerung buchen (d.h. ich habe die USt. mit Rechnungsstellung ans FA zu bezahlen, kann aber die Rechnungen des Einzelkämpfers im Zuge der Vorsteuer in Abzug bringen, auch wenn ich noch nichts an ihn bezahlt habe)

So kann ich auf legalem Wege ein bisschen mit dem Geld hin und herschieben, wie es mir passt. Steuern und andere Abgaben werden von beiden immer pünktlichst bezahlt!
Der Einzelkämpfer bezahlt alles bar, sei es Material oder ein neues (gebrauchtes) Auto oder neue Maschinen. Nix wird mehr finanziert oder auf Kredit. Ich kann nur sagen: eine gesunde Basis und auf jeden Fall der richtige Weg !

Gruß Bau

Bau
05.10.2004, 11:09
Hohle= hole

...finanziert oder auf KREDIT = damit meine ich den Warenkredit (mit Zahlungsziel) bei den Lieferanten

debit
05.10.2004, 11:25
Hallo,

die von Bau dargestellte Lösung ist im prinzip, die Beste.

Man arbeitet ohne Konto gegen bar mit aussenstehenden dritten.

Das deutsche Unrechtssystem mit der Nichtdurchfürbarkeit von Regelinsolvenz und gleichzeitiger Selbständigkeit verbietet ein Insolvenzverfahren was zu einer ca. einjärigen Untätigkeit nötigt.

hier wird regelmässig eine WIDERaufnahme einer selbständigen Tätigkeit in der WVP empfohlen, im InsO verfahren ist diese Tätigkeit unpraktikabel.

Aus verschiedenen hier bereits ausgeführten Gründen.

Der Selbständig tätige muss aber um überleben zu können sofort handeln und kann nicht seine NOCH oder WIEDER Kundschaft auf den Zeitraum nach Abschluss des Verfahrens vertrösten.

Wer nun "Stütze" bekommt während angemeldeten Gewerbes wird früher oder später in erklärungs not kommen.

Wer abmeldet macht u.U. Schwarzarbeit.

Wer nicht zeitnah InsO anmeldet bei der er jedoch zur selbständigen Untätigkeit verdammt ist riskiert Versagung der RSB nach § 290 InsOO.

Das beste System lässt sich daher mit einer natürlichen Person als aussenstehenden Dritten ausgestalten wobei einer rein freiberuflichen Tätigkeit ohne Gewerbeanmeldungszwang der Vorzug zu geben ist.

Die natürliche Person fungiert aber praktisch auch als Treuhänder

und im Streitfalle gibt es regelmässig grosse Probleme.

Alternativ zur natürlichen Person gibt es noch die juristische Person.

Abhandlungen im Archiv.

Da die deutsche UNrechtgesetzgebung mit gescheiterten Einzel.- Unternehmern die eine neue Chance wahrnehmen wollen nicht umgehen

kann wird jede Lösung letztendich individuell erfolegen müssen.

Gruss
debit

ichbins
05.10.2004, 17:34
Die Lösung klingt verdammt gut!

Leider bin ich mit einem Beitrag von über 400 € mtl. privat krankenversichert (noch aus der Zeit als es mir gut ging) und werde in 3 Tagen 55. Danach ist ein Wechsel in die GKV nicht mehr möglich.

Wenn ich also diese Beiträge sparen möchte, sollte ich mich dann nicht besser von meiner Partnerin rückwirkend zum 1.10. anstellen lassen? Ausserdem könnte sie mich dann voll von der Steuer absetzen und ich kann ein geringfügiges Einkommen nachweisen.

Fraglich ist dann jedoch, inwieweit da die Behörden mitspielen, denn meine Motive liegen ja klar auf der Hand.

Könnte dies als Erschleichung irgendwelcher Sozialleistungen, Steuerbetrug o.ä. ausgelegt werden?

Haltet Ihr dies für eine sinnvollere Alternative?

Bitte sagt mir dringend Eure Meinung, da ich ja zur Entscheidung nur noch 3 Tage habe.

Auf jeden Fall danke ich Euch für Eure bisherige Hilfe.

auch reingefallen
05.10.2004, 17:57
du mußt vor vollendung des 55 Lebensjahrs mindestens 1 Jahr in gkv gewesen sein, dumm gelaufen

Kassenpatient
05.10.2004, 19:25
großer Nachteil: bin privat krankenversichert und möchte da raus!

Wo ist das Problem? Dann kündige halt Deine PKV. Du erwartest aber hoffentlich nicht, dass ich mich jetzt wieder an den Kosten Deiner Zipperlein beteilige?

Krankenkassenmitarbeiter
05.10.2004, 19:57
""du mußt vor vollendung des 55 Lebensjahrs mindestens 1 Jahr in gkv gewesen sein, dumm gelaufen""

Blödsinn, Prüfungen gibt es erst wenn Pflichtversicherung NACH Vollendung des 55. Lebensjahres eintritt.

ichbins
05.10.2004, 20:17
Du kannst diePKV nicht kündigen und zurück in die GKV marschieren. Die einzige Möglichkeit ist über eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung! Und dank Gesundheitsreformgesetz 2000 kannst Du mit Vollendung des 55. Lebensjahres ÜBERHAUPT NICHT MEHR raus. Nicht einmal über das Sozialamt ;-(

Krankenkassenmitarbeiter
05.10.2004, 20:39
dank Gesundheitsreformgesetz 2000 kannst Du mit Vollendung des 55. Lebensjahres ÜBERHAUPT NICHT MEHR raus. Nicht einmal über das Sozialamt ;-(

EBEN, er IST aber noch nicht 55 und wenn er die versicherungspflichtige Beschäftigung am 1.10. angetreten hat, dann ist er drin.