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Kampfmotte
23.11.2004, 20:43
Hallo alle,

ich versuche, mich kurz zu fassen.

Mein Mann bezieht Arbeitslosenhilfe, da seit 2 1/2 Jahren arbeitslos. Ich bin selbständig (Textil-Onlinehandel) und verdiene momentan fast nichts mehr. An die Arbeitslosenhilfe kommen wir nicht ran, weil das Konto überzogen ist und die Bank nichts rausrückt, obwohl sie das Geld als Sozialleistung nicht einbehalten dürfte. Aber sie erpresst uns mit den Worten: "Wenn Sie auf Auszahlung der Arbeitslosenhilfe bestehen, kündigen wir Ihnen postwendend sämtliche Kredite". Damit ist das Geld, das mein Mann vom AA erhält, weg. Es bleibt mein Verdienst, aber das Geschäft geht schlecht, ich habe keine 500 Euro Gewinn mehr (war mal anders). Diese 500 Euro reichen für eine 3köpfige Familie kaum zum Leben. Sämtliche anderen Zahlungen wie Miete, Strom, Versicherungen und...und...und....sind momentan nicht mehr möglich. Wir sind bei allen Verbindlichkeiten einen Monat im Rückstand. NOCH ist außer Mahnungen nichts passiert. ABER....

Mein Mann hat eine mündliche Zusage auf einen neuen Arbeitsplatz (Vertrag ist in Arbeit) mit Beginn 1.2.05. Das heißt, das erste Gehalt würde er am 1.3.05 bekommen. Er bekommt dann 4 x soviel wie jetzt Arbeitslosenhilfe. Wir hätten jeden Monat 1000 Euro übrig, um Schulden abzuzahlen. Wenn nichts dazwischen kommt *dreimalaufholzklopf* wären wir am März 05 zwar noch nicht aus dem Schneider, aber wieder zahlungsfähig und könnten unsere Schulden wahrscheinlich recht zügig abtragen. Auf diese Chance hoffen wir seit 2 1/2 Jahren.

Nun meine Frage:
Was sollen wir bloß tun, um diese 3 Monate, bis er sein erstes Gehalt bekommt, zu überstehen? Welche Möglichkeiten gibt es, die Gläubiger hinzuhalten? Wie vermeide ich, daß wir auf die letzten Meter noch schlapp machen? Welche Verhandlungstaktiken wären angebracht? Ich bin momentan mit den Nerven ziemlich am Ende vor lauter Angst, es käme noch ein VB dazwischen oder eine Kontopfändung, die den neuen Arbeitspaltz gefährden könnte.

Bitte gebt mir mal Tipps, Ideen, Vorschläge. Bin für jeden dankbar.

Gruß,
Kampfmotte

NetSeeker
24.11.2004, 07:17
Hallo Kampfmotte,

welches pfändbare Vermögen habt ihr denn? Wie hoch sind die Schulden?
Wer ist der Schuldner? (Dein Mann du oder beide?). Wie kam es dazu, bzw. wie ist das Verhältnis zur Bank.

Falls kein pfändbares Vermögen (Haus, Auto - falls nicht beruflich benötigt usw.) da ist, und die Schulden hoch sind (deutlich über 20.000 Euro), ist es kein Problem. Dann verlangt ihr die Auszahlung der Arbeitslosenhilfe. Die Bank macht ann aller Warscheinlichkeit nichts. Ihr müsst darstellen, dass ein neuer Arbeitsvertrag ins Haus steht und sie das abwarten sollen (nicht sagen bei wem!).

Gruß NetSeeker

Kampfmotte
24.11.2004, 08:41
Hallo NetSeeker,

die Schulden entstanden a) durch Kredite privater Art aus der Zeit, als es uns noch gut ging und die Bank uns das Geld hinterhergeschmissen hat und b) aus den beiden Jahren Arbeitslosigkeit, wo wir Beträge immer wieder stunden lassen mußten und hinausgeschoben haben. Natürlich auch ein großer Teil (17.000 Euro) durch mein Geschäft wegen übler Wirtschaftslage und weil ich zu viel Geld aus dem Geschäft ins Private ziehen mußte, weil das Arbeitslosengeld nicht reichte.

Pfändbares Vermögen haben wir keins. Keine Wertpapiere, keine Sparbücher, keine Wertgegenstände außer dem üblichen, das man im Haus hat - alter Video, alter Fernseher usw. Ja, ein 10 Jahre altes Auto haben wir auch. Das würde aber unbedingt beruflich benötigt, wenn mein Mann die neue Arbeitsstelle antritt. Er hat dann einfach 30 km zu fahren.

Die Schulden belaufen sich rund auf 40.000 Euro. Die Schuldner sind unterschiedlicher Art - allen voran die Bank (Kredite und Dispos gesamt 19.000 Euro), dann Finanzamt (Umsatzsteuerrückstand 766 Euro), Stadtwerke (1000 Euro), Lieferanten, Arbeitsamt (wegen monatelanger Überzahlung 2000 Euro), Krankenkasse (1500 Euro), Mietrückstand (2000 Euro), Quelle (Ratenkredit über 4000 Euro - neue Küche vor 4 Jahren, als die Welt noch in Ordnung war), der Rest sind Kleinschuldner wie Kindergarten (200 Euro), Versicherungen usw. Man kann sagen, die Hälfte der Schulden ist privater Art und laufen auf den Namen von meinem Mann bzw. uns beiden, die andere Hälfte ist geschäftlicher Art und läuft nur auf meinen Namen.

Das Verhältnis zur Bank war mal gut, solange mein Mann einen Job hatte und gut verdient hat. Als er arbeitslos wurde, ging das Theater an. Wir mußten immer wieder Kreditraten stunden lassen. Teilweise waren wir soweit, daß die Konten gesperrt waren und wir um 10 Euro betteln mußten, um was zu essen zu kaufen. Die haben schon viel durchgehen lassen, aber momentan sind sie stinkig, weil sie eine Miete vorgestreckt hatten, weil die BEK einen Monat hätte Krankengeld zahlen sollen und nun sträubt sich die BEK und zahlt nicht und die Bank stellt uns als Lügner hin. Der Sachbearbeiter hat sogar bei der BEK angerufen und von dort gehört, wir hätten keinen Anspruch. Stimmt aber nicht, mein Mann war fortlaufend wegen ein und derselben Geschichte krankgeschrieben und bekommt einfach kein Geld. Das Geld werden wir einklagen müssen und das kann ja ewig dauern. Daß ein neuer Job in Aussicht ist, habe ich der Bank schon mitgeteilt samt zu erwartendes Gehalt (ich werde mich hüten zu sagen, wo die neue Arbeitsstelle ist!). Aber die blieben unbeeindruckt. Kann sein, daß sie anders reagieren, wenn der Arbeitsvertrag mal da ist, aber ich weiß nicht, wann wir den bekommen. Da die Stelle erst am 1.2. angetreten werden soll, kann es nächste Woche sein oder erst im Januar. Und dem neuen Arbeitgeber Druck machen, wollen wir auch nicht. Bloß nichts tun, was die Stelle gefährden könnte.
Ich bin echt mit meiner Weisheit am Ende.

Gruß,
Kampfmotte

kalle
24.11.2004, 09:16
@kampfmotte
Haben Sie inzwischen das zuständige Sozialgericht herausgefunden
und dort angerufen? Sooo ewig hat das bei mir damals nicht gedauert.
Alles Gute!
kalle

Alphabet
24.11.2004, 09:16
Die Arbeitslosenhilfe und Kindergeld auf ein schnellstens neu einzurichtendes Konto zahlen. Miete, Strom, Lebenshaltungskosten davon bezahlen, dafür sind die Gelder gedacht. Bank hin oder her. Die werden schon Verhandlungsbereitschaft zeigen, wenn Ihr im nächsten Jahr wieder Zahlungen anbietet. Im Moment irgendetwas anderes zu versuchen ist nicht sinnvoll. Auch der Arbeitsvertrag geht Bank und Gläubiger zunächst nichts an.Erstmal versuchen, die Probezeit zu überstehen und wieder ins Lot zu kommen. Das geht nicht, wenn der Strom abgeschaltet wird.

Kampfmotte
24.11.2004, 09:27
@ Kalle
Beim Sozialgericht haben wir angerufen. Dort gibt es keine Rechtsberater, nur Richter und die geben keine Auskunft hat man uns gesagt. Beim Amtsgericht angerufen, die sagen, dafür ist nur das Sozialgericht zuständig. Nun stehen wir auf dem Schlauch.

@ Alphabet
Ich habe mit der Bank rumgemacht wie eine Blöde. Die kündigen sofort die Kredite, wenn wir das Geld vom Arbeitsamt auf ein anderes Konto leiten und dann wird es lustig. Das können wir uns nicht erlauben. Die sind in diesem Punkt absolut nicht verhandlungsbereit.

Alphabet
24.11.2004, 09:31
Was glaubst Du wohl, was spätestens in 4 Wochen sowieso passiert. Aber das kann eben jeder erst glauben, wenn er es am eigenen Leib erfahren hat. Und wovon kaufst Du Deinem Kind solange was zu essen ? Kannst Du Dir "erlauben", diese Pflichten nicht zu erfüllen ?

kalle
24.11.2004, 09:43
Warum reichen Sie keine Klage gegen die Barmer ein?
Wie gesagt, es hat bei mir (Rheinland *s*, nicht Bayern)
nicht ewig gedauert, sondern ging ratzfatz.
Der Richter hat mir sogar per email am selben Tag geantwortet!
Es geht doch immerhin um 1.600,00 Euro, wenn ich mich richtig
erinnere? Sooo wenig ist das doch nicht?!
Viel Glück!
kalle

Kampfmotte
24.11.2004, 09:50
@ Alphabet
Ich verdiene noch ein bißchen, das muß zum Leben reichen, egal wie. Mir geht es darum, die Gläubiger hinzuhalten. Wenn mir das gelingt, werden wir es schaffen. Ich möchte nicht sagen: "Was soll's, in 4 Wochen geht eh alles den Bach runter." Ich will nicht aufgeben und ich kämpfe bis zum letzten Millimeter. Und ich will versuchen, jede auch noch so kleine Möglichkeit auszuschöpfen. Sonst hätten wir über zwei Jahre umsonst gekämpft und gehungert. (Nicht das Kind, das hat was es braucht.) Und dann die letzten paar Wochen nicht mehr schaffen? Das kann's ja wohl nicht sein.

@Kalle
Einfach Klage einreichen ohne Rechtsanwalt und ohne Erkundigung vorher? Wie geht das? Muß man hinfahren? Geht das schriftlich? Formlos? Antrag? Was kostet es? Ich habe da nicht die geringste Ahnung.

Kalle
24.11.2004, 11:15
@kampfmotte
Hatte ich das nicht schon geschrieben?
So etwa:
"An das Sozialgericht ....
Fax-Nummer: ...
Klage gegen die BEK
Sehr geehrtes Gericht,
hiermit erhebe ich Klage gegen die Barmer Ersatzkasse in ...
(Ort, Adresse)
auf Zahlung des Krankengeldes in Höhe von ... Euro
für die Zeit vom ... bis ... .
Begründung:
Ich war vom ... bis ... krankheitsbedingt arbeitsunfähig.
Die BEK verweigerte die Auszahlung des Krankengeldes,
weil sie meint ... , siehe Schreiben vom ... (Kopie anbei?) .
Das Krankengeld steht mir meiner Meinung nach jedoch zu,
weil ...
Ich bitte um eine baldige Entscheidung.
MfG
..."
So etwa.
(Es ist übrigens immer gut, sich kurz zu fassen und keine Romane zu
schreiben, nur die Fakten, das ist für den Richter dann einfacher.)

Das habe ich damals so ähnlich per Fax ans Sozialgericht geschickt,
selbst, ohne Anwalt. Und der Richter hat am gleichen Tag per email
geantwortet (was nachgefragt, was ich noch dazu schicken sollte).
Es kostet nichts, es geht ohne Anwalt.
Und hier im Rheinland waren die Leute am Sozialgericht supernett
und freundlich, ein Mensch hatte mir diesen Weg zuvor telefonisch
so erklärt - bei mir war es damals ganz eilig, dass hiess dann:
"Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung".
Aber in Bayern??? Da kenn ich mich nicht aus ... *s*
Viel Glück!
kalle

Kampfmotte
24.11.2004, 12:19
Danke Kalle, damit kann ich jetzt was anfangen. Habs mir gleich rauskopiert und werde es entsprechend für uns passend umformulieren. Mal sehen, was dann passiert. Ich sag auf jeden Fall bescheid.

Gruss,
Kampfmotte

Kampfmotte
25.11.2004, 10:27
@ Kalle und alle, die es interessiert

Dank Kalle's guten Tipps hatten wir letzte Woche einen bitterbösen Brief an die BEK abgelassen. Hinweis darauf, daß der MDK, der meinen Mann für arbeitsfähig befunden hat ohne ihn jemals gesehen zu haben oder Akteneinsicht genommen zu haben, dies nicht darf, daß wir uns das nicht bieten lassen und der BEK eine letzte Frist bis 26.11.04 setzen, das Krankengeld auszuzahlen. Erfolgt kein Geldeingang bis 26.11., wird Klage beim Sozialgericht erhoben incl. Schadenersatzforderung für die ganzen Schwierigkeiten, die wir durch diesen Geldausfall hatten.

Man höre und staune, vor 1 Std. kam ein Schreiben der BEK (morgen ist der 26. !!), daß sie den MDK nochmal kontaktiert haben und dieser aufgrund neuer Erkenntnisse (ha,ha, welche sollen das denn sein?) zu der Ansicht gekommen ist, daß mein Mann doch diese 4 Wochen arbeitsunfähig war und daß eine Auszahlung erfolgt. Es sind auch keine weiteren Belege einzubringen, die Zahlung sei bereits angewiesen. NOch ist das Geld nicht da, aber nun haben wir ja was in den Händen, sollte es nicht eingehen und ich denke, daß es jetzt auch bald bei uns gebucht sein wird.

Das rettet uns die Miete und die nächsten zwei Wochen zum Überleben. Vorerst ist also mal Entwarnung angesagt. Ohne das Forum hier hätten wir nicht gewußt, was wir mit der BEK machen sollen. Ganz besonderen Dank an Kalle!!!!

Glückliche Grüße,
Kampfmotte :)

kalle
25.11.2004, 11:11
Ja super!!!
Herzlichen Glückwunsch!!!
Man darf sich echt nicht alles gefallen lassen.
Aber es erschüttert doch den Glauben an den Rechtsstaat
(oder was auch immer), dass es erst nicht geht und dann
plötzlich doch geht - denken Sie nicht auch so?
Die Bayern ticken also doch nicht sooo anders
als die Rheinländer *s*.
Gruss nach Bayern!
Kalle

Kampfmotte
25.11.2004, 11:21
Hallo Kalle,

ja, das stimmt wohl. Nur noch Gauner auf dieser Welt. Ist mir jetzt aber egal, ich freue mich jetzt erstmal, daß es doch noch geklappt hat. Und nochmal GANZ VIELEN DANK!!!!
Es ist bloß erschütternd festzustellen, daß man als Selbständiger immer versucht ehrlich zu sein, keinen Kunden aufs Kreuz zu legen und sich 25 Beine ausreißt und die lieben gesetzlichen und staatlichen Organisationen tun alles, um einen in die Pfanne zu hauen. Ich wollte nicht wissen, wieviele Gelder die sich so sparen, weil die Leute sich nicht trauen, sich zu wehren.
Die Klage bleibt uns also erspart und sobald mein Mann seinen Job antritt, wird eine andere Krankenkasse gewählt (obwohl ich vermute, daß die alle gleich sind). Trotzdem...

Jetzt werden wir unseren Sieg erstmal ein winzig kleines bißchen feiern. :-)

Gruß,
Kampfmotte

P.S. Ich hatte mir über Deinen Link die Gerichtsurteile durchgelesen. Die meisten Klagen gegen Krankenkassen finden in Bayern statt!!!

skilliard
25.11.2004, 21:01
Hallo Kampfmotte,

ich drücke euch die Daumen, das es für euch jetzt endlich aufwärts geht.
Dennoch ein Einwurf von mir: wenn jetzt die BEK das Krankengeld überweist und die Bank das wieder nicht rausrückt, dann seid ihr doch so naß wie vorher? Wenn die Bank einen Rechtsbruch bei eurer ALHI begeht, dann werden die sicher beim Krankengeld nicht so freundlich sein und das rausrücken. Oder habt ihr mit denen schon was ausgemacht?
Ich wünsche euch viel, viel Glück und ich hoffe das ihr den neuen Arbeitsvertrag schnell bekommt.

Kampfmotte
30.11.2004, 20:44
Hallo Skilliard,

das Geld der BEK haben wir bekommen, weil durch das vorher eingehaltene Arbeitslosengeld der Bank das Konto nur noch mit 5 Euro im Minus war. Das BEK-Geld war also im Haben und voll verfügbar (bis auf 5 Euro). Miete, Versicherungen, Telefon usw. konnten bezahlt werden und nun kommt der nächste Monat und ein neuer Kampf.

Heute hatte ich meinen Termin bei der Schuldnerberatung, auf den ich 8 Wochen gewartet habe. Bin hinmarschiert mit einer fein säuberlichen Liste meiner/unserer sämtlichen Schulden, aufgelistet wer, wieviel, ob gemahnt oder nicht, ob Ratenzahlung oder nicht, ob gestundet oder nicht...Eine zweite Liste belegte sämtliche Einnahmen (ha, ha, die wenigen) und sämtliche monatlichen Kosten. Nach einer Stunde bin ich raus, genauso schlau wie vorher. Aussage des Schuldnerberaters, der übrigens sehr nett war: Ich habe alles das gemacht in den letzten 2 Jahren, was die Schuldnerberatung eigentlich auch macht. Mehr können sie auch nicht tun. Ich hatte mir von diesem Termin eigentlich was versprochen, irgendwelche Ratschläge oder "Tricks", wie wir die nächsten Monate überleben können, bis mein Mann seinen Arbeitsplatz antritt. Aber nichts. Auf meine Frage dann, was die Schuldnerberatung dort eigentlich tut, sagte mir der Mann, daß sie für die Leute da sind, die ihnen einen Packen Papiere auf den Tisch knallen und dann erstmal anfangen, um Ratenzahlungen oder Stundungen zu verhandeln oder den Leuten erst einmal auflisten, wo diese überhaupt überall Schulden haben, denn manche wissen das gar nicht mehr. Kurz gesagt, ich fühlte mich dort SEHR fehl am Platz und geholfen wurde mir nicht einen halben Millimeter. Waren nun meine Erwartungen zu hoch oder taugt die Schuldnerberatung nichts, bei der ich war (Städtischer, sozialer Dienst - Schuldnerberatung angegliedert). Das würde mich ja nun doch mal interessieren.

Gruß,
Kampfmotte

kalle
01.12.2004, 13:53
Prima, dass Ihr das Krankengeld bekommen habt!
Ja, zu den Erfahrungen mit der Schuldnerberatung:
Das ging mir ganz genauso. Und dazu musste ich noch
50,00 Euro bezahlen (weil selbständig).
Dieser Chat hier ist da eindeutig effizienter.
Aber für das akute Problem jetzt (Überbrückung bis zum
ersten Gehalt) weiss ich leider auch keine Lösung.
Schlimmstenfalls Sozialamt (evt. auf Darlehnsbasis)?
Alles Gute!

Kampfmotte
02.12.2004, 17:25
Hallo Kalle und sonstige Schreiber hier,

ich stimme dem völlig zu, die Schuldnerberatung hat mir gar nichts gebracht, hier im Forum habe ich schon das 100fache gelernt.

Was unsere Überbrückungszeit angeht, so bekommen wir von keiner Stelle etwas. Irgendwie fallen wir durch jedes Raster. Diese verdammte Bürokratie steht sich selber überall im Weg. Mein Mann bekommt ab diesen Monat Arbeitslosenhilfe. Das heißt, es mußte nur für den einen Monat Dezember ein neuer Antrag gestellt werden. Also wieder auf Geld warten, weil die wohl wieder wochenlange Bearbeitungszeit haben werden. Den 16seitigen ALG-II-Antrag haben wir schon ausgefüllt, der gilt ja dann ab Januar. Das heißt dann wieder warten bis der bearbeitet ist. So zieht sich das hin und hin....

Und weil nun das Geld vom AA wieder nicht pünktlich zum Ersten kommt, zickt die Bank wieder rum. Es ist ein einziger elendiger Kreislauf. Aber die Chancen, daß das mit dem neuen Arbeitsplatz klappt, sind gestiegen. Wir müssen nur noch bis zum 1.3. überleben...irgendwie....

Gruß,
Kampfmotte

kalle
02.12.2004, 18:06
Aber wenn Dein Mann Anspruch auf AloHilfe und ab 1.1 auf ALG II hat, dann müsste er doch schlimmstenfalls auch Anspruch auf "Hilfe zum Lebensunterhalt" (Sozialhilfe) haben, wenigstens auf Darlehnsbasis.
Der Gang zum Sozialamt ist allerdings auch kein Zuckerschlecken. Meine Erfahrung:
Ich hatte zuvor angerufen und telefonisch einen Termin vereinbart. Als ich (pünktlich) kam und an der Tür des Sachbearbeiters klopfte, kam ein "HEREIN" gebrüllt.
Ich mache die Tür auf, der Sachbearbeiter sitzt an seinem Schreibtisch, die Beine liegen AUF dem Schreibtisch, er isst ein Butterbrot: "Termin? Jetzt? Das kann nicht sein!
Jetzt habe ich Pause. Bitte warten Sie draussen, bis die Pause vorbei ist." "Wie lange?" "Das merken Sie dann schon, ich rufe Sie dann rein."
In diesem Stil ging es dann weiter.
So müsste unsereins mal mit Kunden umgehen!
Na, nach dreistündigem "Gespräch" (besser: Verhör, Vorwürfen, Unterstellungen) bekam ich dann einen Scheck über knapp 300,- Euro, den ich direkt nebenan in der Bank einlösen konnte. Immerhin. Denn der Kühlschrank war leer.
Weiterhin alles Gute!
Kalle

Kampfmotte
04.12.2004, 08:54
Hallo Kalle,

ich habe bereits Erfahrungen mit dem Sozialamt gesammelt. Irgendwie fallen wir durch jedes Raster. Ich habe meine Erfahrungen grade unter dem anderen Beitrag von arch_claudia betreffend Sozialamt niedergeschrieben.

Das Sozialamt hat bisher nicht gezahlt, weil mein Mann ja vom Arbeitsamt Geld bekommt. Ob wir da herankommen oder nicht, weil die Bank mal wieder nichts rausrückt, interessiert das Sozialamt nicht. "Welche Vereinbarungen Sie mit der Bank getroffen haben, interessiert uns nicht, wir sind auch nicht für Ihre Schulden zuständig."

Der zweite Verweigerungsgrund war unsere Wohnung. Sie ist mit 180 qm sehr groß, stimmt, davon fallen aber gute 60 - 70 qm auf gewerbliche Fläche, weil Büro und Lager ebenfalls in der Wohnung sind. Hat niemanden interessiert. Dann hieß es, wir müssen aus der Wohnung raus. Aber wir zahlen eine Sondermiete - 730 Euro für alles (kalt), weil wir die Hausmeistertätigkeit für ein Riesengelände übernommen haben, normalerweise lt. Mietspiegel wäre die Kaltmiete gute 1600 bis 1700 Euro hier. Auch das interessiert keinen. Wir haben uns schon umgesehen, seit einem halben Jahr etwa. Es gibt hier keine Wohnungen, die dem Preis des Sozialamtes gerecht werden, denn dann dürfte sie für einen 3 Personenhaushalt nur höchstens 471 Euro kosten (die Anpassung an den Mietspiegel wurde aber auch seit 1994 nicht mehr vorgenommen!!!). Eine solche Wohnung ist nicht zu finden, weil schon 2-Zimmer-Wohnungen teurer sind. Auf meine Frage hin, was denn passiert, wenn wir hier die Miete nicht mehr zahlen können und raus müssen und keine Wohnung finden (wir haben 2 Hunde, 1 Katze und ein Kleinkind, da winkt eh jeder Vermieter ab), bekam ich keine Antwort. Als ich fragte: "Heißt das, daß wir dann unter der Brücke landen würden? Gibt es das tatsächlich in Deutschland?", zuckte die Dame nur die Schultern und meinte: "Es wird in diesem Land immer schlimmer". Ich wertete das mal als "Ja, es ist möglich".

Auch eine Hilfe auf Darlehensbasis wurde abgelehnt mit der Begründung, machen sie nicht, sie sind nur zur Deckung des Lebensunterhaltes zuständig.

Grundvoraussetzung, um überhaupt einen Antrag stellen zu können, wäre das ich mein Gewerbe abmelde. Aber das geht nicht, da ich zumindest noch soviel Geld damit verdiene, daß wir nicht verhungern. Ohne meine, wenn auch geringen Einnahmen, hätten wir gar nichts mehr, weil sich das Sozialamt ja wegen der Wohnung weigert, zu zahlen. Aber wenn wir keine andere Wohnung finden, die günstiger ist? Hier ist der Mietpreis für eine 3-Zimmer-Wohnung in der billigsten Lage ca. 530 - 580 Euro für ca. 70 qm. Hält man dagegen unsere Miete von 730 Euro für 180 qm, dann müßte ja jedem klar sein, wie billig wir wohnen. Aber das interessiert alles nicht.

Wir waren beim Sozialamt mit einem Barvermögen von 1,53 Euro und erhielten zur Antwort, daß sie Bearbeitungszeiten von bis zu 6 Wochen haben!!! Auf die Frage hin, wie wir von 1,53 Euro 6 Wochen leben sollen, hieß es wieder, mein Mann bekäme doch Arbeitslosenhilfe. Die reicht aber eben nur für die Miete und Nebenkosten, wenn denn mal ein Geld eingeht.

Momentan ist es so, daß der Arbeitslosenhilfeantrag seit 20.11. in Bearbeitung ist (ging zu diesem Zeitpunkt vom ALG in ALH über). Wieder kommt kein Geld wegen ewiger Bearbeitungszeiten. Ab 1. Januar dann wieder das gleiche, weil dann wieder ein neuer Antrag (der ist schon abgegeben) auf ALG II greift. Auch da werden wir wieder mit elendigen Bearbeitungszeiten rechnen müssen.

Hast Du in diesem unserem Sozialstaat kein Geld, bist Du der letzte Dreck, ob selbst verschuldet oder völlig schuldlos in sowas reingerutscht. Und um wieder auf die Füße zu kommen, hilft Dir kein Schwein. Wir standen zeitweise schon da, mein Mann hätte sich gerne beworben, aber uns fehlte das Geld um die Bewerbungen wegzuschicken oder um Lichtbilder machen zu lassen oder für die Spritkosten, um zu einem Vorstellungsgespräch zu fahren. Wie soll man dann aus so einem Schlamassel wieder herauskommen? Na ja, ich hoffe, daß das alles bald ein Ende hat und ich weiß, daß ich, auch wenn mein Mann dann gut verdienen sollte, zum Geizhals par excellence werde und jeden Cent auf die Seite räumen werde, der nicht unbedingt benötigt wird. Nie wieder möchte ich in sowas wie jetzt reinrutschen - vorausgesetzt natürlich das mit dem neuen Job klappt und wir schaffen die Zeit noch bis zum 1. März. Ich habe mir selbst das Versprechen abgenommen, daß ich anderen Leuten in Not helfen werde, sollten wir wieder aus diesem Elend herauskommen.

Gruß,
Kampfmotte

Bernd
04.12.2004, 09:09
Hallo Kalle,

Der zweite Verweigerungsgrund war unsere Wohnung. Sie ist mit 180 qm sehr groß, stimmt, davon fallen aber gute 60 - 70 qm auf gewerbliche Fläche, weil Büro und Lager ebenfalls in der Wohnung sind. Hat niemanden interessiert.


------------Ich hab zu deinem anderen Beitrag zum Sozialamt eingies geschireben. Jetzt stellt sich die Situation aber teilweise auch schn wieder etwas anders dar.
Selbstverständlich kann und darf das Sozialamt nur Wohnkosten übernehmen. Dass Kosten für gewerbliche Räume nicht übernommen werden ist klar und richtig.

Dann hieß es, wir müssen aus der Wohnung raus. Aber wir zahlen eine Sondermiete - 730 Euro für alles (kalt), weil wir die Hausmeistertätigkeit für ein Riesengelände übernommen haben, normalerweise lt. Mietspiegel wäre die Kaltmiete gute 1600 bis 1700 Euro hier. Auch das interessiert keinen.

------------So gesehen ist das ein Einkommen in Form eines geldwerten Vorteils, der vermutlich nicht nur zu versteuer wäre, sondern natürlich auch bei der Sohi anzurechnen wäre.



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